• aktualisiert:

    NÜRNBERG

    Söders langer Weg zur Macht

    Lang kämpfte Seehofer gegen seinen unerwünschten Kronprinzen. Und lang war auch Söders Weg an die Spitze. Doch seine hartnäckige Strategie hat sich bewiesen.

    Finanzminister Markus Söder soll Horst Seehofer als bayerischer Ministerpräsident beerben. Foto: Sven Hoppe

    Sein gnadenloser Wille, ganz nach oben zu kommen, hat Markus Söder oft geschadet. Von Ehrgeiz zerfressen sei er, ätzte Horst Seehofer einmal auf einer CSU-Weihnachtsfeier gegen den 50-Jährigen. Fünf Jahre ist das jetzt her. Seitdem kämpfte der Noch-Landesvater gegen seinen unerwünschten Kronprinzen – Spott und subtile Demütigungen inklusive. Der ertrug es und rächte sich mit Lästereien hinter verschlossenen Türen. Und er sammelte Verbündete.

    Begonnen hat der lange Aufstieg in einem fränkischen Jugendzimmer. An der Dachschräge über dem Bett hängt ein Poster. Kein Fußballer, obwohl Söder Fan des 1. FC Nürnberg ist. „Wenn ich aufgewacht bin, habe ich an der Decke direkt Franz Josef Strauß angeschaut“, wird er später erzählen.

    Vierfacher Vater

    Da mag ein bisschen Legendenbildung dabei sein, aber tatsächlich tritt er schon als Schüler in die Junge Union ein. Mit 27 Jahren wird er Landtagsabgeordneter, später CSU-Generalsekretär und Minister für so ziemlich alles (erst Europa, dann Umwelt und Gesundheit, jetzt Finanzen und Heimat). Zwischendurch gründet er noch eine Familie und wird viermal Vater.

    Der gelernte Fernsehjournalist setzt sich gerne in Szene – auch bis an den Rand des Peinlichen. Er reist durchs Land, knüpft Netzwerke, verspricht vielen vieles für den Tag, an dem er oben angekommen sein wird. Genau wie seine Partei ist er alles – notfalls auch das Gegenteil: humorvoll und verbissen, staatsmännisch und populistisch, sozial und brutal. Söder ist eine Reizfigur, aber selbst seine politischen Gegner nehmen ihn ernst. Dass er in der Post-Seehofer-Ära nicht mindestens eines der Ämter seines Rivalen bekommt, hatte schon lange niemand mehr geglaubt.

    Kapitän bei der Landtagswahl

    Auf den letzten Metern hat er sich nicht mehr provozieren lassen. Er lernte zu schweigen und blieb cool – selbst an jenem Donnerstag, als eine Eilmeldung schon seinen Triumph verkündete und ihm sein Erzrivale Seehofer dann noch einmal einen Strich durch die Rechnung machte. „Wer Angst hat, einen Elfmeter zu verschießen, der sollte lieber nicht antreten“, sagte er jetzt. Sein Endspiel steht bei der Landtagswahl im Herbst an: Dann führt er die CSU erstmals als Kapitän aufs Feld. Und muss beweisen, dass sich das lange Warten gelohnt hat.

    Von unserem Mitarbeiter Michael Stifter

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!