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    NEW YORK

    Der Rolling Stone, über den Mick Jagger nicht begeistert war

    Die Bibel unter den Musikmagazinen wird 50 - aber ohne rauschende Party. Denn die Helden des „Rollings Stones“ sind alt geworden. Und Gründer Jann Wenner hat Pläne . . .

    Die Gegenkultur der Baby Boomer: eine Jubiläumsausgabe des Musikmagazins „Rolling Stone“ an einem Kiosk in New York. Foto: FOTO Christina Horsten

    Mick Jagger war nicht begeistert. Ein Magazin namens „Rolling Stone“? Der Sänger schüttelte den Kopf: „Warum hat Jann das so genannt, wenn es doch schon eine Band gab, die so hieß? Er hätte sich doch etwas anderes ausdenken können.“ Aber Jann Wenner, damals 21 und gerade das Studium an der Elite-Uni Berkeley geschmissen, ließ sich vom Namen nicht abbringen und brachte am 9. November 1967 die erste Ausgabe des „Rolling Stone“ auf den Markt. Auf dem Cover: ausgerechnet Beatles-Sänger John Lennon. Mick Jagger und die verärgerten Rolling Stones wurden erst ein knappes Jahr später zum ersten Mal auf den Titel gehoben.

    Da war der „Rolling Stone“ schon zur Sensation geworden. Gegründet von Wenner und seinem Freund und Mentor Ralph Gleason mit geliehenen 7500 Dollar in einem Loft in San Francisco, wurde das Magazin schnell zur „Gegenkultur-Bibel der Baby Boomers“, wie die „New York Times“ schrieb: „Der ,Rolling Stone‘ definierte cool, kultivierte Literatur-Ikonen und produzierte Cover, die Stars hervorbrachten.“

    Die Beatles und die Stones, Grateful Dead, Bruce Springsteen und Bob Dylan sind die Helden des „Rolling Stone“. Autoren wie Hunter S. Thompson, der den Ruf mit seinem „Gonzo“-Journalismus mitprägt, und Tom Wolfe sowie Fotografen wie Annie Leibovitz machen das Magazin mit langen Reportagen und außergewöhnlichen Bildern weltberühmt und werden darüber selbst zu Stars.

    Aber das war einmal. Zum 50. Geburtstag muss der „Rolling Stone“ einer tristeren Realität entgegenblicken, es läuft nicht mehr rund. Zwar hat das Magazin, das in den USA alle zwei Wochen erscheint, immer noch Kultstatus, aber Werbeeinnahmen sind weggebrochen, die Auflage sinkt. Die verkaufte Gesamtauflage lag 2016 bei rund 1,5 Millionen Exemplaren.

    Zudem gab es Eklats, unter anderem als die Redaktion 2015 einen Artikel über die mutmaßliche Vergewaltigung einer Studentin zurückziehen musste. Ein Gutachten war zu dem Schluss gekommen, dass die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt worden war. Für die Tat gab es keine Beweise. Vielen jüngeren Menschen gilt der „Rolling Stone“ außerdem als völlig veraltet – denn Dylan, Springsteen, die Beatles und die Stones sind immer noch dessen Helden.

    So gibt es zum Jubiläum anstelle von rauschenden Partys ein Verkaufsangebot. Der 71 Jahre alte Gründer Wenner will seinen Mehrheitsanteil an der Zeitschrift aufgeben. „Ich liebe meinen Job, ich genieße ihn, ich habe ihn sehr lange genossen“, sagte er der „New York Times“. Aber loszulassen sei jetzt „die kluge Entscheidung“. Es sei Zeit für Jüngere am Ruder.

    Wenner leitet den „Rolling Stone“ inzwischen mit seinem 27-jährigen Sohn Gus. „Us Weekly“ und „Men's Journal“, die beiden anderen Magazine aus ihrem Portfolio, sind schon verkauft, ebenso wie 49 Prozent am „Rolling Stone“, die im vergangenen Jahr an eine Musiktechnologiefirma in Singapur gingen.

    Der Käufer müsse „viel Geld“ haben und den Auftrag des Magazins verstehen, sagt Wenner. „Der „Rolling Stone“ hat so eine Rolle in der Geschichte unserer Zeit gespielt, sozial, politisch und kulturell. Wir wollen diese Position behalten.“

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