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    WÜRZBURG

    Das 15. Würzburger Flamenco-Festival ist eröffnet

    Im Mainfranken Theater Würzburg gab es zum Auftakt knisternde Erotik.

    Auch in Unterfranken löst der andalusische Flamenco – seit 2010 „Immaterielles Kulturerbe der Menschheit“ – regelmäßig Begeisterungsstürme aus. Im voll besetzten Mainfranken Theater Würzburg eröffnete der spanische Gitarrist Antonio Rey mit seiner Companía das 15. Würzburger Flamenco-Festival. Seit seinem Bestehen wird das Festival von Mercedes Sebald organisiert.

    Die Musik des Flamenco – traditionell bestehend aus Gesang, Gitarre, Tanz und rhythmischen Elementen – kann ihre orientalischen Einflüsse nicht verleugnen. Mit seinen orientalischen Wurzeln strahlt der Flamenco eine seltsam urwüchsige Kraft aus. Er scheint oft um sich selbst zu kreisen und keiner greifbaren Entwicklung zu folgen.

    Antonio Rey, bereits mehrfach beim Flamenco-Festival zu Gast, hatte auch in seiner diesjährigen Bühnenshow „Jerez sin Fronteras“ den Gitarristen Manuel Urbina an seiner Seite – ein hörbar eingespieltes Team, das mit Paco Vega an der Perkussion delikate Ergänzung fand.

    Nuanciert, sensibel und im besten Sinne zurückhaltend bearbeitete Vega die Cajon und weitere Schlaginstrumente – stets mit sanften, bloßen Händen.

    Der wehklagende Flamencogesang bedarf einiger Eingewöhnung. Denkwürdige Akzente setzte hier Iván Carpio mit seiner hellen, nasalen, leicht scharfen Stimmfärbung. In arabisch anmutenden Melismen mäanderte die Stimme des Sängers durch den Raum, sich mit Haut und Haar einem namenlosen Leid hingebend.

    Eine ernste und hinreißende Angelegenheit (dabei freilich selten anmutig im herkömmlichen Sinn) ist der Flamenco-Tanz. Mit harten, rasend schnellen Steppschritten, rhythmischem Händeklatschen, Fingerschnipsen und Röckeschwingen verkörpert dieser Tanz Zorn, Wut und Erotik. Mann oder Frau tanzt ihn meist allein – in geheimnisvoller Interaktion mit den Musikern. Wenn ihn ein Paar tanzt, dann ohne gegenseitige Berührung. Gema Moneo und Pedro Córdoba – überwältigend auch in ihren Solonummern – begegneten sich auf der Bühne des Mainfranken Theaters aufs Intensivste, in vor Spannung knisternden Darbietungen voller Trotz, Körperlichkeit, Präzision und Stolz.

    Ihren zweiten Tanz als Paar gestaltete das Duo weicher, zugewandter und versöhnlicher – doch mit derselben bizarren Schönheit, Kompromisslosigkeit und Würde, die den Flamenco so ungemein faszinierend macht. Es gab stehende Ovationen und tosenden Applaus.

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