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    DIETFURT

    Vom Ölberg in die Schenke

    Im Altmühltal bringen Passionsspieler die Leiden Christi auf die Bühne. Danach wartet die gute Küche. Ein Ausflugstipp für die Fastenzeit - am besten ohne Diätplan.

    Im abgedunkelten Kirchenraum wird das beleuchtete Kreuz, das auf einer lebensgroßen und beweglichen Jesus-Figur im Garten Gethsemane lastet, nach oben gezogen. Von dort senkt sich daraufhin eine kleine Bühne, auf der ein Junge einen Engel verkörpert. Mit kräftiger Stimme singt er seine tröstenden Verse. Schließlich reicht er Jesus, der sein Leiden angenommen hat, dreimal den Kelch.

    Bewegend ist das in mystischer Atmosphäre aufgeführte Ölbergspiel in der Franziskanerkirche in Dietfurt im Altmühltal. Es zeigt an den Donnerstagen der Fastenzeit die Angst Jesu Christi einen Tag vor seinem Tod am Kreuz. Entstanden ist das von Chorgesängen begleitete Spiel aus den noch älteren Ölbergandachten. Die Aufführung sollte der Bevölkerung, die zu weiten Teilen aus Analphabeten bestand, die religiösen Inhalte eindringlich vor Augen führen. In Dietfurt fand 1680 erstmalig ein Ölbergspiel statt.

    Noch weiter zurück reicht die Tradition im benachbarten Berching. Hier wurde die erste Aufführung bereits Ende des 16. Jahrhunderts gezeigt. Heute findet das Spiel in der Kirche St. Lorenz statt, wo auch Jesus von einem Darsteller gespielt wird. In Dietfurt singt Karl Mayerhöfer die Jesus-Partien dagegen aus dem Off – schon seit 38 Jahren. „Die Teilnahme am Spiel hat für mich nicht nur religiöse Gründe, sondern ist auch Traditionspflege.“

    Der ist es zu verdanken, dass die nicht nur in der Zeit der Aufklärung verbotenen Spiele an einigen Orten wieder eingeführt wurden und überlebt haben. Das Volk wollte es so. „Texte und Lieder wurden über die Jahrzehnte zwar verändert“, weiß Mayerhöfer, „aber der Kern der Volksandacht ist unberührt geblieben.“ Wer feststellt, dass die Kirchen meist bis auf den letzten Platz gefüllt sind, wird das gerne glauben.

    Auch in Riedenburg-Altmühlmünster wird das Leiden Christi dieses Jahr inszeniert – zum ersten Mal wieder seit fünf Jahren und in einem komplett neu gestalteten Bühnenbild. Die Passionsspielergemeinschaft von Altmühlmünster spielt seit 34 Jahren in der nunmehr achten Inszenierung die Leidensgeschichte Jesu in einer ebenso packenden wie realistischen Inszenierung nach. Die Pfarrkirche als Schauspielhaus und sakraler Ort zugleich schmiedet Zuschauer und Darsteller mit jeder Szene und jedem Hammerschlag zur Kreuzigung Christi zu einer eng verwobenen Gemeinschaft zusammen. Premiere ist an diesem Samstag, bis zum 14. April wird es 20 Vorstellungen geben.

    In Berching spaziert man derweil an der Ölberg-Kapelle der Lorenz-Kirche über eine alte Brücke ins Zentrum des von Mauern umwehrten Mittelalter-Städtchens. Gut zu wissen, dass die Gastronomie im Altmühltal die Fastenwochen als Gelegenheit aufgegriffen hat, besondere kulinarische Angebote zu offerieren. Denn in dieser stillen Region abseits der Metropolen liegen Glaube und Genuss nicht weit auseinander. Als Mittler fungiert die Tradition, was in diesem Falle bedeutet: Gekocht wird mit regionalen Produkten. Und da hat das Altmühltal einiges zu bieten. Nach der schweren Kost des Ölbergspiels die leichte zur Sättigung sozusagen.

    Matthias Sippl ist Küchenchef in der „Gams“ in Beilngries, dessen bunte Kirchtürme schon von Weitem auf das Städtchen aufmerksam machen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Angebot der regionalen Produzenten und wenn ich von unserem Fischhändler und seiner eigenen Zucht erzähle, gerate ich immer ins Schwärmen.“ Aber auch vom nahen Kloster Plankstetten ist der Küchenchef sehr angetan. „Die Brüder sind Vorreiter der Biobewegung hier bei uns“, sagt Sippl.

