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    WÜRZBURG

    Wenn Selma vom Okapi träumt

    Ja: Was passiert eigentlich, wenn Selma vom Okapi träumt? Autorin Mariana Leky het in der Stadtbücherei amüsante Antworten parat - die in die Seele der Provinz führen.

    Mariana Leky Foto: Franziska hauser

    „Was man von hier aus sehen kann“ lautet der Titel von Mariana Lekys neuem Roman, den die Autorin im voll besetzten Lesecafé der Würzburger Stadtbücherei vorstellt. Mit hörbarem Vergnügen folgen über 100 Zuhörer den originellen Sichtweisen auf die ebenso illustre wie skurril zusammengewürfelte Gemeinschaft eines Dorfs im Westerwald.

    Die Autorin wählt drei Kapitel aus ihrem Werk und sorgt mit der heiter-satirischen Betrachtung nachbarlicher Zu- und Abneigungen für vergnügte Stimmung, zahlreiche laute Lacher inklusive. Handlung und Figuren in den kurzweiligen Texten zeugen von sprühender Fantasie. Leky hat sich losgelöst von den Zwängen der Realität und bezaubert mit ihrem verhaltenen Humor.

    Wenn Selma, die Großmutter der Erzählerin Luise, vom Okapi träumt, grassiert im Dorf Todesangst. Denn innerhalb der nächsten 24 Stunden wird jemand sterben. Die Nachricht vom Traum rast durch die Häuser und macht aus den Bewohnern Marionetten des Aberglaubens. Leky zeichnet köstliche Bilder der von irrealer Phobie gebeutelten Menschen.

    Drei buddhistische Mönche

    Dazwischen begegnet man auch aufgeklärten Typen wie dem Optiker, der Selma seit Jahrzehnten liebt, aber sich ihr nicht zu erklären wagt. Oder Luises Vater, dem seine Psychoanalyse zum Lebensinhalt wird. Oder Martin, Luises Freund, der alles Bewegliche in die Luft stemmt, weil er Gewichtheber werden will. Man stolpert über den hochprozentigen, gewalttätigen Palm, bekommt Marlies' Übellaune zu spüren und begegnet zwölf Jahre später drei buddhistischen Mönchen, die bei der Suche nach einem schneematschfarbenen Hund „aus dem Unterholz brechen“.

    Einer heißt Frederick und Leky schildert einfühlsam die in Luise aufkommende Liebe zu dem Kuttenträger in kurzatmigen Dialogen, weil der Westerwäldler „das Sprechen gern schnell hinter sich bringt.“ Mit dem Telefonat ins fernöstliche Kloster, wohin der blauäugige Angebetete abgereist ist, endet die Lesung – aber nicht die Spannung zu erfahren, wohin die diversen Handlungsstränge den Leser führen.

    Was man von hier aus raten kann: Lekys Appetithappen genüsslich nachschmecken, wenn man das Westerwald-Traum-Menü in Gänze verkostet.

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