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    WÜRZBURG

    Was eine Opernaufführung mit Fußball zu tun hat

    Mainfranken Theater: Der Sänger Daniel Fiolka ist mit dem Theaterpreis ausgezeicznet worden. Ein Gepräch über seinen Beruf und Bayern als Gelobtes Land der Kultur.

    Daniel Fiolka als Guglielmo in „Cosi fan tutte“. Foto: Thomas Obermeier

    Sein größter Ansporn ist es, „Menschen zu bewegen“. Für sein Talent im komischen wie im ernsten Opernfach hat der Bariton Daniel Fiolka, seit über fünf Jahren fest am Mainfranken Theater engagiert, den Theaterpreis 2017 erhalten – verliehen vom Theater- und Orchesterförderverein Würzburg (wir berichteten).

    Vor seiner Ankunft in Unterfranken war Fiolkas sängerische Heimat das renommierte Münchner Theater am Gärtnerplatz. Nachdem der heute 42-Jährige Station in diversen Opernstudios und Ensembles gemacht hatte, sang er dort bis 2011. Als der Intendant in München jedoch wechselte, das Gebäude umfassend saniert werden musste und die Verträge aller 40 Solisten ausliefen, kam Fiolka nach Würzburg, wo er schon bald festes Ensemblemitglied am Mainfranken Theater wurde.

    Wie die meisten Theaterpreisträger vor ihm betont Fiolka die Mannschaftsleistung, die – „wie beim Fußball“ – hinter diesem Preis steht: „Wenn ich alleine auf der Bühne stehe, passiert erst mal wenig. Da sind die Orchestermusiker, die Leute fürs Licht, und auch die Kulissen müssen verschoben werden.

    “ So nimmt er potenziellen Neidern den Wind aus den Segeln. Fiolka weiß aber auch um die Gefahr, die ein großer öffentlicher Erfolg birgt, nämlich danach „in ein plötzliches Loch zu fallen“.

    Dem beugt er mit Vorfreude auf anstehende Produktionen vor, etwa auf John Adams? Minimal-Oper „Nixon in China“, die im Mai Premiere feiert. Auch kommt er langsam in die angenehme Situation, bereits Gelerntes wiederholen und erneut aufführen zu dürfen, Mozarts „Cosi fan tutte“ zum Beispiel oder Rossinis „Barbier von Sevilla“. „Das genieße ich sehr. Ich verstehe die Musik anders und tiefer, entdecke immer neue Details.“

    Eine große Leidenschaft hegt Fiolka für den Liedgesang, diese intime Form des musikalischen Ausdrucks, für die es – so der Bariton – „leider kein Publikum mehr gibt“. Die originelle Würzburger Musikreihe „Lieder in den Häusern der Stadt“ etwa, für die Bürger der Stadt ihre Privatwohnungen für musikalische Veranstaltungen öffneten, wurde wegen mangelnder Nachfrage eingestellt.

    Zusammen mit Kollegen gestaltet Fiolka trotzdem immer wieder Liedkonzerte, so im April bei der Deutschen Schubertgesellschaft Duisburg.

    Was er sich für die Zukunft erhofft? Auch in späteren Jahren noch in seinem Sängerberuf arbeiten zu können. Und dass selbst unter Sparzwängen „nicht nur auf die jungen, billigen Sänger“ gesetzt wird. Für alle Fälle hat Daniel Fiolka – mit Seitenblick auf seine singende Frau, die gerade zur Logopädin umschult – einen „Plan B“ für sich entwickelt. Als Gesangslehrer an der Julius-Maximilian-Universität Würzburg und an der Hochschule für Musik Hannover hat er sich ein zweites Standbein geschaffen und hofft, „eines Tages Professor sein zu dürfen“.

    Grundsätzlich ist Fiolka kulturoptimistisch: „Viele junge Leute genießen es wieder, in gepflegter Abendgarderobe auszugehen. Unser Publikum ist nicht mehr nur alt.“ Anders als in 1990er Jahren sei Theater heute wieder schick. Als Ursache für diese Renaissance sieht er etwa die großen, fast opernhaft angelegten Kino-Epen, die jungen Menschen gezeigt hätten, dass man sich schon mal drei Stunden lang konzentrieren kann.

    Fiolka ist dankbar für die Würzburger Theaterleitung, „die beständig in die Stadt hineinwirken möchte“. Und als gebürtiger Westfale weiß er: „Bayern ist in Sachen Kultur das gelobte Land. In anderen Bundesländern gibt es im Kulturbereich echte Existenznöte. Da wird um jeden Cent gekämpft.“

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