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    WÜRZBURG

    Olga Scheps und Chopins Träumerei

    Die Pianistin Olga Scheps zeigte, was in Frédéric Chopins Musik drinsteckt. Das Publikum im Kaisersaal war begeistert - auch die Würzburger Philharmoniker gefielen.

    Frédéric Chopin wird bisweilen entweder als polnisch-melancholischer Gegentyp zur deutschen Klassik bewundert oder als Salonkomponist mit Tiefgang diskriminiert. Dass beides falsch ist, zeigte die fulminante Interpretation seines e-Moll-Klavierkonzerts durch Olga Scheps beim Würzburger Mozartfest.

    Die russischstämmige Pianistin. ist – selbstverständlich – eine großartige Virtuosin. Aber das ist nur ihr Handwerkszeug, um Chopins Musik, die durchaus ekstatisch kraftvoll sein kann, auszuleuchten, um dann in empfindsam-weicher Melodienseligkeit zu versinken. Scheps trifft durchaus die Leichtigkeit und Eleganz dieser seelenvollen, nicht sentimentalen Musik. Der Komponist selbst beschreibt den Mittelsatz, eine Romanze, als „so ein Hinträumen von einer herrlichen Stunde im Frühling bei Mondenschein“.

    Scheps zaubert und bezaubert mit unglaublich differenzierter Anschlagskultur. Es gibt Momente, da hätte man im Kaisersaal der Würzburger Residenz eine Nadel fallen hören. Aus den wildesten Läufen versteht sie immer wieder Melodien zu zaubern, sie nicht nur als nebensächliche Girlanden zu betrachten. Zwischen Piano und Pianissimo findet die 31-Jährige immer noch eine Vielzahl von Farben.

    Bravo-Rufe

    Umgekehrt nimmt sie Fortissimo-Vorschriften ernst, um Höhepunkte hervorzuheben. Man hat als Zuhörer das Gefühl, dass ihr diese weitgespannte Fülle von Ausdrucksmöglichkeiten richtig Spaß macht, Spaß, der im Krakowiak-Thema des letzten Satzes besonders zum Tragen kommt. Spaß macht nach langem Beifall mit Bravo-Rufen auch ihre Zugabe, das „alla turca“ aus Mozarts A-Dur-Sonate in der virtuosen, auch ironisch verfremdeten Variationsfassung von Arcadi Volodos.

    An dem Spaß und dem Träumen im langsamen Satz mit sordinierten Streichern bei Chopin sind natürlich auch die Würzburger Philharmoniker unter der Leitung von Enrico Calesso beteiligt. Sie spüren den wenigen vom Komponisten vorgesehenen großen Auftritten sorgsam nach, drängen sich nicht in den Vordergrund, sind aber – wenn nötig – durchaus präsent.

    Zum „Aufwärmen“ zu diesem großartigen Konzert hörte man die Ouvertüre zu Mozarts „Don Giovanni“. Ihre Mozart-Kompetenz konnten die Philharmoniker nach der Pause mit der „Linzer“ Sinfonie deutlicher zeigen. Da war der helle, durchsichtige, festlich-verhaltene Mozart-Ton getroffen; die gut ausgehörte Balance zwischen Streichern und Bläsern überzeugte. Calesso weiß um die depressiven Eintrübungen, aber auch um das C-Dur Leuchten, den Ausdrucksreichtum dieses im nur vier Tagen entstandenen Werkes. Diesem Mozart konnte man dankbar großen Beifall zollen.

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