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    MÜNCHEN

    Gift-Reiniger in Bayerns Ställen?

    Eier-Skandal: Landtags-Opposition verlangt von Ministerin Scharf schnelle Aufklärung.

    Eier auf dem Förderband einer Hühnerfarm in Belgien. Am Mittwoch hat der belgische Agrarminister Denis Ducarme schwere V... Foto: Kristof Van Accom, dpa

    Immer wieder Ärger mit verseuchten Eiern: Gerade erst hat die Opposition im Landtag einen Untersuchungsausschuss eingesetzt, um den alten Skandal rund um die mit Salmonellen verseuchten Eier der Firma „Bayern-Ei“ aufzuklären. Schon gibt es jede Menge neue Fragen von SPD und Grünen – diesmal zur bayerischen Aufarbeitung des jüngsten Eier-Skandals rund um das giftige Insektizid „Fipronil“ in einem belgischen Stallreinigungsmittel.

    In den bayerischen Verbraucherschutzbehörden verweist man aber auf einen wichtigen Unterschied zwischen den beiden Eier-Skandalen: Während „Bayern-Ei“ ein bayerischer Ei-Großerzeuger war, bei dem die inzwischen reformierten freistaatlichen Kontrollbehörden erhebliche Lücken in der Lebensmittelkontrolle offenbarten, handele es sich bei den Fipronil-Eiern vor allem um ein importiertes Problem.

    Denn durch ein Reinigungsmittel in den Niederlanden verseuchte Eier waren über zum Teil komplizierte Lieferketten auch nach Bayern gekommen. Als reiner Abnehmer seien bayerische Behörden deshalb aber auf Informationen aus dem Produktionsland oder aus anderen Bundesländern angewiesen gewesen, heißt es aus den zuständigen Behörden. Alle belasteten Import-Eier seien aber aus dem Verkehr gezogen.

    So weit, so gut? Mitnichten, findet die Landtags-Opposition. Die zuständige Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) und ihr Erlanger Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ließen nämlich auch über eine Woche nach bekanntwerden des Skandals wichtige Fragen offen, schimpft man dort: Wurde zum Beispiel auch in bayerischen Hühnerställen mit dem wohl auf betrügerische Weise mit einem Läusevernichter versetzten Öko-Reiniger „Dega-16“geputzt?

    „Das Mittel galt in der Branche als sehr effektiv“, hat die Grünen-Verbraucherexpertin Rosi Steinberger recherchiert. „Sitzen wir in Bayern also auf einer tickenden Zeitbombe namens Fipronil?“, fragt die Niederbayerin deshalb. Von bayerischen Behörden gibt es dazu bislang keine Auskunft – anders, als in Niedersachsen, wo der Einsatz des kontaminierten Reinigers bereits vor Tagen aufgedeckt und deshalb möglicherweise verseuchte Eier vorsorglich aus dem Verkehr gezogen wurden.

    Mehr als 300 Proben zu möglichen Belastungen in Ei-Produkten wie Nudeln oder Mayonnaise habe der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) zudem bereits angeordnet, berichtet Steinberger: „Von unserer Umweltministerin hört man dagegen gar nichts.“

    „Aufgeräumt wird in Bayern nur von den Handelsketten“, schimpft auch der SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn. Diese hätten die betroffenen Eier in Eigenregie aus den Regalen genommen. Scharf und das LGL übten sich dagegen in Verharmlosung und Intransparenz: „Wie bei Bayern-Ei wird schon wieder nur versucht, Nebelkerzen zu werfen“, schimpft von Brunn.

    So habe das LGL am Dienstag vor einer Woche zunächst „Entwarnung“ verkündet. „Bayern ist nicht betroffen“, teilte das Amt in der Tat mit – um nur einen Tag später zurückrudern zu müssen. Von 268 000 betroffenen Eiern war zunächst die Rede. Mittlerweile wird von „Hunderttausenden“ gesprochen.

    LGL-Chef Andreas Zapf hatte sich erst kürzlich im Landtag wortreich beschwert, weil er sich beim „Bayern-Ei“-Skandal von Opposition und Medien ungerecht behandelt fühlte. Sein aktuelles Krisenmanagement zeige aber, „dass er eine Fehlbesetzung ist“, schimpft Steinberger: „Klarheit schaffen, statt verunsichern – das wäre seine Aufgabe.“

    Letztendlich fehle es aber vor allem der CSU-Staatsregierung beim Verbraucherschutz am Aufklärungswillen, finden SPD und Grüne: „Dort hat man aus dem Bayern-Ei-Skandal offensichtlich gar nichts gelernt“, kritisiert von Brunn. Ein Vorwurf, den Scharf entschieden zurückweist: „Die Ermittlungen laufen bayernweit in alle Richtungen“, beteuert sie. Schlussfolgerungen könne man aber erst ziehen, wenn belastbare Erkenntnisse vorlägen.

    Bearbeitet von Henry Stern

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