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    SCHWEINFURT

    Was Christian Kohlund zum Weinen schön fand

    Fernsehserien wie „Traumhotel“ und „Bergdoktor“ prägen sein Image. Im Schweinfurter Theater zeigt sich der Schauspieler Christian Kohlund von einer ganz anderen Seite. Ein Interview.

    Dem Publikum wurde er in der Serie „Schwarzwaldklinik“ als Professor Vollmers bekannt. Zehn Jahre sorgte er als Hoteldirektor Markus Winter in der Serie „Traumhotel“ in mit Witz und Charme für Ordnung, bevor die Erfolgsserie vor drei Jahren ein Ende fand. Seitdem hat der Schauspieler Christian Kohlund sein Leben umgekrempelt, ist in den Bayerischen Wald gezogen, hat in der Fernsehserie „Der Bergdoktor“ eine neue Rolle und ist am 8. und 15. Februar in „Zürich-Krimis“ der ARD zu sehen. Am 7. und 8. Februar gastiert Kohlund in dem Thriller „Die Netzwelt“ im Schweinfurter Theater – in einer nicht eben alltäglichen Rolle, wie der 67-jährige gebürtige Baseler im Gespräch verrät.

    Frage: Augen auf bei der Berufswahl: Vater, Mutter und Schwester waren Schauspieler. Bleibt da keine andere Wahl als die Bühne – es soll auch andere Wege geben, um Mediziner oder Hoteldirektor zu werden.

    Christian Kohlund (lacht): Die Möglichkeit soll es geben, wollte ich aber nicht. Als kleiner Bub war das für mich schon glasklar. Ich bin dann am Reinhardt-Seminar, der berühmten Schauspielschule, in Wien gelandet. Und dann ging die Karriere wie von selbst los.

    Das heißt im Klartext: Ein anderer Berufswunsch stand für Sie von Anfang an nie zur Debatte?

    Kohlund: Im Lauf der vielen Jahre steht man dann vielleicht ab und zu vor dem Auftritt da und fragt sich, warum hab' ich nichts Anständiges gelernt? (lacht). Aber ich glaube die Frage dürften Sie sich auch schon gestellt haben. Oder Sie sind die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt . . .

    Was Sie treffend schon nach fünf Minuten erkannt haben.

    Kohlund: Jetzt verteidigen Sie sich doch einmal richtig!

    . . . das mache ich schon noch. Aber erzählen Sie uns doch lieber, wie ihr Studium in Cambridge gelaufen ist, als Sie schon auf den großen deutschsprachigen Bühnen auftraten?

    Kohlund: Um das mal gerade zu rücken: Ich weiß ja nicht, wer das verbreitet hat, es ist auf jeden Fall zum Kotzen. Ich bin in Cambridge zur Schule gegangen, ganz einfach, um die Sprache und die englische Literatur kennenzulernen. Nur bin ich nie mit einem Doktor- oder Professorentitel nach Hause gekommen. Und jetzt sind Sie wahrscheinlich enttäuscht und wollen nicht mehr mit mir reden?

    Doch, den Doktor hätte ich Ihnen schon zu getraut. Ich habe da aber alternativ noch ein paar Fragen. Auf jeden Fall standen Sie schon zusammen mit Heinz Rühmann vor der Kamera.

    Kohlund: Um Gottes Willen, was haben Sie denn da alles ausgegraben . . .

    Welche Eindrücke haben Sie denn noch von der damaligen Zusammenarbeit. Immerhin ging Rühmann ja auch der Ruf als akribischer Arbeiter vor der Kamera voraus?

    Kohlund: Das Tolle war, dass ich als junger Mann mit diesem großartigen Schauspieler in Hongkong drehen durfte. Rühmann war damals mit seiner Frau vor Ort und hatte mich zum Essen eingeladen. Er hat mir da dann einen kleine Jade-Buddha als Glücksbringer geschenkt, den ich heute noch habe. Er hat seine Schauspielarbeit unglaublich ernst genommen, mir hat diese Zusammenarbeit aber auch unglaublich viel bedeutet.

    Wenn Sie heute wieder auf der Bühne stehen und zurückblicken – haben sich das Theater und sein Publikum verändert?

    Kohlund: Es wird immer schwieriger, junge Leute in das Theater zu bringen. Die Medien haben sich geändert. Wir leben in einer Zeit, in der viele nicht mehr wissen, was Theater überhaupt ist. Die Zeiten haben sich verändert.

    Dem Fernsehpublikum wurden Sie zehn Jahre lang als immer charmanter Hoteldirektor Markus Winter in der Fernsehserie „Traumhotel“ zum Begriff. Was bleibt davon hängen?

