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    MÜNCHEN / WÜRZBURG

    Praktikumsplattform als Sprungbrett für Integration

    Was will ich arbeiten? Jungen Flüchtlingen hilft bei dieser Frage eine Onlineplattform mit Praktikumsstellen. Die muss aber noch bekannter werden - auch in der Region.

    Junge Flüchtlinge finden auf der Plattform „sprungbrett into work“ Praktikumsstellen. Foto: Screenshot

    Ein neues Land, eine neue Sprache, eine neue Schule – eine neue Chance. Jugendliche, die nach Deutschland geflüchtet sind, planen ihre Zukunft noch einmal ganz neu. Dazu gehört auch, was sie später einmal arbeiten möchten. Doch vielen fehlt dafür die Orientierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Plattform „sprungbrett into work“ will das ändern: Hier bieten bayerische und damit auch unterfränkische Unternehmen Praktikumsstellen an – extra für junge Flüchtlinge. Im Juli ist das Projekt ein Jahr alt geworden – und aus Sicht einheimischer Firmen ein Erfolg.

    254 offene Stellen in der Region

    „Ein wichtiger Baustein für die Integration junger Geflüchteter ist die Durchführung von Praktika, die einen Einblick in unsere Arbeitswelt gewähren und es den einzelnen Betrieben und Jugendlichen erlauben, erste Kontakte zu knüpfen“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Auch Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner findet: „Genauso wie bei jungen Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind, besteht auch bei jungen Geflüchteten ein hoher Informationsbedarf über die Chancen und Möglichkeiten einer beruflichen Ausbildung.“ Gerade die Ferienzeit ist laut Brossardt eine gute Gelegenheit, die meist zweiwöchigen Schnupperpraktika auszuprobieren.

    Mehr als 1300 offene Praktikumsstellen werden bayernweit auf „sprungbrett into work“ angeboten, 254 davon in Unterfranken. Von den 409 Unternehmen, die sich dazu entschieden haben, die Plattform zu nutzen und jungen Flüchtlingen Einblicke in ihre Branche zu ermöglichen, stammen 42 aus der Region. Ob im Hotel in Service oder Küche, in der Werkstatt beim Schreiner oder im Seniorenheim als Altenpfleger – das Angebot ist groß.

    Bei der Blindeninstitutsstiftung in Würzburg können die Jugendlichen etwa ein Praktikum als Heilerziehungspfleger machen. „Wir sind der Überzeugung, dass gemeinsames Arbeiten Brücken zwischen Kulturen bauen kann und dazu beiträgt, sprachliche Barrieren zu überwinden“, so Vorstand Johannes Spielmann. Gerade bei der Begleitung von Menschen mit Mehrfachbehinderung verständige man sich oft nonverbal. So könnten auch junge Flüchtlinge, die noch keine guten Deutschkenntnisse haben, bei ihrem Praktikum mitarbeiten und dabei ihre Sprachkenntnisse verbessern. Die Firma Fenster-Paul in Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) sieht in der Plattform auch eine Chance, Auszubildende zu finden.

    Fachkräfte der Zukunft?

    „Warum sollte man da einen Unterschied machen, zwischen einem deutschen Praktikanten oder einem, der aus dem Ausland kommt?“ meint Antje Heim, zuständig für Marketing und PR. Sie hätten schon mehrere Flüchtlinge als Praktikanten gehabt und einige davon seien auch für eine Ausbildung im Betrieb geeignet. Über die Plattform kam jedoch noch niemand. „Wir wollen darüber aber auch für die Zukunft Fachkräfte finden“, sagt sie.

    Auch Bosch Rexroth aus Schweinfurt bietet Praktika über „sprungbrett into work“ an. Das Unternehmen wolle damit seinen „Beitrag zur Integration von Geflüchteten leisten“, so Pressesprecherin Nicole von Killisch-Horn. Ziel sei es, so das gegenseitige Verständnis zu fördern.

    Nach Angaben der vbw sind in der bayerischen Wirtschaft seit 2015 „besonders viele Zugewanderte in Beschäftigung gebracht worden“. Deshalb hoffe man, dass durch „sprungbrett into work“ künftig noch mehr junge Geflüchtete eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt bekämen.

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