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    MÜNCHEN

    Weiter Sorge um Bayerns Wälder

    Auch wenn sich der Zustand 2016 etwas verbessert hat: Ein Viertel der Bäume ist geschädigt. Der Waldumbau bleibt hinter den staatlichen Plänen zurück.

    Der Buche geht es immer besser, die Kiefer kränkelt ordentlich – sagt der bayerische Waldbericht. Foto: Angelika Warmuth, dpa

    Der Zustand der bayerischen Wälder hat sich im vergangenen Jahr zwar etwas verbessert. Dennoch weist noch immer knapp ein Viertel der Bäume deutliche Schäden auf. Dies ist das Ergebnis des neuen Waldzustandsberichtes, den Forstminister Helmut Brunner (CSU) am Mittwoch im Landtag vorstellte.

    Viele Bäume hätten sich vom Hitzesommer 2015 gut erholt, erklärte der Minister. Vor allem Buchen, Fichten und Tannen seien oft in deutlich besserer Verfassung, als vor einem Jahr. „Besorgniserregend“ sei allerdings der Zustand der Kiefern: Knapp ein Drittel der Bäume weist hier deutliche Schäden auf. Ebenfalls Anlass zur Sorge gebe die Esche: Fast zwei Drittel dieser Baumart leiden unter einem Triebsterben, das offenbar von einem aus Asien stammenden Pilz ausgelöst wird.

    Ohnehin sind die Belastungen für den Wald in Bayern vielfältig: Neben Pilzen setzen auch Käfer oder ein Mistelbefall den Bäumen zu. Hinzu kommen laut Brunner die Folgen des Klimawandels: Längere Trockenperioden belasten vor allem die Flachwurzler. Stürme – wie in diesem Jahr in Niederbayern – führen zu teilweise enormen Schäden. Und milde und trockene Winter fördern die Ausbreitung von Schädlingen.

    Ziele auf 2030 verschoben

    Die Anpassung der bayerischen Wälder an die Klimaveränderung sei deshalb „das absolute Gebot der Stunde“, findet Brunner. Bereits seit 2008 setzt der Freistaat Bayern deshalb auf Waldumbau. Besonders anfällige Nadelholz-Monokulturen sollen dabei in „klimatolerante, stabile, naturnahe und vitale“ Mischbestände verwandelt werden. Rund 260 000 Hektar – rund zehn Prozent der bayerischen Waldfläche – sollen von dem Programm profitieren.

    Allerdings hinkt die Realität den eigenen Waldumbau-Zielen deutlich hinterher: So sollten bis 2020 eigentlich bereits 100 000 Hektar umgebaut werden – bis jetzt geschafft sind aber nur rund 60 000 Hektar.

    „Das Ziel des Umbaus bis 2020 wird voraussichtlich nicht erreicht“, räumte der Minister im Landtag nun ein. Mit einer neuen „Waldumbauoffensive“ will sich die Staatsregierung jedoch neue, ambitionierte Ziele setzen: Bis 2030 sollen nun 200 000 Hektar in stabile Mischwälder verwandelt werden. Dafür sollen künftig auch mehr Geld und zusätzliche Stellen in der Forstverwaltung zur Verfügung stehen.

    Zu wenig Geld?

    Eine Neuetikettierung, die die Landtagsopposition für einen Taschenspieler-Trick hält: „Statt über die Gründe für das Scheitern des Ministers zu reden, wird einfach ein neues Ziel ausgegeben“, kritisiert etwa der SPD-Abgeordnete Horst Arnold. Doch mit den derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln werde auch der neue Plan scheitern. Dabei sei genug Geld da, kritisiert Arnold: „Statt einer Gewinnabführung müssten die Überschüsse der Staatsforsten nur in den Wald zurückinvestiert werden.“

    Eine Rechnung, die laut Brunner nicht aufgeht, denn rund zwei Drittel der bayerischen Wälder gehören rund 700 000 privaten Besitzern und den Kommunen. Und die könne man gar nicht zum Waldumbau zwingen, sondern nur durch Beratung und Information überzeugen, warnt Brunner. Dies sei allerdings zunehmend schwierig, weil immer mehr private Waldbesitzer weit entfernt in den Städten wohnen.

    Auch deshalb will Brunner die werthaltige Nutzung von Laubhölzern etwa beim Hausbau verbessern, um auch finanzielle Anreize zu setzen: „Wenn die Wertschöpfung steigt, wird der Waldumbau zum Selbstläufer“, glaubt der Minister.

    Dafür notwendig ist aber aus Brunners Sicht das auch von den Nationalpark-Gegnern postulierte Forst-Prinzip des Schützen und Nützen: „Den Wald sich selbst zu überlassen, ist nicht das Beste“, findet der Forstminister. Ein gesunder Wald müsse gepflegt, das dort entstandene Holz nachhaltig genutzt werden.

    Gerade in Bayern seien die Wälder für viele Menschen aber auch ein wichtiger Teil ihrer Heimat, so Brunner. Gesunde Forsten seien deshalb nicht nur im Interesse der Waldeigentümer, sondern „ein Anliegen der gesamten Bevölkerung“.

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