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    NÜRNBERG

    Nürnberg sucht Motto für Bewerbung zur Kulturhauptstadt

    Nürnberg will hoch hinaus. „Kulturhauptstadt Europas= zu werden, ist das Ziel. Für eine Bewerbung braucht es ein griffiges Motto.

    Mehr als Bratwurst, Club und Burg: Nürnberg sucht für seine Bewerbung als Kulturhauptstadt nach einem griffigen Slogan. Foto: Daniel Karmann, dpa

    Die Frage ist so einfach, aber auch schwer zu beantworten: Was macht Nürnberg aus? Wie fasst man das Kulturleben, Geschichte, Gegenwart und Zukunft, das Einzigartige und doch Allgemeinverständliche in einem griffigen Slogan zusammen? Diese „Kleinigkeit“ ist eine der größten Hürden für eine erfolgreiche Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt Europas“.

    Athen, Paris, Prag, Dublin, Madrid, Berlin, Lissabon . . . die Liste der europäischen Kulturhauptstädte ist ebenso lang wie illuster, wer sich „Hauptstadt“ nennen darf, ist geadelt. Zwar kosten die Bewerbung und die Umsetzung eine Stange Geld, Marseille etwa „klotzte“ mit mehr als 200 Millionen Euro.

    Der Titel zahlt sich aus

    Aber der Mehrwert zählt. „Kulturhauptstadt ist ja nicht nur ein Titel und schon gar keine Eintagsfliege. Das ist ein Prozess, der langfristig und nachhaltig wirkt“, sagt der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD). Von Summen wie in Marseille sei man im übrigen „meilenweit“ entfernt, wenngleich es Ruhm und Ehre nicht umsonst gibt.

    Für den Bewerbungsprozess rechnen Maly und die Kulturreferentin Julia Lehner mit Kosten von rund fünf Millionen Euro – Zahlen, die die Kultur-Euphorie nicht zuletzt im Stadtrat angesichts städtischer Schulden von 1,88 Milliarden Euro ein wenig dämpft.

    Trotzdem: Nürnberg will es schaffen. Für den Optimismus steht hauptamtlich Hans-Joachim Wagner. Der Kölner leitet seit 1. Januar das Bewerbungsbüro in Nürnberg. „Er ist ein Glücksfall für uns, weil er sozusagen von außen auf die Stadt blickt“, sagt Maly. Wagner hat Erfahrung: Er wirkte am Kulturprogramm der Stadt Köln bei der Fußball-WM 2006 mit und am Konzept der Kulturhauptstadt Essen („Ruhr 2010“).

    Auch für die Bewerbung Kölns als Kulturhauptstadt 2010 zeichnete er mit verantwortlich. Dass diese Bewerbung „krachend scheiterte“, wie Wagner sagt, sehen weder der Rathauschef noch der Kulturmanager als Makel: „Dadurch wissen wir jetzt, wie man es nicht macht.“

    Wie also „macht“ man Nürnberg zur Kulturhauptstadt? Zu den Formalien kommen die inhaltlichen Kriterien: Wer Kulturhauptstadt werden will, braucht eine europäische Komponente, muss Europa eine „Geschichte erzählen können“, man muss sich mit Besonderheiten von anderen abheben und doch in ganz Europa verstanden werden. Die Kulturhauptstadt muss auf einer breiten Basis stehen und möglichst alle Akteure eines erweiterten Kulturbegriffs mit einbeziehen, die Stadt muss aus ihrer Geschichte schöpfen, in der Gegenwart leben und eine Vision für die Zukunft haben. Man braucht die Expertise von Fachleuten und die Begeisterung aller Bürger . . . und und und. Wie passt das alles zusammen?

    Sich von Mitbewerbern abheben

    „Wir gehen natürlich nicht einfach raus und fragen alle Bürger, was wir 2025 auf dem Hauptmarkt veranstalten sollen“, sagt Maly. „Wenn wir so an die Bewerbung rangehen würden, können wir uns die Arbeit sparen.“ Der Weg zur Kulturhauptstadt sei ein Prozess in vielen Schritten. Dazu gehört die eben verabschiedete Kulturstrategie, aus der ein „Masterplan“ abgeleitet wird. Bis Ende 2018 soll das Bewerbungsbuch stehen. „Und dann kommt es darauf an, den Menschen das Thema nahezubringen, all die Themen, die in Nürnberg wichtig sind, kulturell aufzuladen“, beschreibt Maly den Prozess.

    Um Begeisterung zu wecken, braucht es einen griffigen Slogan. Der Begriff soll Nürnberg von den Mitbewerbern abheben. Das sind Magdeburg, Dresden, Chemnitz, Kassel, Hildesheim und Koblenz. Die Kulturhauptstädte 2018 sind Leeuwarden und Valletta. In den Niederlanden präsentiert man sich als „offene Gesellschaft“, und die Insel Malta definiert Kultur ganz simpel als große „Festa“ – Fest.

    Günter Flegel

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