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    WÜRZBURG

    Von heimlichen Lastern und nervenschwachen Gästen

    Im Theater in der Bibrastraße der Hochschule für Musik in Würzburg gibt es „Oper³“, also drei Mal Oper an einem Abend. Warum sich ein Besuch der Kurzopern lohnt.

    Die Kurzoper „Angélique“ mit Bettina Maria Bauer als Angélique und Elias Wolf als Charlot. Foto: Andreas Herold

    In seinem Wohnzimmer riecht es nach Tabak. Da die Ehefrau vermeintlich nicht raucht, ist die eifersüchtige Folgerung des Ehemannes: Die Duftspur muss von einem Nebenbuhler stammen. Nachdem sich herausgestellt hat, dass die Frau aus Langeweile raucht, schließt sich aus Liebe der Mann diesem Laster an. Die Welt ist wieder in Ordnung. Um nicht viel mehr geht es in Ermanno Wolf-Ferraris Kurzoper (Intermezzo) „Susannens Geheimnis“.

    Abwechselnd und witzig inszeniert

    Sie war – ebenso die beiden anderen Einakter – bei „Oper³“ im Theater in der Bibrastraße (Hochschule für Musik) von Holger Klembt ideenreich, abwechselnd und witzig inszeniert: In einem Raum mit vielen Türen und einem zum Sitzmöbel verbogenen Fragezeichen kann der Ehemann Jinho Seo Gefühlsausbrüche, Streit und schwülstige Liebesschwüre (der Text ist etwas altmodisch und überfrachtet) darstellerisch und stimmlich überzeugend gestalten. Anna-Lena Müller gibt eine etwas blasierte Gräfin Susanna, die zwischen heiterem Umhertanzen und Angst vor Entdeckung ihre kraftvolle, in der Höhe etwas scharfe Stimme zeigen darf. Die abwechslungsreiche Musik, die unterschiedlichen Emotionen spielte das Orchester unter Leitung von Ulrich Pakusch schön aus.

    Absurd und komisch

    Eine absurd komische Geschichte ist „Die Nacht eines Neurasthenikers“ von Nino Rota. Der nervenschwache Mann hat auch die Nachbarzimmer im Hotel, symbolisiert durch drei Betten, gemietet, um im mittleren seine Ruhe zu haben. Doch der geschäftstüchtige Portier (Jakob Mack) hat die Zimmer doppelt vermietet. Es kommt, wie es kommen muss: links ein lärmender Kommandeur (Keesu Kim) und rechts ein Liebespärchen (Hongyü Xing und Stefan Schneider).

    Lukas Eder spielt die Wut-Attacken des schäfchenzählenden, wütenden Gastes, der am Ende die Nachbarzimmer mit Waffengewalt räumen lässt, schön und präzise. Und wenn donnernde Musik seinen Schlaf stört, singt er auch so. Die Klänge von Rota sind recht interessant, bemerkenswert der kinoreife Musikteppich, den er dem Liebespaar unterlegt.

    Verrückt ist die dritte Geschichte, „Angélique“ eine Farce von Jacques Ibert. Eine echte Xanthippe (Bettina Maria Bauer), die ihren Mann Bonifaz (Lukas Eder) verprügelt, soll auf Anraten des Nachbarn Charlot (Elias Wolf) verkauft werden. Ein Schild „Frau zu verkaufen“ wird aufgestellt, von zwei Klatschbasen (Melanie Dreher und Lena Elisabeth Vogler) boshaft kommentiert, und schon kommt ein Italiener (Heesu Kim), der sich, in Rossini-Manier singend, von den Sirenengesängen Angéliques betören lässt und sie kauft.

    Selbst der Teufel gibt auf

    Das Glück währt nicht lange, und, mit Gipsbein humpelnd, bringt er sie wieder zurück. Ähnlich ergeht es dem blasierten Engländer (Stefan Schneider) und dem mit tiefer Sprechstimme ausgestatteten Exoten, dem König von Irgendwas.

    Schließlich wünscht sich Bonifaz seine Frau zum Teufel (Alexander Geiger), der sie auch holt. Aber sie schafft auch ihn. Bonifaz will sich daraufhin erhängen, lässt sich aber von der Versicherung seiner Frau, dass sie künftig brav sein werde, davon abbringen.

    Fazit: Wer im Theater so richtig entspannen und sich köstlich amüsieren will, schaue sich diese Produktion an. Er wird ebenso heftig applaudieren wie das Premierenpublikum im fast vollen Saal in der Bibrastraße.

    Weitere Aufführungen am 12., 13., 15. und 16. Februar, jeweils 19.30 Uhr.

    Von unserem Mitarbeiter Armin Rausche

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