    Die Ländereien des Klosters liegen praktisch direkt am einst viel diskutierten Main-Donau-Kanal, der ab Dietfurt im Bett der Altmühl fließt. Frater Bonifatius erzählt, dass der Bau auch im Kloster Befürworter und Gegner gefunden habe. „Heute sind wir eigentlich alle froh, dass es den Kanal gibt“, resümiert er. Er ziehe Touristen in die Region, die per Boot kämen oder am Ufer entlang radelten. „Das verschafft auch uns Einnahmen.“

    In Plankstetten leben Benediktiner, deren oberste Regel lautet: Ora et labora. Soll heißen, sie müssen neben dem Gebet auch ans Geldverdienen denken. So ist in den letzten Jahren nach der Auflösung des klostereigenen Internats eine umfangreiche Biolandwirtschaft mit Bäckerei, Metzgerei und Brennerei, mit großem Klosterladen und eigener Schenke entstanden. „Ich bin für die Bäckerei zu-ständig“, erklärt der Frater. Der gelernte Bäckermeister steht sechs Tage in der Woche frühmorgens in der Backstube und macht alle Teige selbst, „aus eigenem Getreide und besonders gerne aus Urkorn wie Dinkel und Emmer“. Die seien reich an Eiweiß und Selen. Aber dann hat der umtriebige Frater genug berichtet: „Die Arbeit ruft – wie fast immer bei uns Benediktinern.“

    Vom Leben in Bescheidenheit, mit dem die Brüder in Plankstetten eine Alternative zum Konsumverhalten der Mehrheitsgesellschaft aufzeigen wollen, zur prunkvollen Verschwendungssucht des Barocks ist es nicht weit. Die kleine Bistumsstadt Eichstätt, sozusagen Hauptstadt des Altmühltals, überrascht mit einem Platzensemble, das man so eher in Wien vermuten würde: bauliche und stilistische Geschlossenheit in höchster Vollendung.

    Auch drumherum dominiert Barock, selbst der Dom hat eine barocke Seite.

    Satt wird in Eichstätt aber nicht nur das Auge. Auf die Hungrigen wartet eine spezielle Speisenkarte zur Fastenzeit. Aufgetischt werden vor allem Eintöpfe und Suppen. Im Altmühltal hat die Einkehr eben noch ihre zwei Seiten. Nach der Stärkung gibt es in der Stadt der Kirchen noch viel zu entdecken – etwa das romanische Heilige Grab in der Kapuzinerkirche. Etwas größer als diese deutschlandweit am besten erhaltene Nachbildung hat sich die nicht mehr bestehende Grabstätte in Jerusalem den Pilgern im 12. Jahrhundert präsentiert. Ziel heutiger Eichstätt-Pilger ist die Heilige Walburga. Über deren Beliebtheit erzählen unzählige Votivtafeln in der Gruftkapelle der Klosterkirche St. Walburg, Dankbezeugungen für die Hilfe der Heiligen. Merke: Eine Reise ins Altmühltal könnte Wunder wirken.

    Naturpark Altmühltal

    Fläche und Landschaft Der Naturpark wurde 1969 gegründet und erstreckt sich auf einer Fläche von 2906 Quadratkilometern im Zentrum Bayerns. Mitglieder des Trägervereins sind die Landkreise Donau-Ries, Eichstätt, Kelheim, Neuburg-Schrobenhausen, Neumarkt, Roth und Weißenburg-Gunzenhausen, die Großen Kreisstädte Eichstätt und Weißenburg, das kreisfreie Ingolstadt, der Wittelsbacher Ausgleichsfond und Kommunen. Typisch für die Mittelgebirgslandschaft der Südlichen Frankenalb sind Kalkbuchenwälder, Wacholderheiden, Trockenrasen, Feuchtwiesen, malerische Felsformationen und Steinbrüche. Knapp die Hälfte der Naturparkfläche ist bewaldet. Die Altmühl fließt als Achse von West nach Ost durch den Naturpark und mündet in Töging bei Dietfurt in den Main-Donau-Kanal.

    Für Touristen Im Naturpark Altmühltal stehen rund 17 000 Betten in über 1250 Betrieben und circa 2100 Stellplätze für Camper sowie zahlreiche Jugendherbergen und Zeltplätze zur Verfügung. Man kann radfahren, wandern, bootfahren, Fossilien sammeln, klettern und den Main-Donau-Kanal entlangschippern. Dazu gibt es kulturelle Sehenswürdigkeiten wie den Limes, mittelalterliche Burgen, barocke Schlösser und Kirchen sowie Museen in den 15 Städten.

    Tourist-Information Tel. (084 21) 987 60 www.naturpark-altmuehltal.de Ölbergspiele • Jeden Donnerstag in der Fastenzeit in Berching um 13.45 Uhr, am 6. April um 18.30 Uhr Infos: www.berching.de • In Dietfurt immer donnerstags um 14 Uhr Infos: www.dietfurt.de

    • In Riedenburg verschiedene Termine bis 14. April. Infos: Tel. (094 42) 9181-16 www.passionsspiele-altmuehlmuenster.de

    Klöster Die Benediktiner in Plankstetten betreiben Klosterladen und Schenke: Tel. (084 62) 2060

    www.kloster-plankstetten.de

    Das Meditationshaus der Franziskaner in Dietfurt

    bietet ein großes Kursprogramm – auch in der Fastenzeit und an Ostern: Tel. (084 64) 6520 www.meditationshaus-dietfurt.de

    Hoteltipp „Fuchsbräu“: 4-Sterne-Traditionshaus in Beilngries, Tel. (084 61) 6520, www.fuchsbraeu.de

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