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    ANSBACH

    Gedanken zum Fest: An Ostern haben wir „gut lachen“

    Regionalbischöfin Gisela Bornowski geht in ihren Gedanken zum Fest auf das Lachen ein. Warum Christen jetzt im Frühling neu das Leben feiern.

    Gisela Bornowski ist Regionalbischöfin im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg. Die 55-Jährige leitet als erste Frau den Kirche... Foto: Daniel Peter

    Du hast gut lachen . . . !“

    Wenn etwas wirklich endgültig ist, dann ist es nach unserer menschlichen Erfahrung der Tod. Das gehört zu den unverbrüchlichen Wahrheiten des Lebens. Auch wenn uns das bewusst ist, so müssen wir doch die Tragweite dessen erst schmerzlich lernen.

    Ein geliebter Mensch musste von uns gehen. Was ich ihm sagen wollte, kann ich nun nicht mehr sagen. Betroffen stelle ich fest, manche Blumen wären zu seinen Lebzeiten eine bessere Investition gewesen, als jetzt auf dem Grab.

    Wir selbst spüren, unsere Tage sind gezählt. Wenn wir älter werden, geht manches nicht mehr so leicht von der Hand, wie früher. Lange wollen wir es nicht wahrhaben, aber die eigenen Kreise werden enger. Auch um uns herum hinterlässt der Tod unerbittlich seine Spuren.

    Was wir uns als jüngere Menschen nur schwer vorstellen können, steht als endgültige Tatsache irgendwann vor uns. Wir machen die bedrückende Erfahrung, dass immer weniger unserer Freunde und Wegfährten übrig bleiben. Die unzähligen Opfer der unsinnigen Kriege, von denen wir hören und lesen, sind dabei noch gar nicht mitgerechnet.

    Jesus teilt unser Schicksal

    Wer da noch unbekümmert durchs Leben gehen kann, dem sagen wir gerne: „Du hast gut lachen . . . !“ Es ist offensichtlich, über den Tod macht man keine Witze. Denn wer zuletzt lacht, lacht am besten, und das ist nach unserer Erfahrung nun mal der Tod.

    Jesus ist es auch nicht anders ergangen. Er teilt unser Schicksal. Verfolgt und von den eigenen Anhängern verlassen, wird er hingerichtet und stirbt elend. „Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen“, so spotten einige unter seinem Kreuz. Wie gesagt: Wer zuletzt lacht, lacht am besten, und das ist nun mal der Tod. Jesus ist an Karfreitag davon auch nicht ausgenommen. Unerhört erscheint deshalb, was der Evangelist Matthäus über Ostern berichtet. Am frühen Ostermorgen ereignen sich am Grab Jesu Dinge, die die Welt und ihre unverbrüchlichen Grundwahrheiten verändern. „Es geschah ein großes Erdbeben. Der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.“

    Der schwere Stein vor dem Grab ist wie ein unverbrüchliches Zeichen für die Endgültigkeit des Todes. Wo der Tod sich breit gemacht hat, ist er nicht mehr zu vertreiben. Der Stein des Grabes versperrt den Weg zum Leben. Das ist endgültig! Doch davor hat der Engel keinen Respekt. Er wälzt ihn weg und setzt sich darauf. Das muss man sich einmal ganz bildlich vorstellen. Damit wird der Tod lächerlich gemacht!

    Noch bis ins 18. Jahrhundert gab es in vielen Kirchengemeinden den Brauch des „Osterlachens“. Der Pfarrer versuchte, nach der Fastenzeit und dem Karfreitag mit Witzen die Gemeinde zum Lachen zu bringen. Nachdem dies aber an manchen Orten zu allerlei Klamauk geführt hatte, kam dieser Brauch wieder aus der Mode.

    Richtig an ihm ist allerdings die Überzeugung, dass wir an und seit Ostern „gut lachen haben“. Der Grund sind aber nicht die mehr oder weniger gelungenen Witze eines Pfarrers. Wir haben vielmehr gut lachen, weil Gott selbst an Ostern den Tod lächerlich gemacht hat.

    Der Engel sitzt triumphierend auf dem Stein und lacht uns aufmunternd zu: „Der Herr ist auferstanden!“ Auch wenn uns der Schrecken noch in den Gliedern steckt, dürfen wir froh antworten: „Ja, ER ist wahrhaftig auferstanden!“

    Wir sind in dieser Welt endlich

    Zu unserem menschlichen Leben gehört das Sterben. Wir sind in dieser Welt endlich. Deswegen ist Leben kostbar, und wir müssen lernen, damit sorgsam und verantwortlich umzugehen. Auch nach Ostern ist unser Leben in dieser Welt endlich. Aber der Tod ist nicht „endgültig“, so als hätte er das letzte Wort. Wer dafür sein Herz öffnet, entdeckt nicht nur das Geheimnis von Ostern, sondern hat „gut lachen“. Denn „Christus ist auferstanden“, und das ist Hoffnung auf Leben auch jenseits des Todes. Es ist Hoffnung auf Leben schon jetzt, auf neue Bewegung, wo wir erstarrt sind.

    Lasst uns deshalb in unserem endlichen Leben alles tun, um den Tod schon jetzt lächerlich zu machen; indem wir kranke und einsame Menschen am Leben teilhaben lassen und uns um Sterbende kümmern; indem wir jedes Mal, wenn wir von einem Menschen Abschied nehmen müssen, uns die Hoffnung von Ostern neu sagen lassen; indem wir entschieden dafür eintreten, dass Menschen, egal woher sie kommen, eine Zukunft für sich finden können; indem wir jetzt im Frühling neu das Leben feiern.

    Gisela Bornowski ist seit März 2014 die Evangelisch-Lutherische Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg. Dieser umfasst den westlichen Teil Mittelfrankens und Unterfranken weitestgehend. Die 55-Jährige ist verheiratet und Mutter dreier Kinder.

    Die Geschichte des Festes

    An Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu Christi. Die Botschaft von Kreuz und Auferstehung ist das Fundament ihres Glaubens. Wie sich die Auferstehung Jesu vollzog, wird in der Bibel nicht beschrieben. Das Neue Testament erwähnt auch keine Augenzeugen. Hingegen enthalten die Evangelien und Paulus-Briefe Berichte über das leere Grab, die Verkündigung der Auferstehung durch einen Engel, über Erscheinungen des Auferstandenen und die Bekenntnisse, die diesen Glauben bezeugen. Schon früh gab es Versuche, die Auferstehung als Betrug hinzustellen. Dazu zählten die Annahmen, Jesus sei nicht gestorben oder sein Leichnam sei gestohlen worden. Die Liturgie der Osternacht nutzt eine Reihe von Symbolen, um den Auferstehungsglauben zu verdeutlichen: So wird ein Feuer entzündet, das Christus als Licht der Welt versinnbildlicht. Eine Wassersegnung erinnert an die Taufe. kna
    Gisela Bornowski

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