    Für mich war die Serie „Traumhotel“ eine schöne Aufgabe, ein toller Job und eine persönliche Bereicherung. In diesen 20 Filmen habe ich so viel von der Welt sehen dürfen, das hat meinen Horizont so erweitert und da waren auch diese unglaublich schönen Erlebnisse. Ich hatte einige unglaubliche Knaller dabei.

    Beispielsweise?

    Kohlund: Es ist fast zum Weinen schön, während des Drehs ein paar Stunden mit dem Wasserflugzeug über die Malediven fliegen zu können und dieses Panorama von oben zu sehen. Das ist von so einer unfassbaren Schönheit. Diese Eindrücke sind tief in mir geblieben und waren für mich eine großartige Bereicherung. Diese Zeit war ein Geschenk und kam beim Publikum auch extrem gut an. Für mich war es immer eine Freude zu sehen, wenn das Publikum durch alle Schichten mitgeträumt hat. Die Serie hat den Menschen die Möglichkeit gegeben, wunderbar abzuschalten. Und das ist absolut legitim.

    Wer so viel um die Welt jettet, ansonsten zurückgezogen im Bayerischen Wald lebt, hat sicher auch Verbindungen zu Franken.

    Kohlund: Komischerweise ist das einer der Flecken in Deutschland, wo es mich leider noch nicht so oft hin verschlagen hat – und ich war schon überall unterwegs. Das kann aber natürlich noch kommen, dass sich meine Frankenliebe entwickelt. Zumindest bin ich schon ein großer Fan fränkischer Bratwürste mit Kraut. Ich liebe diese deftige Küche und nicht diese Art „Haute Cuisine“, das langweilt mich zu Tode. Lieber eine schöne Bratwurst, das schmeckt doch und nicht diese Schickimicki-Fresserei.

    Sie gelten mit Ihren Rollen als charmanter Frauenversteher. Nun gastieren Sie mit dem Thriller „Die Netzwelt“ in Schweinfurt, wo sie einen Pädophilen spielen. Kratzt das nicht etwas an Ihrem Image?

    Kohlund: Na, das wär' mir ja wurscht. Ich bin Schauspieler, immer schon gewesen und es geht ja nicht um mich. Es ist natürlich der Aufhänger des Stücks. Dieser Mann ist krank. Dieser Mann ist ein Typ, der in der realen Welt niemanden zu Schaden kommen lässt. Durch seine Krankheit und seine Verzweiflung schafft er sich am Computer eine Welt, wo er so sein kann, wie er eigentlich ist. Das Ganze ist auch ein richtiger Krimi.

    Wie sind denn die Reaktionen beim Publikum? So ein Thema ist ja doch schon eine Herausforderung.

    Kohlund: Es kann sein, dass es für die ältere Generation von Theatergängern eine besondere Herausforderung ist. Nur, ich bin als Schauspieler ein Teil dieses Stückes und ich habe da eine Aufgabe zu erfüllen und die Thematik zu erzählen. Das kann ich dann aber auch niemanden ersparen, der mich lieber im weißen Arztkittel oder im Leinenanzug über den Strand schlendern sieht. Trotzdem folgt das Publikum dem Geschehen ungemein gebannt, was mich nun auch wieder freut. Ich habe in Hamburg erlebt, dass es wenige Stücke gibt, über die nach der Vorstellung so diskutiert wird.

    Und wie folgt die junge Internet-Generation, um die sich in dem Stück ja vieles dreht, dieser Inszenierung?

    Kohlund: Wir haben festgestellt, dass gerade junge Menschen oder Schulklassen das Bühnengeschehen unglaublich fasziniert aufgenommen haben. Die konnten sich nicht vorstellen, dass es so was auf der Bühne gibt, dass man über solche Themen spricht. Die wissen sehr genau den Unterschied zwischen realen und virtuellen Welten und gehen dementsprechend mit.

    Die alles entscheidende Frage zum Schluss: Was ist Ihnen denn nun zu den fränkischen Bratwürsten lieber – ein schöner Schoppen oder ein Seidla Bier?

    Kohlund: Klassisch würde ich sagen, dazu gehört ein schön gezapftes frisches Bierchen aus Eurer Region. Da ich allerdings seit 16 Jahren keinen Alkohol mehr zu mir nehme, lasse ich mich gerne zu einem alkoholfreien Bier überreden.

    Aufführungen von „Die Netzwelt“ sind am 7. und 8. Februar, jeweils um 19.30 Uhr im Theater der Stadt Schweinfurt. Karten im Vorverkauf unter Tel. (0 97 21) 51 49 55.

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