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    WÜRZBURG

    Puntigam und Egersdörfer: Schwerenöter im verbalen Nahkampf

    „Die groben Jahre sind vorbei!“ verkünden die beiden Schwerenöter, doch was im über die Bühne geht, ist oft saugrob, nicht selten saukomisch und manchmal saublöd.

    Der smarte Österreicher und der prollige Mittelfranke: Puntigam und Egersdörfer beim Publikumskontakt im Bockshorn. Foto: Johannes Kiefer

    Wenn Matthias Egersdörfer und Martin Puntigam etwas versprechen – glaubt ihnen nicht! „Die groben Jahre sind vorbei!“ verkünden die beiden Schwerenöter zu Beginn ihres Programms „Erlösung“, doch was im gut besuchten Bockshorn über die Bühne geht, ist oft saugrob, nicht selten saukomisch und manchmal saublöd.

    Zunächst besetzt Egersdörfer die Rolle des prolligen Zwiebeltreters aus dem Knoblauchsland und watscht in breitem Mittelfränkisch die „Bratpfannengesichter“ im Saal ab. Eine Schmeichelei im Vergleich zu den Unverschämtheiten, die noch kommen. Der donnernde Spaß macht Laune.

    Nicht jugendfreier Sketch mit spätpubertärem Titel

    Puntigam dagegen schiebt sich wohlgedresst ins Bild. Mit österreichischer Eleganz lässt er den „fürs Anschleimen charakterlich anfälligen“ Kompagnon auflaufen. Auch für seinen Wiener Schmäh gilt: Bloß nichts ernstnehmen, und die Worte auf die Goldwaage legen! Sonst gibt?s rote Ohren und gschamige Mienen beim nicht jugendfreien Sketch mit dem spätpubertären Titel „Kommt ein Mann zum Fick-Berater“.

    Egersdörfer im Angler-Outfit sucht Kontakthilfe und legt in unappetitlicher Breite seine Schuppenprobleme, Mund- und Intimhygiene mit der Wurzelbürste dar. Als beflissener Schwätzer federt Puntigam die Ausrutscher des jähzornigen Grandlers ab und gewinnt im verbalen Nahkampf kurzfristig die Oberhand.

    Geschichten, die so doof sind, dass man schmunzeln muss

    Der hitzköpfige Vollbart Egersdörfer entpuppt sich als Verfasser wirrer Geschichten, deren Inhalt so unsäglich doof ist, dass man zumindest ein Schmunzeln nicht unterdrücken kann. Schließlich landen die beiden Komödianten nach häufigen Bekundungen gegenseitiger Wertschätzung („Vollidiot“, „Blöde Sau“) bei einem Disput über Religion. Protestant Egersdörfer beschimpft den „Scheiß-Katholiken“ Puntigam mit seiner „Menschenfresser-Religion“. Der kontert: „Evangelisch muss eine Krankheit sein.“

    Bei einem realen Austern-Imbiss kommt man sich bei zwei Flaschen Crémant näher in der Gewissheit, dass den Reichsten 500 der Welt zur Finanzierung einer obskuren Revolution „die Rübe ab, komplett“ gehört, am effizientesten mit Kalaschnikow-Sperrfeuer, am menschlichsten mit Genickschuss. Aber: „Es will halt immer keiner machen!“

    Die beiden 38-Jährigen beweisen sich als treffliche Schauspieler mit einem Programm, das mit seiner teilweise grenzwertigen Diktion und explosiven Härte für momentane Verblüffung, ungläubiges Staunen und reichlich Heiterkeit sorgt. Engagierter Schlussapplaus.

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