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    MAINFRANKEN

    Bauernpräsident Köhler: „Schlechte Erntesaison“

    Die Landwirte in Unterfranken verzeichnen beim Getreide auf 30 Prozent der Anbaufläche große Qualitätsverluste. Nun sollen Mais und Zuckerrüben für Rekorderträge sorgen.

    Mähdrescher bei Hopferstadt Foto: Simon Metzger

    Schwankende Temperaturen, lange Trockenperioden und dann wieder Regen: Das wechselhafte Wetter heuer ist für die fränkischen Bauern eine Herausforderung – und wirkt sich ganz unterschiedlich auf ihre Ernte aus. „Es ist eine schlechte Erntesaison“, sagt Stefan Köhler, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes im Bezirk Unterfranken, „aber es ist noch zum Aushalten. Das Problem ist, dass es genau zur Erntezeit geregnet hat, das hat vieles kaputt gemacht“, so der Aschaffenburger.Erhebliche Qualitätsverluste beim Getreide auf 30 Prozent der Anbaufläche. Für Mais und Zuckerrüben werden dagegen Rekorderträge erwartet.

    Körner nicht backfähig

    Ist der Weizen reif, kann aber nicht abgeerntet werden, keimt das Korn bei feuchtwarmem Wetter am Halm. Der Mehlkörper wird zersetzt, die Körner sind nicht mehr backfähig. Bei Weizen, Roggen und Dinkel verzeichnen die Landwirte in der Region, so Köhler, auf bis zu 30 Prozent der Anbaufläche solche Qualitätsverluste, sprich: Das Korn taugt nicht mehr als Brotgetreide, sondern ist nur noch als Futtergetreide zu verwenden. Das macht sich im Geldbeutel der Bauern bemerkbar: Bekommen sie für einen Doppelzentner Dinkel als Brotgetreide etwa 16 bis 17 Euro, werden für Futtergetreide nur 13,50 bis 14 Euro gezahlt.

    Für Mais und Zuckerrüben war Regen wichtig

    Jetzt setzen die Landwirte auf den Mais und die Zuckerrüben: „Für diese Pflanzen war der Regen Gold wert“, sagt Köhler, „hier erwarten wir heuer Rekordernten“.

    Der Wechsel der Wetterlagen habe schon begonnen, „als der Grundstein für die Ernte im Herbst gelegt wurde“, sagt Markus Peters, Pressesprecher des Bayerischen Bauernverbandes. Die Auswirkungen auf die Pflanzenkulturen: unterschiedlich. Manche profitierten davon, dass es auch in den Wintermonaten noch ungewöhnlich warm war, andere litten unter zu lange andauernder Trockenheit. „Besonders daran sind die fränkischen Landwirte schon gewöhnt“, so Peters.

    Wechselbad der Wetterlagen

    Dieses Wechselbad der Wetterlagen sei ein Trend, der sich seit Jahren abzeichne, so Peters. Gerade die Hitze und Trockenheit gepaart mit Böden, die Feuchtigkeit zum Teil nicht gut speichern, habe dieses Jahr schon die Kartoffelernte bedroht. Bewässerung ist beinahe überall ein Muss, doch sie ist nicht überall möglich. „Nicht jeder kann sich eine Bewässerungsanlage leisten und nicht überall gibt es genug Wasser, um sie zu betreiben“, so Peters. Mittlerweile würde bei der Zucht versucht, die Pflanzen widerstandsfähiger zu bekommen.

    Experte: „Unterdurchschnittliche Getreide-Ernte“

    Gerade die Getreideernte habe dieses Jahr unter den Wetterbedingungen gelitten. Besonders beim Weizen habe das feucht-schwüle Klima dafür gesorgt, dass die Ernte nicht zum optimalen Zeitpunkt eingefahren werden konnte. So konnte oft nur noch Futterweizen geerntet werden, die Backfähigkeit der Körner war zu schlecht geworden. „Insgesamt haben wir in Unterfranken heuer eine unterdurchschnittliche Getreideernte“, resümiert Peters. Für andere Kulturen hingegen sei das feuchte Wetter bei milden bis warmen Temperaturen geradezu ideal. So erwarte man bei den Zuckerrüben eine erfolgreiche Ernte. „Man kann zwar noch keine genaue Prognose geben, aber die Momentaufnahme ist sehr gut“, sagt Markus Peters.

    Optimismus bei der Südzucker AG in Ochsenfurt

    Bei der Südzucker AG, die in ihrem Ochsenfurter Werk den Großteil der fränkischen Zuckerrüben verarbeitet, deuten die Vorzeichen auf eine Rekordernte hin. Nach der ersten Proberodung liegt die Ertragsschätzung bei 88 Tonnen Rüben je Hektar. Das wären zwei Tonnen mehr als im bisherigen Rekordjahr 2014. Insgesamt umfasst das fränkischen Rübenanbaugebiet heuer 25 700 Hektar, 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

    Nach Einschätzung von Fred Zeller, Geschäftsführer der Süddeutschen Zuckerrübenverwertungsgenossenschaft SZVG, reichen die Wasservorräte im Boden aus, um auch eine mögliche Trockenperiode im Spätsommer noch schadlos verkraften zu können.

    Hohe Ernteerwartungen

    Die hohen Ernteerwartungen gehen zeitlich einher mit dem Wegfall fester Produktionsquoten innerhalb der EU. Gute Voraussetzungen also für die Südzucker AG, die die Marktliberalisierung nutzen will, um ihre führende Position auf dem europäischen Zuckermarkt zu festigen. Auch die Erlössituation für Landwirte schätzt Zeller optimistisch ein. Mögliche Preisabschläge an den Agrarbörsen würden durch die höheren Erträge ausgeglichen. Um den 10. September soll die Zuckerrübenernte beginnen.

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