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    WÜRZBURG

    Kein Fallschirm für Donald Trump

    Jürgen von der Lippe bringt das Publikum im voll besettzten CCW zum Lachen. Auch mit Aktuellem kann der Komödiant dienen. Etwa zum Thema Schulz und SPD.

    „Wie soll ich sagen?“ – Jürgen von der Lippe. Foto: Johannes Kiefer

    Warum in einem Vierpersonen-Flugzeug nur drei Fallschirme liegen, das weiß der Entertainer Jürgen von der Lippe auch nicht. Er macht sich über den uralten Witz lustig, erzählt ihn trotzdem, und zwar so gut, dass das Publikum im voll besetzten Würzburger Congress Centrum vor Lachen brüllte.

    Jürgen von der Lippe hat ein reflektiertes Verhältnis zu Komik und Rhetorik. Das setzt er ein, um viele Menschen zu erheitern. Wenn er nicht so augenzwinkernd menschelte, könnte man Angst vor der Verführungskraft des 68-jährigen Ostwestfalen bekommen. Aber, als hätte er solche massenpsychologischen Fragen selbst immer im Blick, geht er indirekt just darauf ein: Hundertprozentige Zustimmung bei einer Wahl zum Parteivorsitzenden, sagt er, habe es zuletzt bei Kim Jong Il gegeben.

    Am Tag des Triumphes von Martin Schulz – und ganz am Beginn seiner Show – gibt sich von der Lippe aktuell und spontan, als stehe er an diesem Abend eigens für dieses Publikum auf der Bühne. Man muss dem Mann das glauben. Was improvisiert und was einstudiert ist, lässt sich vor der bunt schillernden Kunstseidenkulisse nicht auseinanderhalten.

    „Was beeinflusst Sprache?“ sei Inhalt seines Programms „Wie soll ich sagen?“, sagt Jürgen von der Lippe. Tatsächlich greift er immer wieder Stichworte zum Thema Sprache auf. Weil man aber alles irgendwie sagen kann, öffnet der vorgebliche Titelschwerpunkt Tür und Tor für Assoziationen jedweder Art.

    Trockener Humor

    Dieser Kniff hat seine Entsprechung in der Art, wie der Künstler denkt und spricht. Sein trockener Humor zieht saubere kleine Schlussfolgerungen. Da wirkt alles logisch und nüchtern, auch wenn der Texter längst völlige Willkür walten lässt. Oder, in seinen eigenen Worten, wenn auch in anderem Zusammenhang: „Das ist schon sehr raffiniert, was ich hier mache.“

    Zwei Themen sind es besonders, auf die das Publikum anspringt, während der freundliche alte Bub oben auf der Bühne seine Gedanken so gut gebändigt herumsprudeln lässt: Die dicksten Lachsalven bekommt die Erwähnung von Körperausscheidungen. Überraschend gut kommt aber auch alles an, was selbstbezüglich ist, wo von der Lippe sich selbst und sein Tun zum Gegenstand macht. Pipi, Kacka und Autoreferenzialität – eine interessante Mischung!

    Zur Vollständigkeit: zwei groteske Verkleidungen, Parodien, Songs und Publikumsspiele gab?s an diesem raffinierten Abend auch. Und ohne Fallschirm sprang Donald Trump aus dem Flugzeug.

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