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    BERLIN / HOFHEIM

    Filmkünstler Michael Ballhaus gestorben

    Er galt als einer der besten Kameramänner der Welt. In Hollywood arbeitete er mit allen Großen des Fachs. Jetzt ist Michael Ballhaus, der auch in Franken lebte, gestorben.

    Es war ein berührender Augenblick: Da stand Michael Ballhaus, einer der berühmtesten und meistgefragten Kamerakünstler der Welt, mit Tränen in den Augen auf der Bühne und sagte leise: „Ich bin ja nur ein Kameramann. Und außerdem habe ich furchtbare Angst, vor Leuten zu reden."

    Das war im Februar 2016. Die Berlinale hatte dem Gestalter von Meisterwerken wie „Good Fellas“ und „Gangs of New York“ gerade den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk überreicht. Fast erblindet wegen des Grünen Stars, war die Auszeichnung in seiner Geburtsstadt für den Künstler nochmals eine besondere Liebeserklärung. In der Nacht auf Mittwoch ist Ballhaus in Berlin mit 81 Jahren gestorben.

    Lehre im Fotostudio

    Ballhaus stammt aus einer Schauspielerfamilie – und wollte zuerst ebenfalls auf die Bühne. In seinen Erinnerungen „Bilder im Kopf“ bekennt er jedoch, dass die Eltern ihm nichts von ihrem Talent vererbt hätten. So kam es, dass er in Würzburg eine Lehre in einem Fotostudio absolvierte. „Diese Ausbildung war tatsächlich mein erster Schritt in meine Berufslaufbahn als Kameramann“, sagte er einmal in einem Gespräch mit dieser Redaktion.

    Seine Mutter Lena Hutter (1911-2003) und sein Vater Oskar Ballhaus (1908-1972) sind die Gründer des Fränkischen Theaters, das heute in Schloss Maßbach zu Hause ist und von Michael Ballhaus' Nichte Anne Maar geleitet wird. Helga Ballhaus, erste Frau von Michael Ballhaus, war ebenfalls Schauspielerin. Schwester Nele ging andere Wege, sie ist Autorin. Ihr Mann ist der berühmte Kinderbuchautor Paul Maar.

    Ballhaus blieb Franken treu

    Nach Franken kam Michael Ballhaus bereits im Jahr 1943. Damals zog die Familie von Berlin nach Coburg. Dort gründeten die Eltern das Theater „Coburger Kulturkreis“. Michael Ballhaus hat seine Wurzeln in Franken nie gekappt, er lebte nicht nur in Berlin, sondern besuchte bis zuletzt auch immer wieder seinen Zweitwohnsitz – im alten Pfarrhaus von Eichelsdorf bei Hofheim. Lange war er auch in Los Angeles zu Hause.

    Filmgeschichte schrieb er mit seiner 360-Grad-Kamerafahrt. In Hollywood gehörte Michael Ballhaus zu den ganz wenigen Deutschen, die in der Spitzenliga spielten. Drei Mal wurde er für einen Oscar nominiert. Hollywood-Regisseur Mike Nichols, mit dem er einst „Die Waffen der Frauen“ drehte, sagte: „Mit Michael zu arbeiten ist, als wäre man im Himmel – nur, dass man dafür vorher nicht sterben muss.“

    Arbeit mit den wichtigsten Regisseuren

    25 Jahre lang arbeitete Ballhaus in den USA mit den wichtigsten Regisseuren zusammen – neben Nichols etwa mit Francis Ford Coppola, Robert Redford, Wolfgang Petersen und Robert De Niro. Allein sieben Filme entstanden aus der beispiellosen künstlerischen Beziehung mit US-Starregisseur Martin Scorsese.

    Vom ersten gemeinsamen Low-Budget-Film „After Hours“ (1985) bis zum 100 Millionen Dollar teuren Abschiedswerk „Departed“ (2006) mit Leonardo DiCaprio und Jack Nicholson entwickelte das Duo eine eigene Bildsprache, die innovativ mit Licht, Raum und Bewegung arbeitete. Sein Blick liebe die Schauspieler, sagte Ballhaus einmal. „Ich weiß, dass der Schauspieler viel Aufmerksamkeit und Konzentration von der Kamera braucht.“

    Scorseses Bandenepos „Gangs of New York“ trug ihm 2002 seine dritte Oscar-Nominierung ein – nach James L. Brooks' Komödie „Nachrichtenfieber“ (1987) und Steven Kloves' Nachtclubfilm „Die fabelhaften Baker Boys“ (1989). Wie dort Michelle Pfeiffer im roten Glitzerkleid lasziv auf einem schwarzen Flügel liegt, während die Kamera sie in einem einzigen großen Bogen umfährt – das wurde als „Ballhaus-Kreisel“ zu seinem Markenzeichen.

    Ballhaus hatte nach dem Beginn seiner Karriere beim Fernsehen auch mit Rainer Werner Fassbinder gearbeitet. Mit dem ebenso genialen wie exzentrischen Regisseur avancierte er in den 70er Jahren zum Vorzeige-Duo des Neuen Deutschen Films. 15 Filme machten die beiden zusammen, darunter Meisterwerke wie „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972) und „Die Ehe der Maria Braun“ (1979). Nach vielen Reibereien kam es bei der Romanverfilmung „Berlin Alexanderplatz“ 1980 zum Bruch.

    Lehraufträge

    Nach dem überraschenden Tod seiner ersten Frau heiratete Ballhaus 2011 die um 25 Jahre jüngere Regisseurin Sherry Hormann, für deren Film „3096 Tage“ er ein letztes Mal hinter die Kamera trat. „Sie war der Chef, ich tat, was sie mir sagte.“ Das klaustrophobische Drama, die Leidensgeschichte der acht Jahre in einem Kellerverlies gehaltenen Natascha Kampusch in Österreich, stieß auf ein eher geteiltes Echo.

    Seit Jahren kümmerte sich Michael Ballhaus auch intensiv um die Nachwuchsförderung. Er übernahm Lehraufträge an Filmhochschulen vor allem in Berlin und München, gründete eine Stiftung und lobte einen Preis für vielversprechende Kameraleute aus.

    Dass ausgerechnet er, für den zeitlebens die Augen das wichtigste Werkzeug waren, zunehmend erblindete, machte ihn traurig, aber nicht bitter. „Was mir bleibt, sind die Bilder im Kopf. Sie sind da und kommen immer wieder“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Und fügte mit Blick auf sein Leben hinzu: „Ich bin einfach nur dankbar, dass es so gut gelaufen ist.“

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