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    WÜRZBURG

    Per Computer zum epochalen Ereignis der Reformation

    Der Würzburger Rainer Leng lädt zum zwölfwöchigen Seminar am PC rund um Luther. Dazu brauche man nicht einmal historische Vorkenntnisse, verspricht der Professor.

    Die Szenen zeigt Professor Rainer Leng in seinem kurzen Einführungsfilm für seinen Online-Kurs zu „Die Reformation“. Foto: Rainer Leng

    Bücher, Vorträge, Filme, Stadtrundgänge, Ausstellungen – das Reformationsjubiläum ist überall präsent. Wer aus der Masse der Veranstaltungen herausstechen möchte, muss sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen – wie Rainer Leng. Der Würzburger Professor hat in den vergangenen Monaten den zwölfwöchigen Online-Kurs „Die Reformation“ vorbereitet beziehungsweise einen MOOC, einen „Massive Open Online Course“. Beginn der virtuellen Veranstaltung ist am 1. Mai.

    Englisch ist nur die Bezeichnung des Kurses. „Massive“, also massiv, steht für kompakte, akademisch profunde Wissensvermittlung. Die Kurssprache ist Deutsch. Und die wissenschaftliche Aufbereitung mit einführenden Textmaterialien, Bildern, Videos, Quellen und Quizzen verspricht Vielseitigkeit und Kurzweil – vom Rechner zu Hause aus oder überall mit Notebook oder Tablet.

    Einzige Teilnahmebedingung: Interesse am Thema „Reformation“ und ein Internetanschluss. Historische Vorkenntnisse seien nicht erforderlich, sagt Historiker Leng. Wer noch tiefer in die Materie einsteigen möchte, löst nach den jeweiligen zwölf, etwa zweistündigen Kurseinheiten Aufgaben und tauscht sich mit den anderen Teilnehmern aus und kann am Ende – auf Wunsch – auch eine Prüfung ablegen. Ins Auge gefasst ist auch nach dem MOOC ein Präsenzseminar an den Wochenenden in Würzburg.

    Dass sich Rainer Leng der Reformation widmet, liegt auf der Hand: „Kaum ein anderes historisches Ereignis hat so viel verändert und wirkt so sehr bis in die Gegenwart nach“, sagt er im Einführungsfilm auf der Internet-Lernplattform mooin.oncampus.de. Die Reformation stehe am Beginn einer neuen Zeit und sie gelte sogar als Motor des modernen Staates und Wirtschaftslebens.

    Der Historiker hat bereits mehrere Online-Weiterbildungen produziert, etwa 2016 zu „Karl der Große – Pater Europae“, den Vater Europas. Darüber hinaus hat der außerplanmäßige Professor an der Universität Würzburg mit Schwerpunkt Mittelalterliche Geschichte und Landesgeschichte mit seinen Studenten an der Uni Würzburg Kurzfilme zu historischen Themen erarbeitet, die als Seminararbeit gelten. Sie können auf der Internetplattform „Youtube“ abgerufen werden.

    Diese multimediale Arbeitsweise komme sehr gut an, sagt Rainer Leng. Aber auch „ältere Semester“ fühlen sich von seiner hierzulande noch völlig unkonventionellen Art der „Vorlesung“ beziehungsweise Wissensvermittlung angesprochen. Den Kurs zu Karl dem Großen

    haben seinen Angaben zufolge über 8000 Menschen besucht, ebenso den Kurs über „Orientierung Geschichte: Zeit – Raum – Mensch“. Beim anschließenden Treffen seien Teilnehmer aus vielen Ländern nach Würzburg angereist, so Leng, etwa aus Österreich, Ungarn, der Schweiz, sogar aus Dubai.

    „Die Welle ,MOOC‘ ist vor ein paar Jahren aus den USA herübergeschwappt“, erzählt Professor Leng bei der Vorstellung seines Reformations-Kurses. Die Online-Kurse „erreichen – im Unterschied zu den Universitäten – die große breite Öffentlichkeit“. In Deutschland gehört er mit diesem Angebot zu den Vorreitern. Im universitären Bereich sei er sogar noch „ohne Konkurrenz“, so Rainer Leng.

    Im Kurs „Die Reformation“ geht es ihm um das „historische Phänomen“. Er beschreibt sie als „epochales Ereignis, da sie nahezu alle Lebensbereiche betraf: Glaube, Ehe und Familie, Schule und Universität, Wissenschaft und Kunst, Kirche(n) und Konfessionen, Entstehung protestantischer Staaten und Territorien“.

    Der Kurs ist jedoch keine reine protestantische Angelegenheit. „Ich bin froh, dass beide Kirchen als Partner mit im Boot sind“, betont Professor Leng, in Würzburg also das evangelisch-lutherische Dekanat mit dem Rudolf-Alexander-Schröder-Haus sowie die Domschule. Dort werden auch nachbereitende Präsenzseminare stattfinden. Unterstützung bei der Realisation gab es vom Rechenzentrum der Uni Würzburg. Gefördert wird der Kurs von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Ministerin Monika Grütters.

    Kursinhalte und Vortrag in Würzburg

    Teilnehmer des Online-Kurses erhalten im Internet Informationen über den Kursaufbau sowie Kursleiter und können sich einschreiben unter der Adresse: mooin.oncampus.de/

    Dort auf den Kurs „ReforMOOC“ beziehungsweise das Foto von Martin Luther klicken. Der Kurs ist gebührenfrei.

    Der Kursaufbau ist in zwölf Wochenkapitel gegliedert. Sie beschäftigen sich zum Beispiel mit „Kirche und Reich im späten Mittelalter“, „Vorläufer der Reformation und Reichsreform“, Phasen der Reformation und ihre Folgen, Medienrevolution und Reformation, Reformationsgedenken.

    Lernziele des MOOC „Die Reformation“ sind unter anderen Grundlagenwissen, Quellenkenntnis zentraler Texte, Umgang mit typischen historischen Arbeitsweisen, selbstständiger und kritischer Umgang mit Primärquellen und Forschungsmeinungen.

    Wer Professor Rainer Leng kurz vor Kursbeginn persönlich erleben möchte: Am 27. April hält er im Rudolf-Alexander-Schröder-Haus in Würzburg einen Vortrag über „Konfessionalisierung und Rekatholisierung am Beispiel Würzburg“. Die Veranstaltung wird mit der Domschule Würzburg durchgeführt. Beginn: 19 Uhr (Kostenbeitrag 6 Euro).

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