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    WÜRZBURG

    Beethoven mit Kraft und Zärtlichkeit

    Beethovens „Missa solemnis“ ist für das 19. Jahrhundert das, was Bachs h-Moll Messe für das 18. Jahrhundert war. Die Würzburger Philharmoniker führten das Werk auf.

    Beethoven beim Komponisten der „Missa Solemnis“ (Gemälde von Josef Stieker, 1819) Foto: dpa

    Ludwig van Beethovens „Missa solemnis“ ist ein gewaltiges Stück Wohlklang. Für das 19. Jahrhundert gilt sie als das wichtigste liturgische Werk, so wie die h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach für das 18. Jahrhundert. Beethoven stellte seine religiöse Komposition anlässlich der Weihe von Erzherzog Rudolf zum Erzbischof von Olmütz, seines langjährigen Gönners, nicht wie geplant rechtzeitig fertig, sondern arbeitete weitere vier Jahre an dieser Schöpfung.

    In der nahezu voll besetzten Würzburger Johanniskirche beginnt das Sinfoniekonzert des Mainfranken Theaters andächtig und vom ersten Ton an mit umwerfender Kraft. Dirigent Enrico Calesso lässt das „Kyrie“ von Chor und Extrachor flehend, die Bitte nach Erbarmen getragen erklingen, begleitet von einem schlicht untermalenden Orchester und ergänzt von Solisten, die die Bitte nach Vergebung nahezu zärtlich, vertrauensvoll ausklingen lassen.

    Jubilierend, beinahe enthusiastisch setzen Orchester und Chor das „Gloria“ an. Sie intonieren die musikalischen Gegensätze empfindsam und präzise. Ruhig und gelassen das „In terra pax“, gedämpft und ehrfürchtig „Adoramus te“, emphatisch das „Qui tollis peccata mundi“, lautes Flehen, das im Piano zerfließt im „miserere nobis“.

    Abwechselnd zum präzise und hoch engagiert geführten Chor kommen immer wieder die Solisten zum Einsatz. Silke Evers fügt sich mit schlankem, bis in strahlende Höhen glänzendem Sopran in das Quartett, Altistin Maria Marzo mit warmer, ausdrucksstarker, fein gestaltender Stimme. Tenor Thomas Mohr singt schön und intensiv, kann seine in Wagner-Partien erprobte Stimme nicht verleugnen. Igor Tsarkov, Neuzugang im Ensemble des Theaters, stellt sich mit seinem Bass im „Agnus Dei“ gefällig vor, lässt sich von Chor und Orchester tragen und fügt sich harmonisch ins Quartett.

    Voll ruhiger Würde

    Voll intensiver Tiefe erklingen im „Credo“ das „Et incarnates est“, das schlichte „Et homo factus est“ und das trauernde „Et spultus est“. Laut und jubelnd dagegen „Et surrexit“, beinahe tänzerisch „Et ascendit in coelum“.

    Der Dirigent entlockt dem gesamten Orchester oder wechselweise einzelnen Instrumentengruppen immer wieder akzentuierten Wohlklang, dem Chor schwelgende Bögen, lyrische Momente und spielerische Schönheit. Konzertmeister Franz-Peter Fischer zelebriert im „Benedictus“ mit seiner Solovioline schmelzende Melodien voll ruhiger und feierlicher Würde.

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