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    WÜRZBURG

    Mainfranken Theater: Judas und der Heilsplan Gottes

    Die Inszenierung zeigt Judas als Außenseiter. Der biblische Verräter hat nichts Dämonisches. Manchmal wirkt es, als sei er einer von uns. Und das macht nachdenklich.

    Eher politisch als religiös motiviert: Toomas Täht als Judas in St. Stephan. Foto: Thomas Obermeier

    In unruhigen Zeiten tut es gut, sich der eigenen kulturellen Wurzeln zu erinnern. Das gilt auch für die Ursprünge des christlichen Glaubens, der im gekreuzigten Sohn Gottes einen seiner zentralen theologischen Bausteine hat. Dem Tod Jesu vorausgegangen und untrennbar damit verbunden ist der Verrat durch Judas.

    Der meistgeschmähten Figur der Kulturgeschichte hat die niederländische Dramatikerin Lot Vekemans ihren Bühnenmonolog „Judas“ gewidmet. Markus Trabusch, Intendant des Würzburger Mainfranken Theaters, hat dieses ergreifende Solo mit Ensemblemitglied Toomas Täht in der Würzburger Kirche St. Stephan in Szene gesetzt.

    Schonungslose Ehrlichkeit

    Beginnend auf der Orgelempore und nach einer Stunde dorthin entschwindend, bespielt Tähts Judas den gesamten Kirchenraum bis hin zu Kanzel und Altar.

    In schonungsloser Ehrlichkeit erklärt er sich und uns seine Tat, die Motive seines Handelns, die mehr politisch als religiös motiviert sind. Sah er doch im Messias mehr den Führer eines Aufstands gegen die römischen Besatzer als einen weiteren Sektenführer, wie es sie in Palästina ums Jahr null im Dutzend gab.

    Nichts Dämonisches, und schon gar nichts Radikales hat dieses oft im erzählenden Plauderton daherkommende Bekenntnis eines Außenseiters, der zum Verräter gemacht wurde, weil es einen geben musste, der den göttlichen Heilsplan in die Tat umsetzt.

    Einer von uns

    Im Gegensatz zum expressiven, bildmächtigen Judas-Text von Walter Jens, den Ben Becker am Vorabend mit viel kämpferischer Emphase in St. Johannis präsentierte, verbleiben Vekemans Text und Tähts gelegentlich unrunde Interpretation im unmittelbar Anschaulichen und allgemein Menschlichen, die seinen Judas zu einem von uns werden lassen. So lohnt sich der Besuch der Würzburger Judas-Produktion auch für jene, die bereits bei Becker waren. Und für alle anderen – ob Christen oder Nicht-Christen – ist es ein Lehrstück darüber, wie einer zum Außenseiter gemacht wird und sich dagegen wehrt.

    Nächste Vorstellungen: 26. und 28. April. Vorverkauf: Tel. (09 31) 39 08-124

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