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    MÜNCHEN / WÜRZBURG

    Anstieg der Fahrradunfälle in Bayern

    Wenn sich die „fortgeschrittenen Jahrgänge“ aufs Pedelec schwingen, kann es gefährlich werden. Die Zahlen sind erschreckend: In Bayern verunglücken so viele Radfahrer wie nie zuvor.

    Trotz eines höheren Unfallrisikos erfreuen sich Fahrräder mit Hilfsmotor zunehmender Beliebtheit. Foto: Thinkstock

    Noch nie sind in Bayern so viele Fahrradfahrer bei einem Verkehrsunfall verunglückt wie im Jahr 2016. Dies zeigt eine kürzlich vom Landesamt für Statistik veröffentlichte Auswertung der Unfallzahlen in Bayern. Vor allem ältere Fahrradfahrer verletzen sich bei diesen Unfällen besonders schwer. Ein Trend, den Verkehrsexperten nicht zuletzt auf die wachsende Nutzung von sogenannten Pedelecs mit E-Motor als Trethilfe in dieser Altersgruppe zurückführen.

    Konkret gab es 2016 in Bayern exakt 15 888 von der Polizei registrierte Radunfälle. Dabei wurden 14 755 Radfahrer verletzt, 2970 davon schwer, 68 kamen zu Tode. Die Zahl der verunglückten Radfahrer hat sich damit seit Beginn der Statistik im Jahr 1975 fast verdoppelt. Allein in den letzten 15 Jahren war ein Anstieg der Fahrradunfälle um rund 20 Prozent festzustellen. An gut 15 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Verletzten sind damit Radfahrer beteiligt.

    Anzahl der verletzten Radfahrer angestiegen

    Auch in Unterfranken steigen die Zahlen: „Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern haben 2016 um 13 Prozent zugenommen. Auch die Anzahl der verletzten Radfahrer ist um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen“, heißt es beim Polizeipräsidium Unterfranken. Insgesamt gab es 2016 in der Region 1101 Fahrradunfälle mit 989 Verletzten und fünf Todesopfern.

    Der bayernweite Zuwachs der verunglückten Radler steht im Kontrast zur allgemeinen Unfallentwicklung: Zwar stieg vor dem Hintergrund eines wachsenden Individualverkehrs die Zahl der Straßenverkehrsunfälle seit 2007 um stolze 14,7 Prozent. Ursächlich für diesen Anstieg waren laut Statistik aber allein Unfälle mit Sachschäden. Verkehrsunfälle mit Personenschaden sanken dagegen in diesem Zeitraum insgesamt um immerhin drei Prozent.

    Einen Grund für das erhöhte Verletzungsrisiko für Fahrradfahrer sehen die Verkehrsexperten in der wachsenden Attraktivität des Radfahrens für „fortgeschritten Jahrgänge“: Waren 2008 noch gut 20 Prozent der verunglückten Radfahrer über 75 Jahre alt, waren es 2016 bereits 24,2 Prozent. „Ein Grund für diese Entwicklung könnte in einer gestiegenen Nutzung von Pedelecs liegen“, glauben die Statistiker.

    Zumal der Anteil derjenigen, die sich bei einem Radunfall schwerer verletzen, mit zunehmendem Alter steigt: Die meisten Schwerverletzten, nämlich 553 von 2970 insgesamt, waren zwischen 50 und 60 Jahre alt – im Vergleich zu 352 Schwerverletzten zwischen zehn und 21 Jahren. Und jeder zweite der insgesamt 68 bei einem Verkehrsunfall getöteten Radfahrer war 70 Jahre oder älter.

    Mehr schwerverletzte Pedelec-Fahrer als Radfahrer

    Der Anteil der Schwerverletzten war zudem bei den verunglückten Pedelec-Fahrern mit 36,7 Prozent deutlich höher als bei den konventionellen Radfahrern mit 20,1 Prozent. Von den 18 getöteten Pedelecfahrern waren sogar zwei Drittel älter als 75 Jahre. Auch der Anteil der selbst verursachten Unfälle ist bei Pedelecs mit 47,7 Prozent deutlich höher als bei Fahrrädern ohne Trethilfe mit rund 30 Prozent. Die Gesamtanzahl der Unfälle mit E-Fahrrädern ist mit 742 von insgesamt 14 755 zwar noch sehr gering. Der Trend geht aber nach oben: So steigen laut Polizei die Zahlen in Unterfranken bereits seit vier Jahren. 2016 zählten die Beamten 54 Unfälle mit Pedelecs – ein Plus von 28,5 Prozent. 56 Personen wurden dabei verletzt, ein Pedelecfahrer getötet.

    Die Unfallursachen sind unterschiedlich. Allerdings sind verunglückte Radfahrer überdurchschnittlich oft stark alkoholisiert: Bayernweit standen 43 von 1000 an einem Unfall beteiligte Radfahrer 2016 laut Statistik unter Alkoholeinfluss, darunter 35 Pedelec-Nutzer. Bei Pkw-Fahrern lag die Zahl der alkoholisierten Unfallbeteiligten mit 18 von 1000 deutlich darunter. Zudem ist laut Polizei die große Mehrheit der getöteten und schwer verletzten Radfahrer ohne Helm unterwegs.

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