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    WÜRZBURG

    Woody Allen und der Rummelplatz des Lebens

    Woody Allen kehrt an den Strand von Coney Island zurück, wo sich - im 50er-Jahre-Design - Traum und Wirklichkeit kreuzen. Das führt auch zu emotionalen Wirrnissen.

    Juno Temple als Carolina vor dem Riesenrad, das Woody Allens Film „Wonder Wheel“ den Titel gab. Foto: Warner Bros., dpa

    Wonder Wheel:

    Am legendären Strand von Coney Island am südlichsten Ende von Brooklyn, wo sich früher die Vergnügungsparks aneinanderreihten und ein beträchtlicher Teil der New Yorker Heiratsanträge gestellt wurde, siedelt Woody Allen seinen neuen Film „Wonder Wheel“ an. Schon vor 40 Jahren besuchte Allen in „Der Stadtneurotiker“ Coney Island. Damals nutzte er die Achterbahn als metaphorischen Bildhintergrund. Hauptfigur Alvy Singer hatte die Kindheit in dieser Schaustellerwelt verbracht, woraus sich seine Schwierigkeiten bei der Trennung von Fantasie und Realität ableiteten.

    Auch in „Wonder Wheel“ gibt es einen Erzähler, der die Ereignisse immer wieder kommentiert und das Publikum mit direktem Blick in die Kamera adressiert. Justin Timberlake spielt den Bademeister Mickey, der von seinem Hochsitz am Strand den Überblick bewahrt, bis er sich selbst ins Geschehen einbezieht. Neben seinem Baywatch-Job studiert Mickey Literatur und strebt ein Dasein als Theater-Autor an. Er schaut auf die Wirklichkeit mit dem Blick des Dramatikers, der sich selbst die Rolle des romantischen Helden zugedacht hat.

    Melancholische Pracht

    Eines regnerischen Tages stolziert Ginny (Kate Winslet) in ihrer ganzen melancholischen Pracht über Mickeys Strandabschnitt. Der ist gleich mit einem riesigen Schirm und Warnungen vor herannahenden Gewittern zur Stelle. Ginny ist von solch ungewohnter Galanterie beeindruckt.

    Das Leben hat es bisher nicht sehr gut mit ihr gemeint. Die erste Ehe mit einem Jazz-Drummer hat sie genauso wie ihre beginnende Schauspielkarriere in den Sand gesetzt. Mit ihrem schwierigen Sohn flüchtete sie sich in einem glücklose Ehe mit dem Karussellbesitzer Humpty (Jim Belushi) und arbeitet nun als Kellnerin in einer Strandbar.

    Die Affäre mit dem deutlich jüngeren, kultivierten Bademeister lässt sie von einem anderen, besseren Leben träumen, während für Mickey die Sommerliebelei eher ein dramatisches Forschungsprojekt darstellt. Als Ginnys Stieftochter Carolina (Juno Temple) das Interesse des Strandwärters weckt, beginnen die emotionalen Wirrnisse shakespeare'sche Ausmaße anzunehmen.

    Romantische Vorstellungen vermischen sich mit der Eigendynamik auf dem Rummelplatz des Lebens und bieten dem Ensemble vielfache Entfaltungsmöglichkeiten. Vor allem überzeugt Kate Winslet als Frau in den besten Jahren, die mehr vom Leben will. Wunderbar wie sie tiefe Sehnsucht und Verzweiflung am Rand zum Wahnsinn ausbalanciert und die Figur aus Allens ironisiertem Erzählstrom herauslöst.

    Auch Belushi liefert als grober, proletarischer Ehemann und weichherziger Vater eine kraftvoll differenzierte Performance. Die Stärken dieses sehenswerten, wenn auch nicht brillanten Woody-Allen-Films – die dramatisch-komische Abmischung hätte schon einer gründlicheren Überarbeitung bedurft – liegen nicht nur wie üblich in den Dialogen, sondern auch in der farbenprächtigen Bildgestaltung und dem stilvollen 50er-Jahre-Design.

    „Endstation Sehnsucht“

    Die Gesichter werden immer wieder in expressive Rot- und Blautöne getaucht, die vom Vergnügungspark ausstrahlen. Zeitkolorit, Dialogdynamik und Bildgestaltung lassen „Wonder Wheel“ als Hommage an klassische Tennesse-Williams-Verfilmung wie „Endstation Sehnsucht“ erscheinen:

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    Central Würzburg, Cineworld im Mainfrankenpark (FSK ohne Angabe)

    Von unserem Mitarbeiter Martin Schwickert

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