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    MÜNCHEN

    Interview: Ed Sheeran über Liebe, Geld und Erfolg

    Der Engländer ist derzeit der angesagteste Popstar. Trotzdem wirkt er recht entspannt. Ein Gespräch über Liebe, Geld und irgendwie auch den Brexit.

    Ed Sheeran meldet sich nach seiner Auszeit fulminant zurück. Foto: Britta Pedersen

    Ed Sheerans Songs sind handwerklich sauber und weder zu banal noch zu anspruchsvoll. So hat sich der 26 Jahre alte, äußerlich unspektakuläre Engländer, der auf der Bühne ohne Band auskommt, in den vergangenen fünf Jahren weltweit ganz nach oben gespielt. Dass Sheeran früh von Elton John protegiert wurde und eng mit US-Superstar Taylor Swift befreundet ist, hat ihm sicher nicht geschadet. Ed Sheerans aktuelles Album heißt „÷“ (sprich: „Divide“) und steht an der Spitze der Albumcharts. In den Single-Charts ist Sheeran mit 15 Songs in den Top 100 vertreten. Sheerans Tournee startete am Montag in der Olympiahalle. Die Tickets waren ruckzuck ausverkauft. Nächster Tour-Termin ist Mannheim (22. März, SAP-Arena), es folgen Köln, Hamburg und Berlin.

    frage: Sie wirken schlanker und fitter als früher. Was ist passiert?

    Ed Sheeran: Ich laufe. Jeden Tag zehn Minuten. Das bringt mehr, als einmal die Woche eine Stunde zu rennen und dann die übrige Woche nichts zu machen. Aber mein sportlicher Ehrgeiz ist immer noch nicht sehr ausgeprägt. Ein Sixpack werde ich niemals haben.

    Auf Ihrem neuen Album „Divide“ gibt es viele romantische Liebeslieder, aber auch extrem poppige Songs. Bei „Eraser“ rappen Sie sogar. Was wollen Sie mit der Platte erreichen?

    Sheeran: „Divide“ soll mich in der Popgeschichte verankern. Ich will, dass dies das Album wird, wegen dem man sich einmal an mich erinnern wird.

    Im Ernst jetzt?

    Sheeran: Im Ernst. Ich denke, es ist eine Verbesserung gegenüber den ersten beiden Platten. Ich wollte unbedingt sichergehen, dass es ein bahnbrechendes Album wird. Die letzten beiden waren sehr erfolgreich für mich, aber sie waren aus meiner Sicht nicht die Alben, mit denen ich die Welt bewegt habe. Wenn du dir die Karrieren von Bob Dylan oder auch Bruce Springsteen anschaust, kannst du die Alben benennen, die ihre Karriere wirklich aus den Angeln hoben. Ich hatte das noch nicht, ich hatte nicht Adeles „21“ oder Bob Dylans „Blood on the Tracks“ oder Bruce Springsteens „Born in the USA“. Ich will das jetzt auch. Deshalb habe ich viel Zeit damit verbracht, alles perfekt hinzubekommen.

    Ihre ersten zwei Alben „+“ und „X“ liefen jetzt auch nicht so übel. Sie sind der wohl erfolgreichste männliche Popkünstler der vergangenen fünf Jahre.

    Sheeran: Ja, sicher. Aber welche Songs daraus werden bleiben? Man kennt noch „The A-Team“ vom ersten und „Thinking out loud“ vom zweiten Album. Jetzt will ich, dass jeder Mensch fünf oder sechs Songtitel aus „Divide“ im Schlaf wird herunterrattern können.

    Haben Sie härter an den neuen Songs gearbeitet als sonst?

    Sheeran: Ich habe unendlich viel weggeschmissen und nur die Lieder behalten, von denen ich denke, sie können Klassiker werden. Und nicht nur ich. Es gibt eine Gruppe von vier, fünf Leuten, deren Urteil mir sehr wichtig ist, dazu gehören mein Manager und mein Cousin.

    Auf wen hören Sie am meisten?

    Sheeran: Auf meinen Vater. Dad hat immer recht (lacht). Ich vertraue ihm voll und ganz.

    Sie nehmen in den Songtexten mehrmals Bezug auf Ihren Vater. Sind Sie sich ähnlich?

    Sheeran: Vom Temperament ist er das krasse Gegenteil von mir. Wenn er sauer wird, geht er sofort in die Luft. Ich dagegen rege mich höchstens alle zwei Jahre mal auf. Ich bin da eher wie meine Mutter. Wir bleiben fast immer gelassen, doch wenn wir richtig die Wut kriegen, dann geh besser in Deckung (lacht).

    Ihre Mutter erwähnen Sie im Song „Supermarket Flowers“. Worum geht es da genau?

