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    WIGGENSBACH

    Jetzt wird aufgeräumt!

    Das kreative Chaos ist eine Lebenslüge, sagt Katharina Auerswald. Sie ist Aufräumcoach und verrät ihre Tricks für ein ordentliches Zuhause und ein geordneteres Leben.

    _ Foto: Joseph Helfenberger - Fotolia. (1106456)

    Sie müssen dringend auf einen Termin und das Einzige, was jetzt fehlt, ist Ihr Schlüssel? Hatten Sie ihn nicht in der Küche abgelegt? Oder doch auf dem Zeitschriftenstapel im Wohnzimmer? Dabei fällt Ihnen ein, dass Sie diesen auch schon längst geordnet haben wollten – genauso wie den Wäscheberg gebügelt, den Papierstapel auf Ihrem Schreibtisch sortiert und den Kleiderschrank ausgemistet. Aber wie nur sollen Sie dem ganzen Chaos nur Herr werden?

    Katharina Auerswald aus Wiggensbach im Allgäu ist professioneller Aufräumcoach. „Die Geschichte vom kreativen Chaos ist eine Lebenslüge“, sagt sie. Am kreativsten sei man immer noch, wenn man vor einer weißen Leinwand nicht erst anfangen muss, seine Stifte zu sortieren, so die Mittfünfzigerin, die 2009 ihr Aufräumtalent zum Beruf gemacht hat. Ordnung ist für sie ein stetiger Prozess. „Das macht man nicht nur einmal und dann ist gut . . .“ Und es bedeutet: Alles hat seinen Platz. „Das heißt jetzt aber nicht, dass alles steril und militärisch, geschleckt sein muss“, erklärt Auerswald.

    Sie selbst habe – wie beruhigend – nicht immer aufgeräumt, gesteht die Beraterin am Telefon. „Ich bin ein normaler Mensch. Ich hasse es nur zu suchen, das ist für mich verlorene Zeit.“ Dennoch wisse sie, wenn man sie im Urlaub anrufe und nach ihrem dicken Pinsel frage, wo dessen Platz sei. Denn sobald man das richtige System für sich gefunden habe, funktioniere Ordnung auch.

    So geht sie auch an ihre Aufträge ran. Gemeinsam mit ihren Kunden versucht sie, ein System zu entwickeln. „Wenn der Kunde plötzlich versteht, worauf es ankommt, ist das wie ein magischer Moment.“ Denn dann könne er auch nachhaltig Ordnung halten, weiß die 54-Jährige, die für größere Betriebe die Büroorganisation umgekrempelt hat, aber auch ganz normale Haushalte berät.

    Wenn Menschen eingefahren sind, nicht mehr wissen, wohin, und sich ihre Gedanken nur noch im Kreis drehen, rät die Allgäuerin aufzuräumen und auszumisten – egal ob Kleiderschrank oder Schreibtisch. „Das ist ein Stück meditative Arbeit auf dem Weg zur Klarheit.“

    Ihr Tipp: Am besten löst man sich von unliebsamen, überflüssigen und kaputten Dingen, diese sind oft mit negativen Gefühlen behaftet. Die meisten Menschen besitzen sowieso zu viel. Nur die Dinge, die einen glücklich machen, sollte man auch behalten. Sortieren bedeute auch, im Kopf eine Linie zu finden. So erlebte die Aufräumerin einmal, dass eine Kundin am zweiten Ausmist-Tag wusste, wie es in ihrer Beziehung weitergehen könnte.

    Ein übertragbares Gesamtkonzept für Ordnung gibt es laut Katharina Auerswald nicht. Das Wichtigste sei, ein persönliches System zu finden. Zum Sortieren empfiehlt sie vier Kisten: eine mit Dingen zum Wegwerfen. Eine, in die Dinge kommen, mit denen etwas gemacht werden muss (gewaschen oder bearbeitet); eine dritte, in die Dinge zur Ablage kommen, und in die vierte Kiste kommen all die Sachen, die man verkaufen, verschenken oder an Dritte weitergeben kann.

    „Zuerst kommt das Sortieren und dann die Ausführung“, erklärt Auerswald. Machen beispielsweise das frühere Lieblingsbuch und der Ringelpulli nicht mehr glücklich, müssen sie weg. Denn nur wer ausschließlich von glückbringenden Gegenständen umgeben sei, werde diese auch schätzen und sie mit der nötigen Disziplin jedes Mal wieder an ihren Platz zurückräumen.

    Wichtig beim Aufräumen sei auch, bei einer Sache zu bleiben. Ist man im Sortiermodus, sollte man sich nicht ablenken lassen. „Multitasking geht nicht. Das Gehirn ist wie ein Computer: Je mehr parallel gemacht wird, desto langsamer wird es“, sagt die Expertin. „Ein Papier, das zwar brisant ist, aber bereits seit vier Wochen herumliegt, kann auch noch weitere zwei Stunden warten.“ Das sind Ihre Tipps für alle, die die Fastenzeit zum Ausmisten und Aufräumen nutzen wollen. Katharina Auerswald sieht das Ausräumen als Challenge, also als Herausforderung:

    Die Zum-Ende-Verbrauchen-Challenge

    Kosmetika, Reinigungsmittel, Gewürze – sehr oft horten wir eine Menge angebrochene Packungen, Dosen, Flaschen und Tuben von gleichen oder sehr ähnlichen Produkten. Beispielsweise haben wir eine teure Gesichtscreme geschenkt bekommen, die nutzen wir nur ab und an, und weil sie uns für den Alltag zu schade ist, stehen im Bad noch zwei weitere, günstigere. Die teure wird aber mit der Zeit nicht besser – verbrauchen Sie sie also konsequent und werfen Sie die Verpackung weg.

    Die 3 x 5-Minuten-Challenge

    Klingt harmlos, ist aber wirksam: Jeden Tag vor dem Schlafengehen 15 Minuten der Ordnung widmen. Räumen Sie auf: fünf Minuten die Küche, fünf Minuten das Wohnzimmer, fünf Minuten Kleider, die herumliegen.

    Die sonntägliche 30-Minuten-Challenge

    Bringen Sie jeden Sonntag 30 Minuten lang etwas in Ordnung, das Ihnen in der folgenden Woche das Leben leichter machen wird.

    Die 30-Tage-Challenge

    Am ersten Tag entsorgen Sie eine Sache, am nächsten zwei, am dritten drei usw., bis Sie am dreißigsten Tag dreißig Sachen weggeworfen/verschenkt/verkauft haben oder wie auch immer losgeworden sind. Insgesamt werden es 465 Sachen sein. Zu viel? Lassen Sie sich überraschen, wie viel Überflüssiges Sie in Ihrem Haushalt finden werden!

    Die 12-Monate-Challenge

    Entfernen Sie jeden Monat eine unerwünschte Situation aus Ihrem Leben. Es können Pflichtbesuche bei Menschen sein, die einen weder inspirieren noch interessieren, Veranstaltungen, die Sie aus einem diffusen Pflichtbewusstsein besuchen, alte Mitgliedschaften in Vereinen oder Abonnements von Zeitschriften, die Sie nie wirklich lesen.

    Von unserer Mitarbeiterin Sabine von Kienlin

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