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    WÜRZBURG

    CD-Tipps: Neues von Depeche Mode, Joy Denalane und Philipp Poisel

    Die einen setzen auf Bewährtes, die anderen schlagen neue Kapitel auf: Einspielungen von Electronic Dance Music über Soul bis Liedermacher-Pop.

    Unter der Regie von James Ford (Produzent der Arctic Monkeys) wagen sich Depeche Mode auf ihrem 14. Studioalbum auf neues Terrain. Die etwas behäbige Strenge der letzten drei Alben weicht einer lebendigeren Mixtur aus Martins Vorstellung von Blues, Electronic Dance Music und echtem Noise, der hie und da die Frage aufwirft ob mit den Kopfhörern etwas nicht stimmt. Die Zeit der griffigen Songs ist wohl endgültig vorüber. Die Vorabsingle „Where?s the Revolution“ bleibt die eingängigste Nummer.

    Dennoch kann man Spirit gut hören. Der Sound ist vielschichtig und dreidimensional. Man hört Dave Gahans Ausflüge mit den Soulsavers in handgespielte Rockmusik. „Going Backwards“ und „The Worst Crime“ werden sicher einen festen Platz in den Herzen der Depeche Mode Gemeinde finden. Die Welttournee ist ausverkauft. Die Herren machen offensichtlich alles richtig. DAN

    Joy Denalane schlägt ein neues Kapitel auf

    Deutschlands Soulqueen ist zurück. Sechs Jahre nach ihrem letzten Album „Maureen“ beginnt Joy Denalane mit „Gleisdreieck“ ein neues musikalisches Kapitel – und lässt dabei tief in ihre Seele blicken.

    „Gleisdreieck“, das ist nicht nur der Name eines U-Bahnhofs im Westen Berlins, es ist auch der Ort, an dem die Sängerin ihre Kindheit verbrachte. Zwischen Hoffnung und Zweifeln – ein Spagat, den jedes ihrer Lieder widerspiegelt.

    Während die 44-Jährige in „Hologramm“ das Scheitern einer Beziehung aufarbeitet, besingt sie in „Zuhause“ den Abschied von ihrer Mutter. Die Stimme wirkt zerbrechlich, im Hintergrund brummt der Bass. Das Hadern mit dem Schicksal, Unsicherheit und Einsamkeit sind die eine Seite der Medaille, die Leichtigkeit holt sie sich mit Mitsingnummern wie „Alles leuchtet“ zurück. Zusammen mit Künstlern wie Marteria oder Tua lässt sie die Grenzen zwischen R&B, Hip-Hop und afrikanischen Klängen verschwimmen, das Ergebnis ist eine faszinierende Sammlung von individuellen Liebeserklärungen an die Vielfalt der Musik.

    Hörenswert. mro

    Philipp Poisel bleibt sich als kleiner Junge des Pop treu

    Philipp Poisel ist der kleine Junge der Popmusik, der verträumt-verliebt nuschelnd über alle Facetten der Liebe philosophiert. Dazu ein wenig Gitarre, ein Klavier und eingängige Schlagzeugpassagen – fertig ist der Liedermacher-Charme. So war es vor sechseinhalb Jahren, als er mit seinem bis dato letzten Studioalbum „Bis nach Toulouse“ Platz 8 der Charts erreichte. So ist es heute, wenn er sich auf „Mein Amerika“ die Liebe und das Leben erklären lässt. Wie einst sehnsüchtig-schwermütig, und dennoch auch wieder liebvoll-authentisch.

    Der Stuttgarter hat für sein neues Album die Heimat hinter sich gelassen, um in das musikalische Herz Amerikas zu fliegen. In Nashville ist der größte Teil des Albums entstanden, fernab vom politischen Washington. Daher dichtet der 33-Jährige auch nicht über Trumps Amerika, sondern philosophiert zu eingängigen Rhythmen und mitsingbaren Texten nostalgisch über vergangene Tage. Damals, als das Land wie kein anderes für Freiheit und Aufbruch stand. Mit „Mein Amerika“ hat sich Philipp Poisel nicht neu erfunden, aber das muss er auch nicht. Er bleibt der kleine Junge der Popmusik – und sich damit treu. mro

     

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