    Sheeran: Den Song habe ich aus der Perspektive meiner Mum geschrieben. Er handelt von ihrer Mutter, die vor einiger Zeit gestorben ist. Als ich meiner Mutter das Lied vorspielte, hat sie heftig geweint und war gleichzeitig schon auch sehr gerührt. Ich hoffe, wenn ich eines Tages sterbe, wird es jemanden geben, der mir ein solches Andenken bereitet. Vielleicht schreibt ja einer meiner Enkel einen Song über mich.

    Was ist der wertvollste Rat, den Ihnen Ihr Vatergegeben hat?

    Sheeran: Nicht über Religion oder Politik zu singen oder in der Öffentlichkeit zu sprechen. Daran halte ich mich.

    Gibt es deshalb auf dem neuen Album keinen Song über den Brexit?

    Sheeran: Auch wenn ich selbstverständlich eine klare Meinung zu dem Thema habe, bin ich letztlich nur ein 26-jährige Junge, der nicht so sehr viel Zeit damit verbringt, Nachrichten zu gucken oder die Zeitung zu studieren. Insofern sind meine Ansichten weder sehr ausgereift noch sehr fundiert, und deshalb halte ich lieber die Klappe.

    Machen Sie es sich da nicht zu einfach?

    Sheeran: Ach, okay, natürlich finde ich Europa verdammt fantastisch. Es ist wundervoll, die verschiedenen Länder und Städte zu besuchen. Ich komme immer sehr gern, und ich hoffe, ich werde für den Rest meines Lebens die Möglichkeit dazu haben.

    In „Eraser“ bezeichnen Sie Geld als die Wurzel allen Übels. Das ist durchaus eine unerwartete Ansicht für einen vielfachen Millionär.

    Sheeran: Aber es stimmt. Ich habe total viele Freunde verloren, seitdem ich wohlhabend bin. Dabei gebe ich mein Geld eigentlich genauso schnell aus, wie ich es einnehme. Mir bedeutet es nichts, das Konto anschwellen zu sehen. Geld als solches hat für mich keinen hohen Stellenwert. Ich gebe auch viel ab für wohltätige Zwecke oder zum Beispiel für ein Kinderkrankenhaus in der Nähe meines Wohnorts. Ich behalte genug, um ein angenehmes Leben zu führen, und mit dem Rest helfe ich anderen Menschen.

    Was hat der Ruhm mit Ihnen gemacht?

    Sheeran: Die Prominenz hat mich selbst gar nicht verändert, aber viele Leute um mich herum. Ist schon komisch. Überall auf der Welt kennt man mich. Auch deshalb bin ich, zumindest als Zweitwohnsitz, zurück in meinen Heimatort Framlingham gezogen. Dort falle ich nicht auf. Alle behandeln mich ganz normal wie immer, denn daheim kennt man mich schon mein ganzes Leben lang.

    „Es gibt Dinge, die einen Mann wie mich zerstören können“, heißt eine Zeile aus „Eraser“. Was meinen Sie damit?

    Sheeran: Alkohol und andere Suchtmittel vor allem. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass diese Dinge existieren und dass sie potenziell gefährlich sind. Ich passe aber auf mich auf.

    Über Ihre Kumpels von früher singen Sie in „Castle On The Hill“: Einer verkauft heute Klamotten, einer hat schon seine zweite Frau und bei einem ist immer die Kohle knapp. Ist das alles in Wirklichkeit so?

    Sheeran: Hundertprozentig. Diese Gruppe von Freunden gibt es genau so, das sind wir. Wir lieben uns und gehen zweimal pro Jahr zusammen in Urlaub. Meine Freunde leben alle ungefähr eine Stunde von mir entfernt, viel größer ist die Entfernung von London nach Framlingham nämlich nicht.

    An den meisten Wochenenden, an denen ich nicht arbeite, bin ich bei den Freunden und mache lustige Sachen mit ihnen.

    Sie veranstalten keine Partys bei Ihnen zu Hause?

    Sheeran: Lieber nicht. Bei den Jungs kann man um Längen besser Party machen als bei mir. Ich lebe mit Katzen zusammen, die kriegen Angst, wenn viele Leute da sind. Früher hatte ich auch so das typische Partyhaus, aber ich bin etwas älter, na ja, reifer und erwachsener geworden. Ich bin entspannter drauf als früher. Auch häuslicher.

    Wer versorgt die Katzen, wenn Sie unterwegs sind?

    Sheeran: Meine Freundin.

    Sie sagen, Ihre Freundin Cherry Seaborn sei die erste wirklich große Liebe Ihres Lebens.

    Sheeran: Ja, zum ersten Mal nehme ich mir wirklich Zeit für eine Beziehung, das ist neu bei mir. Früher lief das meiste übers Telefon und 4000 Meilen Entfernung ab. Aber Cherry und ich, wir haben uns fast anderthalb Jahre lang jeden einzelnen Tag gesehen, mit nur wenigen Ausnahmen. Wir sind gereist, waren lange in Japan, überall. Wir sind uns unserer Liebe sehr sicher. Während ich bei früheren Frauen häufig gar nicht so genau wusste, ob wir jetzt zusammen sind oder nicht.

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