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    REICHENBERG

    Musikalischer Abschied von Larry Coryell beim Guitar-Masters-Festival

    Der Meister schien anwesend: Das 9. Guitar Masters in der Reichenberger Wolffskeelhalle stand auch kurz nach dem Tod der Jazzrock-Legende unter deren Einfluss.

    Sammy Vomáèka – Fingerpicker und Entertainer. Foto: Harald Keitel

    Der Meister schien anwesend: Das 9. Guitar Masters (GM) in der Reichenberger Wolffskeelhalle stand auch kurz nach dem Tod der Jazzrock-Legende Larry Coryell unter deren Einfluss. Der Stammgast hatte der Provinzveranstaltung in der Vergangenheit nicht nur Glanz, Klasse und Charisma verliehen, sondern auch geholfen, andere Größen der weltweiten Jazz-, Fingerpicking- und Bossa-Nova-Szene zu holen. Coryell war lange der Resonanzkörper dieses Ein-Tages-Festivals: Es geht auch ohne ihn, aber auf Kosten von Volumen und Strahlkraft.

    Umso höher ist zu bewerten, dass die Macher das GM nicht absagten, sondern in letzter Minute die Band des dänischen Gitarristen Mikkel Nordsoe einluden. Die füllte nicht die Coryell-Lücke, bot aber doch den rockigen Part zum Abschluss des Abends, der ansonsten von Akustikgitarren geprägt ist.
     


    Nordsoes Band spielt Fusion zwischen afrikanisch angehauchter Weltmusik, Jazz- und Latinrock. Die E-Gitarre hat den Solopart, mal spacig verfremdet, mal rotzig, mal mit unendlichem Santana-Sustain. Immer virtuos, immer brillant. Vielleicht den stärksten Eindruck hinterließ „Larry?s Blues“ in Erinnerung an Coryell, bei dem Mikkel „Golden Fingers“ Nordsoe die Bandbreite seiner Spieltechnik auslotete.

    Den Einstieg in das sechsstündige Mammut-Konzert hatte das italienische Bruskers Guitar Duo übernommen. Sie vereinten in ihrem Auftritt klassische (Eugenio Polacchini) und moderne (Matteo Minozzi) Musikwelten. Bestens aufeinander eingespielt präsentierten sie Jazzstandards, Filmmusik und Eigenkompositionen. Das Wechselspiel war derart perfekt, dass die Zuhörer manchmal Mühe hatten, die Gitarren voneinander zu unterscheiden. Die beiden bildeten ein Gesamtkunstwerk mit hohem Unterhaltungsfaktor, das sich bis zum clownesken Höhepunkt steigerte.

    Ganz anders Daniel Marques: Der introvertierte Meister der klassischen brasilianischen Gitarre nahm die Zuhörer mit auf eine musikalische Rundreise durch seine Heimat. Technisch extrem anspruchsvoll, fügte er in das typische Spiel mit den Harmonien glänzende Läufe und komplizierte Rhythmen ein – hochkomplex und für die Zuhörer eine Herausforderung. Manchmal wähnte man Marques in andere Sphären entrückt, wie ein Hohepriester bei einer sakralen Handlung. Für Entlastung in dieser Hochspannung sorgte Marco Lobo, genial-kreativer Percussionist, der bewies, dass Percussion nicht nur der Begleitung dient.

    Auf die Phase der Konzentration setzte Veranstalter Reinhold Deinhardt wunderbare Unterhaltung – ein Zeichen dafür, wie überlegt er sein Programm choreografiert: Der tschechische, im Saarland lebende Fingerpicker Sammy Vomáèka ist ein grandioser Entertainer – mit seiner Musik wie mit seinen Anekdoten. Zwischen soliden Boogie-Woogie-, Ragtime- und Swing-Nummern sorgten seine lakonischen Plaudereien für Wohlgefühl. Zeit zum Luftholen für das Finale mit Nordsoe. Das Guitar Masters hat bewiesen, dass es auch ohne Coryell eine Zukunft hat: 2018 folgt Konzertabend Nr. 10.

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