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    MÜNCHEN

    Staatshilfe für Schwimmbäder?

    55 Bäder sind in Unterfranken laut Innenministerium sanierungsbedürftig, einigen droht die Schließung. Ob es aber zum Erhalt mehr Geld gibt, ist fraglich.

    Die Becken sind leer: Das Nautiland in Würzburg wird abgerissen und neu aufgebaut. Das Bild entstand bei einem Flohmarkt... Foto: Johannes Kiefer

    „Wir reden hier nicht über Luxus“, findet der oberfränkische SPD-MdL Klaus Adelt: „Wir reden hier über Dinge, die für alle selbstverständlich waren und es auch in Zukunft sein sollten.“

    Ein Schwimmbad ist in der Tat in vielen bayerischen Kommunen ein wichtiger Teil des öffentlichen Lebens. Doch viele Bäder sind in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. Und nicht in jedem Gemeindehaushalt sind die dafür notwendigen Summen vorhanden.

    Der Markt Mönchberg im Landkreis Miltenberg etwa sieht sich außerstande, die Sanierung seines „Spessartbades“ zu finanzieren. Mehr als tausend Bürger forderten deshalb in einer Petition an den Landtag den Freistaat Bayern auf, die Renovierung zu bezahlen. „Das ist ein Modellfall für ganz Bayern“, findet der Freie-Wähler-MdL Hans Jürgen Fahn: „Denn nur bei einer dauerhaften Beteiligung des Freistaats am Defizit sowie am Neu- und Umbau ist es möglich, dass Kommunen Bäder erhalten“, glaubt Fahn. Notwendig sei deshalb ein „Sonderprogramm für sanierungsbedürftige Schwimmbäder“.

    In der Tat ist der Investitionsstau bei bayerischen Schwimmbädern groß: Laut Innenministerium gibt es 910 öffentliche Hallen- und Freibäder in Bayern. 299 davon sind sanierungsbedürftig, 51 droht gar die Schließung. In Unterfranken sind laut dieser Liste von 133 kommunalen Bädern 55 sanierungsbedürftig – darunter knapp zwei Dutzend Freibäder, die Frankentherme in Bad Königshofen, das Triamare in Bad Neustadt (beide Lkr. Rhön-Grabfeld), die Hallenbäder in Bad Kissingen oder Kitzingen und in Würzburg das Dallenbergbad, das Sandermare und das Nautiland, das komplett abgerissen und neu aufgebaut wird.

    Von der Schließung bedroht sind demnach neben dem Bad in Mönchberg die Hallenbäder in Zeil am Main (Lkr. Haßberge), Schonungen und Dittelbrunn (beide Lkr. Schweinfurt) sowie in Bürgstadt (Lkr. Miltenberg).

    „Wenn ein Bad zumachen muss, geht ein Stück Lebensqualität verloren“, klagt SPD-Mann Adelt. „Zumal die Bürger vor Ort das Bad ja einst selbst erarbeitet haben.“ Diese Menschen seien nun in Rente, „hätten die Zeit zum Schwimmen, können das aber nicht mehr, weil das Bad dicht macht“, schimpft Adelt.

    Auch bei der CSU sieht man das Problem, reicht den Schwarzen Peter aber an die Kommunen weiter: 500 Millionen Euro extra stelle der Freistaat den Städten und Gemeinden zusätzlich zur Verfügung – doch die Kommunalverbände seien nicht bereit, „aus diesem Kuchen etwas für die Schwimmbäder abzuzweigen“, sagt der unterfränkische CSU-MdL Manfred Ländner.

    Im Landkreis Miltenberg hätten nicht einmal die anderen Gemeinden die Mönchberg-Petition unterstützt, ergänzt der Untermain-MdL Berthold Rüth (CSU). Kommunen, die stets eigenes Geld in den Erhalt ihrer Bäder investiert haben, hätten eben wenig Verständnis für Hilferufe von denen, die das nicht taten, heißt es in der Landtags-CSU.

    Für das Schulschwimmen genutzte Hallenbäder könnten zudem schon jetzt mit bis zu 80 Prozent Zuschuss vom Freistaat saniert werden, beteuert Finanzstaatssekretär Albert Füracker (CSU). Die Kriterien dafür seien sogar erst kürzlich deutlich erleichtert worden. „Natürlich könnten wir noch mehr Geld für die Schwimmbäder geben“, sagt Ländner. Ohne Konsens bei den Kommunen gehe dies aber nicht. Benachbarte Gemeinden könnten zudem zusammenlegen, um ein Bad, von dem ihre Bürger profitieren, zu erhalten, fordert der CSU-MdL aus dem Landkreis Würzburg: „Doch diese Solidarität lässt leider meist zu wünschen übrig.“

    „Wenn ein Bad zumachen muss, geht ein Stück Lebensqualität verloren.“
    Klaus Adelt (SPD) zur Schließung kommunaler Schwimmbäder

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