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    RÖTTINGEN

    "Sunset Boulevard": Fesselndes Porträt eines vergessenen Stars

    Das Musical „Sunset Boulevard“ hatte bei den Frankenfestspielen Premiere. Daniela Ziegler gibt dem alternden Star Norma Desmond Profil und reißt das Publikum mit.

    Daniela Ziegler als Norma Desmond. Foto: Gerhard Meissner

    Sie zeigt das faszinierende Gesicht der alternden Stummfilmdiva: Daniela Ziegler bringt mit riesigen Augen, einem ausdrucksvollen Mund und ausufernden Gesten glamouröse Exzentrik auf die Bühne der Burg Brattenstein in Röttingen. Dort steht seit Donnerstag das Musical „Sunset Boulevard“ mit der Musik von Andrew Lloyd Webber auf dem Spielplan der Frankenfestspiele.

    Ziegler – nicht nur aus dem Fernsehen bekannt (u. a. „Tatort“) – spielt die Norma Desmond, eine von Billy Wilder für seinen Film „Boulevard der Dämmerung“ 1950 erschaffene tragische Figur, und zeichnet das fesselnde Porträt eines vergessenen Stars, der sich in längst vergangenem Ruhm sonnt, während sich die Welt um ihn herum bereits unwiederbringlich verändert hat.

    Sascha Oliver Bauer und Thomas Smolej haben das Musical für die Frankenfestspiele mit Schwung auf die Bühne gebracht. Die Kulisse erinnert an einen Filmstreifen – heute ebenfalls schon fast ein Ding aus der Vergangenheit. Eine Leinwand bringt einen Hauch altes Hollywood ins heutige Franken. Die Technik drängt sich erfreulicherweise nicht in den Vordergrund, sondern überlässt diesen den Darstellern.

    Aris Sas spielt den abgebrannten Drehbuchautor Joe Gillis, der immer tiefer in Abhängigkeit von der wohlhabenden und herrischen Diva gerät, mit Bravour.

    Bezaubernd, schauspielerisch und stimmlich glänzend, ist die junge Abla Alaoui, die als unprätentiöse Betty Schaefer der Gegenpol zur wahnhaften Norma ist. Auch Martin Bergers berührende Darstellung des bis zur Selbstaufgabe loyalen Max von Mayerling geht unter die Haut.

    Getragen wird die Geschichte von Andrew Lloyd Webbers eingängigen, einprägsamen Musicalmelodien, gespielt von einer Combo: Walter Lochmann und Werner Goldbach (Keyboards), Haiko Heinz, Chris Reiss und Aggi Berger (Gitarre, Bass, Schlagzeug), Christine Lochmann (Flöte, Klarinette, Saxofon).

    Intensive Szenen im Haus der Diva wechseln sich mit bunten, turbulenten Sequenzen „unter echten Menschen“, wie Joe Gillis es ausdrückt, ab. Dafür wirbelt dann auch ein siebenköpfiges Gesangs- und Tanzensemble über die Bühne, Hollywoods bodenständiges Fußvolk, Freunde von Artie Green (Thomas Smolej) und Mitarbeiter von Star-Regisseur Cecil B. De Mille (Klaus Herdel): Kilian Berger, Sarah Est, Laura-Luisa Hat, Ruth Hausensteiner, Frank Lomann, Johannes Nepomuk und Teresa Ziegler.

    Mit trockenem Humor

    Das Skript ist voll von trockenem Humor, der auch der Figur der Norma Desmond einen besonderen Charme gibt. „Ich bin groß!“ antwortet sie auf Joes Bemerkung, sie sei einmal groß gewesen – „es sind die Filme, die kleiner geworden sind“. Daniela Ziegler nimmt man das ab. Die Figur der Norma scheint ihr in Fleisch und Blut übergegangen zu sein, fast zwei Jahrzehnte nachdem sie die Rolle erstmals in der deutschen Originalproduktion unter der Regie von Trevor Nunn spielte.

    Für die Frankenfestspiele bedeutet diese Inszenierung einmal mehr großes Theater. Das Publikum reagiert mit stehenden Ovationen.

    Auf dem Spielplan bis 15. August. Vorverkauf: Tel. (0 93 38) 9728-55

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