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    Wein- und Obstanbau: Nachtfrost sorgt für erste Schäden

    Mit Heißluft und Öfen in den Weinbergen und auf Feldern kämpfen Bauern gegen die Kälte. Erste Winzer melden große Ernteeinbußen. Und es soll noch kälter werden.

    Wärme gegen die Kälte: Winzer und Obstbauern versuchten so, ihre Ernte zu retten. Holzöfen hatte Obstbauer Alois Endres ... Foto: Alois Wohlfahrt

    Die unterfränkischen Winzer und Obstbauern nehmen den Kampf gegen die klirrendkalten Frostnächte mit ungewöhnlichen Maßnahmen auf: Manche blasen mit Hilfe einer Turbine heiße Luft in die Rebzeilen, andere heizen ihre Obstanlagen mit Öfen. Wer es sich leisten kann und die technische Möglichkeit hat, setzt eine Beregnungsanlage zum Frostschutz ein: Unter dem Eisfilm überleben die Knospen. Nicht überall jedoch können Schäden vermieden werden. „Mit einem blauen Auge sind wir nicht davon gekommen. Wir haben gewaltig eine auf die Backe bekommen“, sagt beispielsweise Ralf Baldauf vom Weingut Baldauf in Ramsthal (Lkr. Bad Kissingen).

    Winzer Baldauf: „Der Frost hat gewütet“

    Minus 4,3 Grad hat die Wetterstation im Ramsthaler Weinberg in der Nacht auf Donnerstag gemessen. „Der Frost hat gewütet“, so der Winzer. Zwar seien die gefrorenen Triebe noch grün, doch nach dem Auftauen verfärben sie sich braun – erst dann wird der ganze Schaden ersichtlich. „Das Beste für die Winzer wäre, wenn sie jetzt ein bis zwei Wochen in den Urlaub fahren, damit sie sich das Ganze nicht anschauen müssen“, so der Ramsthaler Winzer.

    Das Weingut Baldauf habe es „knüppeldick abbekommen“. Ralf Baldauf rechnet mit einem Ernteverlust von 50 Prozent. „Im Moment ist das aber noch Kaffeesatzleserei nach dem ersten Augenschein heute Vormittag.“ Der erfahrene Winzer rechnet damit, dass der Schaden sogar noch höher ausfallen kann. „Die nächsten Nächte sollen kalt werden, dann können die geschädigten Triebe den Todesstoß bekommen.“

    Steigen die Preise?

    Das wärmere Wetter hatte die Triebe schneller als sonst hervor gelockt, erklärt der Winzer. „Die Natur hat jetzt die Bremse gezogen, aber mit dieser Wucht von Minus vier Grad hat man nicht gerechnet.“ Eine geringere Ernte könnte sich im Herbst auch negativ für den Verbraucher auswirken. „Wenn der Schaden so eintrifft, müsste man sich von produzierender Seite Gedanken machen, ob man den Preis nicht anheben muss“, sagt Baldauf. Auch, weil das kalte Wetter nicht nur die fränkischen Winzer betrifft: In Südeuropa, Südtirol und Österreich macht die Kaltfront den Winzern zu schaffen. Ein Gutes habe der Frost am Ende dann doch für den Verbraucher: „Die Weinqualität bei geringeren Ernten ist besser“, so Ralf Baldauf.

    Weinbaupräsident ist noch entspannt

    „Es sind Schäden da, es hat alle Winzer getroffen“, sagt Weinbaupräsident Artur Steinmann, der im heimischen Sommerhausen (Lkr. Würzburg) in der Nacht auf Donnerstag minus sechs Grad gemessen hat. Steinmann spricht von einer „spannenden Phase“, denn es soll auch kommende Woche kalte Nächte geben: Durch den Klimawandel seien die Maifröste jetzt früher dran. Noch ist der 62-Jährige entspannt, weil die Beiaugen (Frostruten) „gute Chancen zum Austrieb haben“ und somit Verluste mildern könnten. „Das Ausmaß der Schäden lässt sich heute noch nicht verifizieren, dafür ist es zu früh“, sagt der Winzer.

    Obstbauexperte spricht von „Katastrophe“

    Andreas Oehm stimmt seinem Kollegen zu. Der Vorstandsvorsitzende der Winzergenossenschaft Franken (GWF) spricht zwar von „dramatischen Wetterdaten“, doch ein Ausmaß wie 2011 sieht er derzeit noch nicht. „Wir haben jetzt das Glück, dass die Augen noch nicht so weit sind wie damals.“ Vor sechs Jahren konnte man sofort sehen, was erfroren war und was nicht. Der Frost jetzt würde die Pflanzen stressen, nach 14 Tagen sei das Ausmaß der Verluste zuverlässiger zu bestimmen.

    „Ich denke, das ist eine Katastrophe“, sagt Thomas Riehl, Obstbauberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Kitzingen. Bis zu minus vier Grad habe es in der Region gehabt, die Unterschiede im Entwicklungsstand des Obstbäume seien aber groß. „Die Apfelbäume stehen in voller Blüte, die Zwetschgen sind schon verblüht“, erklärt er. Aber auch die jungen Früchtchen, prall gefüllt mit Wasser, sind gefährdet.

    Der effektivste Schutz im Obstbau sei die Beregnung. „Das ist aber bei uns nicht möglich, weil es viel zu teuer ist“, sagt Riehl. Ebenso die Regendächer für Kirschen, die rund 50 000 bis 60 000 Euro pro Hektar kosten. „Der Frostschutz im Obstbau ist schwierig und ein bisher ungelöstes Problem“, so der Fachmann. Und deshalb seien auch die meisten Obstanlagen in der Region ohne Schutz.

    Die Eisheiligen kommen erst noch

    Ob im April oder an den Eisheiligen im Mai, „die Spätfröste erwischen uns immer“, sagt Hubert Siegler von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg). Deshalb hat man dort versucht, dem Frost mit Feuer zu trotzen. Etwa 120 Frostschutzkerzen haben Mitarbeiter in der Nacht auf Donnerstag in der Anlage Am Stutel bei Aprikosen und Minikiwi aufgestellt, sagt Oliver Degen. Ob es geholfen hat, lässt sich jetzt noch nicht sagen.

    Auch die Landwirte der Region haben versucht ihre Kulturen zu schützen. „Die Erdbeeren sind in voller Blüte und wir haben sie mit einem Vlies abgedeckt“, sagt BBV-Kreisobmann Michael Stolzenberger aus Bütthard-Oesfeld. „Wenn wir Glück haben, kommen wir mit einem blauen Auge davon“, meint er.

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