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    KARLSTADT

    Celina: Viele Jugendliche nutzen Handy für herrliche Sachen

    Das Handy sollte man nicht verteufeln. Das findet die grüne Landtagsabgeordnete Kerstin Celina (Kürnach). Sie hat einen Brief an Gisela Rauch gepostet.

    Liebe Frau Rauch,

    es gibt derzeit so viele wichtige aktuelle Themen, über die ich gerne auf Facebook etwas posten möchte, aber als ich Ihren Samstagsbrief heute gelesen habe in der Main–Post, war mir klar, dass ich zu allererst zu diesem Thema etwas schreiben werde und Ihnen in einem offenen Facebook-Brief antworten möchte, einen Brief, den vielleicht manche Schüler, die Sie für "handyfixiert" halten, eben auf ihrem Handy lesen.

    Eines vorweg festzustellen, ist mir wichtig: Ich kenne Frau Merwald seit vielen Jahren und schätze sie sehr. Zufällig habe ich ihr auch ganz kurz vor dem Beginn der Diskussion einen Besuch an ihrer neuen Wirkungsstätte in Karlstadt abgestattet, um ihr persönlich und herzlich zu gratulieren zu ihrem neuen Aufgabenfeld, und um ihre Meinung zu Themen wie der Ausgestaltung des zukünftigen neunjährigen Gymnasiums, zu naturwissenschaftlichem Unterricht und Schulbibliotheken zu hören.

    Der Brief sollte an Minister Spaenle gehen

    Sie, Frau Rauch, haben Ihren offenen Samstagsbrief nun an Frau Merwald gerichtet, in der besten Absicht, sie und ihre Entscheidung, die Regelung des Kultusministeriums umzusetzen, zu unterstützen, und zusätzliche Argumente in die Debatte einzubringen. Der offene Samstagsbrief der Main-Post ist ein wunderbares Format, aber ich halte es für unangemessen, eine Schulleiterin – die keine politischen, kirchlichen Ämter innehat, oder mit ihrem Beruf eine besondere öffentliche Funktion ausfüllt, auf Seite 2 der Mainpost zu einer Person des öffentlichen Lebens zu machen.

    Liebe Frau Rauch, diesen Brief hätten Sie ans Kultusministerium, an den zuständigen Minister schicken sollen, aber nicht an Frau Merwald, finde ich. Was soll sie denn darauf antworten? Danke dafür, dass Sie mich unterstützen, dafür, dass ich tue, was das Ministerium festgelegt hat? Es geht doch um die Regel an sich, und nicht darum, dass Frau Merwald sie umsetzt, während andere sich an völlig widersprüchlichen Aussagen des Kultusministeriums entlanghangeln, um eine eigene Regelung zu finden, weil die jetzige Regelung des Bayerischen Kultusministeriums inzwischen völlig aus der Zeit gefallen ist.

    Das Glück der „Jubelsprungfotos“

    Liebe Frau Rauch, jetzt noch kurz dazu, warum ich Ihnen auch inhaltlich widersprechen möchte: Viele Jugendliche nutzen das Handy für herrliche Sachen, für gemeinsame Spiele, witzige Fotos. Ich kenne Jugendliche, die zigmal in die Luft springen, um ein „Jubelsprungfoto“ zu machen, das ist doch Sport pur! Jugendliche, die sich in Gruppen gemeinsam kaputtlachen über missglückte Fotos. Die, statt gemeinsam zu malen, sich gegenseitig in Bildbearbeitungstechniken einweihen. Die die besten Lernerklärvideos suchen, finden und weiterverbreiten. Die ihre Erzählungen über das Wochenende mit dem Zeigen von Fotos interessant machen. Die darlegen, mit wem sie am vergangenen Wochenende alles gesprochen haben, ohne weite Wege auf sich nehmen zu müssen, und ohne demjenigen selbst zu begegnen. Das ist anders als früher, aber doch nicht schlecht, im Gegenteil, es eröffnet Teilhabe. Und dass Jugendliche gerne Fotos von sich posten, auf denen sie gut aussehen – na und? Ich erlebe eine Jugend, die generell sehr viel Wert auf korrekte äußere Erscheinung und korrekte Umgangsformen legt.

    Die Regelung des Kultusministeriums ist widersprüchlich

    Die Nutzung des Handys ist in so vieler Hinsicht Teil des normalen Lebens geworden. Und dass das Kultusministerium dies verbietet, und andererseits selbst geschaffene Ausnahmeregelungen toleriert, aber bisher zu keiner klaren Äußerung fähig ist, das ist das Problem. Deshalb: Schicken Sie Ihren Brief an Herrn Spaenle, und dann lassen Sie uns im Landtag argumentieren über Pro und Contra.

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