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    MÜNCHEN / WÜRZBURG

    Feldgeschworene: Siebener werden Kulturerbe

    Siebenergeheimnis und Grenzsteinsetzung: Das Feldgeschworenenwesen in Bayern wird heuer in das Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

    Das Feldgeschworenenwesen in Bayern wird heuer in das Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Dies gab Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) bei einer Kabinettssitzung bekannt. Der CSU-Landtagsabgeordnete Manfred Ländner (Kürnach, Lkr. Würzburg) hat sich einer Pressemitteilung aus seinem Büro zufolge maßgeblich für eine Aufnahme dieser Tradition in das Verzeichnis eingesetzt und zeigt sich nun erfreut, dass sein Einsatz erfolgreich war.

    Das Ehrenamt ist im 13. Jahrhundert in Franken entstanden. Dort erkannten die fränkischen Mark- und Feldgerichte, dass vor Ort Ansprechpartner in den einzelnen Dörfern nötig waren, die sich mit den lokalen Gegebenheiten auskannten und die Grenzbeaufsichtigung gewährleisteten. Von den 25 000 Feldgeschworenen in Bayern kommen alleine rund 15 000 aus Franken, erläuterte Bayerns Heimatminister Markus Söder jüngst beim Siebener-Tag in der Steigerwaldgemeinde Untersteinbach. Sie setzten mehr als 80 Millionen Grenzzeichen, davon 30 Millionen Grenzsteine.

    Trotz Digitalisierung wichtig

    Das Feldgeschworenenwesen ist als „ältestes Ehrenamt mit Geschichte“ bekannt und hat – trotz Digitalisierung und Nutzung modernster Geodaten – nach wie vor nicht an Bedeutung verloren. Gruppen von typischerweise sieben Feldgeschworenen (Siebener) wachen über die Einhaltung von Grundstücksgrenzen und sorgen durch Grenzsteinsetzung für deren Sichtbarkeit. Sie sind damit das Rückgrat der bayerischen Vermessungsbehörden auf kommunaler Ebene. Darüber hinaus haben die Amtsträger eine herausragende gesellschaftliche Stellung inne und pflegen neben ihrer Arbeit auch Brauchtum und Tradition. Ihr Leitspruch war und ist: „Tue Recht, fürchte Gott und scheue niemand.“

    Eine Besonderheit der Feldgeschworenen ist ihr „Siebenergeheimnis“. Mit geheimen Zeichen und Markierungen, etwa in Form von Marksteinzeugen, wird der Punkt des zu setzenden Grenzsteines gekennzeichnet. Die geheimen Daten sind von Kommune zu Kommune unterschiedlich und werden nur mündlich an den Nachfolger weitergegeben. Die Feldgeschworenen wurden von Anfang an darauf vereidigt und blieben Feldgeschworene ihr Leben lang oder solange es ihre Gesundheit zuließ.

    In einer Dienstordnung aus dem Jahre 1868 heißt es: „Die Wahl der zum Belegen der Grenzsteine zu verwendenden Gegenstände ist dem Ermessen der Feldgeschworenen anheim gegeben, welche hierüber das strengste Stillschweigen zu beobachten haben. Gemäß dem abgelegten Eid haben sie das Geheimnis lebenslang zu bewahren.“ Dies gilt auch heute noch.

    Zehn Traditionen und Bräuche aus Bayern werden in diesem Jahr in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Begutachtung aller eingegangenen Bewerbungen nahm ein achtköpfiges Expertengremium unter Leitung des Regensburger Kulturwissenschaftlers Prof. Daniel Drascek vor – nach den Kriterien des Unesco-Übereinkommens wie Alter, Wandel und Tradierung, Bedeutung, Erhalt und Gefährdung.

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