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    WÜRZBURG

    Wenn es Moselwein sein muss

    Großer Applaus für ein wunderbares Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Würzburg. Dirigentin Marie Jacquot setzte durchaus eigene Akzente.

    Marie Jacquot Foto: DAniel Peter

    „Man kann nicht immer schweren Bordeaux trinken – so ein klarer Mosel ist doch auch sehr schön“. Diese Charakterisierung seiner Mozart-Variationen in einem Brief Max Regers kann man auch dem Programmheft zum 3. Sinfoniekonzert mit dem Philharmonischen Orchester Würzburg entnehmen. Zwar ist dieses Reger-Werk, wenn man es mit seinen sonstigen Arbeiten vergleicht, etwas sparsamer im Orchesteraufwand und in den harmonischen Irrwegen, die sich immer wieder auf wundersame Weise auflösen. Aber es muss schon ein kräftiger Mosel sein, aus dem doch immer wieder der durchsichtige, helle Mozart leuchtet.

    Dirigentin Marie Jacquot weiß um die Heimlichkeiten, aber eben auch um die geballte harmonische Kraft dieser Musik. Sie feuert die Musiker zu mächtiger Klangentfaltung an, nimmt sie in den elegischen Passagen wieder weit zurück. Das unterstreicht sie auch dadurch, dass sie im Reger'schen Klangrausch den Taktstock verwendet, wenn es um Feinzeichnung geht, aber nur mit den Händen arbeitet. Ein schönes Beispiel für ihr sorgfältiges, durchdachtes Dirigat ist die neunte Variation, die sie liebevoll ausbreitete. Wie schön malt sie die Rückungen der Übergänge, die an die Grenze zur Auflösung der traditionellen Harmonik führen.

    Sturm im Orchester

    Eingeleitet wurde dieser bemerkenswerte Abend mit der Ouvertüre zu Wolfgang Amadeus Mozarts „Le nozze di Figaro“, Jacquot ließ hier die volle Orchesterbesetzung in einem recht flotten Tempo. Als wollte sie zeigen, wie viel Reger bereits in Mozart steckt.

    Ähnliches ließe sich vermuten, spürt man ihrer Interpretation von Felix Mendelssohns a-Moll-Sinfonie, der „Schottischen“, nach. Das stimmt hier aber nicht ganz. Natürlich lässt sie im ersten Satz gegen Ende den Sturm durchs Orchester fegen, und auch den triumphalen Siegesgesang am Schluss macht sie zu einem hinreißenden Orchester-Erlebnis. Aber sie kennt auch die Fülle von Mendelssohns Musik mit sprühenden und lebensfrohen Passagen, mit leidenschaftlichem Aufbäumen, schlichter Liedhaftigkeit und heroisch-dramatischen Episoden. Sie lässt sich vor allem auch nicht zu Sentimentalität verleiten, im Gegenteil: Kernig, kraftvolle Akzente setzt sie mit ungestümer Musizierlust.

    Diese Musizierlust sieht man auch den Philharmonikern an mit prachtvollem Blech (Hörner!), makellosen Holzbläsern und homogen aufspielenden Streichern.

    Der lange, von „Bravo“-Rufen durchsetzte Beifall im fast ausverkauften Großen Saal der Würzburger Hochschule für Musik zeigt, dass das Publikum von solcher Musik noch gerne mehr gehört hätte.

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