• aktualisiert:

    MÜNCHEN

    Wie ist das eigentlich mit der Doppelspitze, Herr Waigel?

    Der Ex-CSU-Chef erklärt, warum seine Partei mit der Ämterteilung keine schlechten Erfahrungen gemacht hat und wie er trotz Dissonanzen erfolgreich mit Stoiber zusammenarbeitete.

    Klappt eine Doppelspitze? Kommt darauf an, sagt Theo Waigel. Foto: dpa

    Immer wieder hat die CSU es mit einer Doppelspitze versucht – und das mit wechselndem Erfolg. Nach dem Krieg (ab 1946) musste der liberale Josef Müller, genannt Ochsensepp, sich als CSU-Chef die Macht mit dem klerikal-bäuerlichen Franken Hans Ehard teilen. Nachdem Hanns Seidel Ende der 50er Jahre beide Ämter innehatte, gab es von 1962 bis 1978 wieder eine Doppelspitze – und zwar eine sehr erfolgreiche: Parteichef war Franz Josef Strauß, der Machtmensch mit bundespolitischem Anspruch, und Ministerpräsident der heimatverbundene Landesvater Alfons Goppel.

    Danach übernahm Strauß für zehn Jahre beide Ämter. Nach dem Tod von Strauß gab es die Doppelspitze aus dem Parteichef Theo Waigel und dem Ministerpräsidenten Max Streibl, ab 1993 dann die schwierige Ämterteilung zwischen Waigel und Edmund Stoiber. Nur ein Jahr lang ging die Doppelspitze Erwin Huber (Parteichef) und Günther Beckstein (Ministerpräsident) gut. Ein Wahldebakel 2008 führte zu ihrem Ende. Seehofer übernahm beide Ämter. Und wie sind die Prognosen diesmal?

    Frage: Herr Waigel, Sie haben Erfahrung mit einer CSU-Doppelspitze. Sie waren von 1988 bis 1999 Parteichef, während Max Streibl und Edmund Stoiber Ministerpräsidenten waren. Jetzt gibt es wieder eine Ämterteilung. Wie gut funktioniert so etwas in der CSU?

    Theo Waigel: Das kommt darauf an.

    Worauf kommt es an?

    Waigel: Auf die Konstellation und die Personen. Das kann sehr gut funktionieren. Wir hatten das ja bereits 1946. Und insgesamt hatte die Partei längere Zeit eine Doppelspitze, als dass die Ämter in einer Hand lagen. Die eine Ideallösung gibt es nie.

    Wie lief es, als Sie Parteichef waren?

    Waigel: Von 1988 bis 1999 war es sicher richtig. Dadurch war die CSU in einer ganz schwierigen Zeit, in der bundespolitisch viel anstand, bei allen Entscheidungen der Deutschen Einheit und der europäischen Einigung dabei. Das wäre kaum möglich gewesen, wenn der Parteivorsitzende damals in München gewesen wäre.

    Sie beschreiben die Doppelspitze Waigel/Stoiber als gute Zeit. Dabei waren Sie und Stoiber sich alles andere als herzlich zugeneigt.

    Waigel: Die Doppelspitze Waigel/Stoiber war nicht einfach, aber sie war trotzdem erfolgreich. Sie war vor allen Dingen für mich schwierig, weil ich auf der einen Seite schwierigste Entscheidungen in Bonn mit treffen musste und an der Heimatfront immer wieder um Verständnis für meine Position kämpfen musste. Insofern hat das vor allem mir viel Geduld und Gelassenheit abverlangt.

    Sie haben aber in dieser politisch schwierigen Zeit nach der Wiedervereinigung gute Wahlergebnisse erzielt. Warum haben Sie dennoch 1999 den CSU-Vorsitz abgegeben?

    Waigel: Ich habe die Konsequenzen aus der Wahl 1998 gezogen und habe mich aus der aktiven Politik zurückgezogen. Dann hat Stoiber das allein gemacht und hat damit 2002 und 2003 auch Erfolge gehabt. Danach allerdings auch Probleme.

    Seit 2008 hat Horst Seehofer wieder beide Ämter. War das eine gute Entscheidung?

    Waigel: Horst Seehofer hatte damals das Glück, dass er mit den Problemen der Landesbank und der Verwandtenaffäre überhaupt nichts zu tun hatte. Das war sein großes Glück und auch das Glück der CSU. Doch jetzt ist sicher wieder eine Situation da, in der die Verteilung der Macht und eine Verteilung der Verantwortung durchaus angemessen ist und Sinn macht.

    Kann ich daraus schließen, dass Sie Horst Seehofer zu einer Ämterteilung geraten haben?

    Waigel: Er hat mir gesagt, dass er Parteichef bleiben will. Und unter den gegenwärtigen Umständen bei so viel Unruhe und Unsicherheit auch in der Bundespolitik wäre es sicher falsch, jetzt den Hauptverantwortlichen auszuwechseln.

    Sie haben ihm also nicht davon abgeraten, Parteichef zu bleiben?

    Waigel: So ist es. Ich halte es für sinnvoll, dass er in dieser Situation die Aufgabe weiter wahrnimmt. Mitten in einer solchen Auseinandersetzung die Pferde zu wechseln, wäre falsch.

    Welche Rolle hat denn das Beratergremium aus Ihnen, Edmund Stoiber und Barbara Stamm letztlich gespielt?

    Waigel: Es gab kein Beratergremium. Es gab drei Leute, die der Ministerpräsident und Parteivorsitzende um Rat gefragt hat. Das Gremium hat nicht getagt. Wir waren in einem gewissen Kontakt, aber das war kein Gremium, sondern Horst Seehofer hat mich gebeten, ihm mit Rat zur Seite stehen, dieser Bitte bin ich selbstverständlich gefolgt. Der Rat hat in zwei Telefongesprächen stattgefunden.

    Gab es auch Kontakt mit Edmund Stoiber?

    Waigel: Es gab auch Kontakt mit Edmund Stoiber. Aber insgesamt war das ein individuelles Rat geben und keine Gremienkultur.

    Ein wenig erinnert die Situation im Tandem Waigel/Stoiber doch an heute, oder?

    Waigel: Das ist immer verschieden. Aber es wird auch künftig nicht einfach sein. Ich habe den beiden am Montag im CSU-Vorstand ein bisschen ironisch und halbernst geraten, sie könnten sich künftig Berater holen: Wenn Horst Seehofer jemanden braucht, der ihm sagen kann, wie das ist, wenn man von München aus permanent Ratschläge bekommt, dann kann ich ihm helfen. Und wenn Markus Söder nicht genügend einfällt, wie man bayerische Interessen auf Bundesebene einbringen kann, dann kann er ja Edmund Stoiber fragen. Das hat zu großer Heiterkeit geführt.

    Das Gespräch führte Holger Sabinsky-Wolf

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)


    Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de?
    Dann jetzt gleich hier registrieren.