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    WÜRZBURG

    Promis malen für den Kulturspeicher

    Wenn Geld für Neuerwerbungen fehlt, muss ein Museum kreative Lösungen suchen. Im Würzburger Kulturspeicher setzt man auf eine ungewöhnliche Aktion.

    Axel Prahl schreibt, er erinnere sich noch an seinen Auftritt beim Würzburger Hafensommer und daran, dass der damals gar nicht im Hafen stattfand, weil die Kaimauer brüchig war. Auf die Rückseite der Postkarte hat der Star aus dem Münster-„Tatort“ ein buntes Bild gezeichnet.

    Auch andere Prominente griffen zum Zeichenstift. Von Andrea Nahles bis Winfried Bausback, von Hannelore Hoger bis zu Schlagersängerin Nicole. Fritz Wepper ließ stellvertretend seine sechsjährige Tochter kreativ werden. Sebastian Vettel, mehrfacher Formel-1-Weltmeister, versandte immerhin Autogrammkarten, ebenso wie Deutschrocker Peter Maffay oder Schauspielerin Maria Furtwängler.

    Gelber und blauer Fleck

    „Ein Bild für ein Bild“ heißt die Aktion von Kulturspeicher und Soroptimist. Gut 600 Briefe haben die 43 Damen der Würzburger Sektion des internationalen Service-Clubs an – überwiegend – bekannte Persönlichkeiten verschickt. Mit der Bitte, ein vorgegebenes Motiv – ein gelber und ein blauer Fleck – zu vervollständigen. Mehr als 200 Karten sind zurückgekommen. Einige haben gleich mehrere „Werke“ eingesandt. Stark vertreten sind Künstlerinnen und Künstler aus der Region

    Zweck der ungewöhnlichen Aktion: Die Postkarten mit den Promi-Zeichnungen sollen verkauft werden. Der Erlös soll ein Kunstwerk für die Städtische Sammlung im Kulturspeicher finanzieren: das „Stillleben mit Uhr und Papierrollen“ von Dorothea Maetzel-Johannsen (1886 bis 1930).

    Das großformatige Ölgemälde der Lovis-Corinth-Schülerin und Mitgründerin der Hamburgischen Sezession „würde gut in den Bestand um Gertraud Rostosky passen“, so Kulturspeicher-Leiterin Marlene Lauter. Denn wie die Würzburgerin Rostosky habe Maetzel-Johannsen ihre Position in einer Zeit behauptet, „in der Frauen, wenn überhaupt, nur am Rande der Kunstszene gesehen wurden“.

    Die kreative Benefiz-Aktion ist notwendig, weil das Museum im Kulturspeicher keinen Etat für Neuerwerbungen mehr hat. Wenn Lauter von den Zeiten spricht, als regelmäßig öffentliches Geld für den Ankauf neuer Werke floss, geht es um D-Mark. Lange her . . .

    Ausstellung ab 9. Januar

    Jetzt muss Marlene Lauter für jeden projektierten Ankauf Sponsoren oder Spender suchen oder eigens Geld beantragen – ein Vorgehen, das für Museen dieses Zuschnitts nicht unüblich ist. Zwar sei sie noch nie im Rathaus abgewiesen worden, „wenn wir ein konkretes Objekt ankaufen wollten“, so Lauter. Ein eigener Etat für Neuerwerbungen sei dennoch besser, weil sie dann „strategisch“ planen könne. Ankäufe seien wichtig, denn: „Kunstmuseen müssen sammeln, um ihren Auftrag zu erfüllen“, sagt die Kulturspeicher-Leiterin.

    14 000 Euro soll das Maetzel-Johannsen-Stillleben aus dem Kunsthandel kosten. Ein Teil des Geldes sei durch Spenden schon da, so Lauter. Den Löwenanteil soll allerdings der Verkauf der Promi-Postkarten bringen. Vorgegangen wird in zwei Stufen: Ab 9. Januar hängen Reproduktionen der Bilder im Kulturspeicher. Sie vermitteln einen Eindruck von den Originalen, die es zu kaufen gibt (auf der Soroptimist-Website sind sie schon jetzt zu sehen). Die Preise liegen zwischen 10 Euro für eine Autogrammkarte und 80 Euro für eine Künstler-Postkarte. „Es sind alles Unikate“, wirbt Marlene Lauter.

    Künstler aus der Region haben sich viel Mühe gegeben. So haben etwa Barbara Lenz, Elvira Lantenhammer oder Angelika Summa Postkarten in ihrem jeweils eigenen Stil gestaltet. Aber auch der Dresdner Max Uhlig lieferte Kunst im Postkartenformat.

    Die Sahnestückchen – darunter Zeichnungen von Max Raabe, Urban Priol oder Paul Maar – werden am 3. Februar versteigert. Bei der Veranstaltung um 18.30 Uhr im Kulturspeicher sind Auftritte von Tänzern des Mainfranken Theaters und des tanzSpeichers angekündigt. Auch der Erlös aus dem Eintritt (35 Euro) soll in den Ankauf des Stilllebens gesteckt werden.

    Der Vorverkauf für den Benefizabend startet am 9. Januar im Würzburger Kulturspeicher und im Modehaus Schlier (Domstraße). Öffnungszeiten des Kulturspeichers: Dienstag: 13–18, Mittwoch, Freitag bis Sonntag 11–18, Donnerstag: 11–19 Uhr

     

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