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    CSU: Die geteilte Macht

    Im Frühjahr macht Horst Seehofer in der Staatskanzlei Platz für Markus Söder. Gemeinsam mit seinem Rivalen bildet er künftig eine Doppelspitze.

    Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer erwägt offenbar einen längeren Verbleib als CSU-Parteichef als bislang g...

    Markus Söder soll bis Ende März neuer bayerischer Ministerpräsident werden: Amtsinhaber Horst Seehofer machte nach wochenlangem Machtkampf am Montagmorgen in einer Sondersitzung der CSU-Landtagsfraktion den Weg für Söder frei, der danach von den CSU-Abgeordneten einstimmig zum Wunschnachfolger gewählt wurde. Seehofer will auf dem Parteitag Mitte Dezember jedoch erneut für den CSU-Parteivorsitz kandidieren und in Berlin für seine Partei mögliche Koalitionsverhandlungen führen. Die Christsozialen bekommen damit im Jahr der Landtagswahl eine Doppelspitze.

    Innenminister Joachim Herrmann hatte zuvor intern seinen Verzicht auf eine Kampfkandidatur um das Ministerpräsidentenamt erklärt. „Es muss jetzt Schluss sein mit diesen endlosen Personaldiskussionen“, sagte Herrmann später vor Journalisten: „Wer mich kennt weiß: Politisches Engagement bedeutet nicht persönliches Karrierestreben.“

    Söder ruft zu Geschlossenheit auf

    Auch Söder rief auf einer Pressekonferenz die CSU zu neuer Geschlossenheit auf. Die Zeit der Selbstbeschäftigung der Partei mit Personalfragen sei nun vorbei: „Die Menschen erwarten, dass wir wieder die Zeit finden, zu regieren“, sagte er.

    Söder unterstützte ausdrücklich die nun vereinbarte Teilung der Macht in der CSU: Dass Seehofer Parteichef bleibe, sei „ein wichtiges Signal“. Auch dass der Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten erst in einigen Monaten erfolgen soll, sei „ein guter und richtiger Weg“. Es gehe um einen Generationswechsel „in Würde und mit Anstand“, erklärte Söder. Auch brauche Seehofer das Amt als Rückendeckung für mögliche Koalitionsgespräche mit der SPD in Berlin.

    Seehofer zeigt sich versöhnlich

    Seehofer bemühte sich ebenfalls, die zuletzt in der Partei aufgerissenen Gräben zuzuschütten: Frühere Animositäten zwischen Söder und ihm dürften nun keine Rolle mehr spielen, sagte er nach einer Sitzung des CSU-Vorstands, der die neue Aufstellung ebenfalls einstimmig billigte. Das neue Duo habe „die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit“, hofft Seehofer. „Jede andere Lösung wäre konfliktbehaftet gewesen.“ Die letzten Wochen hätten die CSU zwar schwer belastet. Anders, als in anderen Parteien, gehe es aber „nicht um einen Richtungskampf, es geht um einen Generationenwechsel“, sagte er.

    Er selbst wolle „auf vielfachen Wunsch aus der Partei“ als Parteichef in Berlin „meine Kraft einbringen in einer unglaublich schwierigen Situation für Deutschland“. Obwohl es in der CSU längst als ausgemacht gilt, dass er als Minister in eine neue Bundesregierung wechseln will, wies Seehofer persönliche Ambitionen vor den Kameras weit von sich: „Ich sage gar nichts zu und schließe gar nichts aus“, beteuerte er.

    In der CSU machte sich nach der Einigung im Führungsstreit große Erleichterung breit: „Man hat im Vorstand gemerkt, dass sich die Partei sehr danach gesehnt hat“, sagte etwa die unterfränkische CSU-MdB Dorothee Bär. Die neue Doppelspitze werde zudem gut funktionieren: „Weil nun alle mit sich im Reinen sind.“

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