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    DIEBACH

    Keiner geht so schön in die Luft wie Sie, Herr Mangiapane!

    Dschungelkönig wurde Matthias Mangiapane nicht. Für Redakteur Frank Weichhan war der Hammelburger der unterhaltsamste Kandidat - trotz dessen memmenhaften Verhaltens.

    Tag 15 im Camp. Matthias Mangiapane muss das Camp verlassen und verabschiedet sich. Foto: MG RTL D / Stefan Menne

    Und dann auch noch ein Heiratsantrag. Das haut die stärkste Kakerlake um. Plötzlich war Stille im Busch. Für einen Moment kreuchte und fleuchte nichts mehr. Wo eben noch ein Wolkenbruch herniederging, brach sich ein Sonnenstrahl Bann. Ein so wunderbarer Moment. Ein Moment – der natürlich knallhart kalkuliert war. Wenn sonst schon nichts los ist in der vielleicht langweiligsten Staffel seit es das Dschungel-Camp gibt, muss eben ein Antrag her. So von Mann zu Mann. Dazu schon mal Gratulation, lieber Matthias Mangiapane.

    In einer müden C-Promi-Truppe, die es nicht so mit ehrlicher Arbeit hat, wussten Sie noch am meisten zu unterhalten. Vielleicht, weil sich Paradiesvögel im Dschungel leichter tun als die Sydney Youngbloods und Tina Yorks dieser Welt. Die Heulsuse und die Koma-Schläferin. Unfassbar. Sie, Herr Mangiapane, sind zwar auch unfassbar – aber dabei wenigstens einigermaßen unterhaltsam. Wobei ich mir als Ohrenzeuge Ihres Geplappers manchmal als Luxusartikel einen Ohrenstöpsel gewünscht hätte.

    Für eher ungeübte Zuschauer des Trash-Fernsehens dürften Sie – wie die meisten anderen Teilnehmer – aus dem Nichts gekommen sein. „Wer ist Matthias Mangiapane?“ lautete am Anfang die gängige Suchanfrage. Und weil die Antwort scheinbar unbefriedigend war, wurde Ihnen die Deppenrolle zugedacht: Die Zuschauer wollten Sie leiden sehen. Von einer Dschungelprüfung wurden Sie per Ted-Abstimmung in die nächste gestoßen. Ihre Rolle dabei: Memme. Weil die gierigen Zuschauer Dramen wollen und einer bekanntlich immer der Loser sein muss.

    Am Ende dieser Tortur kannten Sie jede Kakerlake persönlich. Das brachte immerhin etwas Bewegung ins Schlaflabor – und machte Sie zu einem heißen Final-Kandidaten. Und auch wenn am Donnerstag Schluss war – an der Dschungelkrone haben Sie zumindest gerochen. Wobei das nicht, wie oft irrtümlich angenommen, ein Preis ist. Sondern so etwas wie die Goldene Ananas. Nur ohne Gold. Und auch eher als Sauerkirsche.

    Aber egal – Hauptsache Sendezeit. Das hat keiner so gut begriffen wie Sie. Deshalb auch die Rolle als Läster-Schwester und Tratsch-Onkel in einem. Ebenso der offensiv von Ihnen gepflegte Umgang mit der Homosexualität. Wobei der Schuss vielleicht nach hinten losging. Weil nicht wenige sagen, dass Sie die Schwulenbewegung in Deutschland um Jahrzehnte zurückgeworfen hätten.

    Guckt man nicht ganz so kritisch auf die Dinge, bleibt festzustellen: Wo andere flüchteten, hielten Sie die Stellung. Im immerwährenden Kampf für ein sauberes Plumpsklo. Wo andere immerzu auf ihren langen Leitungen saßen – etwa die Entfernung von Deutschland nach Australien – hatten Sie eine kurze Zündschnur: Von einem blauhaarigen Schlumpf-Zigarettenbürscherl mal abgesehen, explodierte keiner so schön wie Sie. Gäbe es die In-die-Luft-gehen-Zigarettenwerbung noch, hätten Sie jetzt einen gut dotierten Vertrag. Wie gemalt dazu diese Augen, die Funken sprühen und bei Bedarf sogar in der Lage sind, Blitze zu senden.

    Wenn Funken-Blitze-Blicke töten könnten, wäre das Dschungelcamp nach eineinhalb Tagen durch Sie leer gewesen. Und Sonja Zietlow hätte mit Daniel Hartwich noch vor der Abmoderation der ersten Folge tot über der Brücke unter den Baumwipfeln gehangen. Und weil wir gerade beim Aussehen sind: Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Sie eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Rudolph Moshammer haben?

    Nachdem mit Ansgar Brinkmann und Natascha Ochsenknecht zwei vermeintliche Favoriten gehen mussten, schien der Weg einen Moment frei für Sie – seine Hoheit Matthias I. Es wäre ein Traum gewesen: Die erste Doppelspitze auf dem Thron. Sie als Königin und König in einem, wie sie immer wieder betonten. In Ihrer Wahlheimat Hammelburg hätten Sie fortan auf Schloss Saaleck residiert, mit Blick auf Ihre umfangreichen Ländereien im Saaletal.

    Aus und vorbei. Aber vielleicht findet auf dem Schloss – falls sich nicht der Königsstuhl auf der Insel Rügen als Austragungsort meldet – die angekündigte Hochzeit statt. Wobei, unter uns: Ich weiß nicht genau, ob es so schlau war, den Heiratsantrag im Dschungel zwischen trockenem Reis, verbrannten Bohnen und stinkendem Plumpsklo zu verbraten. Dadurch fallen mögliche weitere Sendungen wie „Schwiegersohn gesucht“, „Love Island“ und auch „Frauentausch“ schon mal weg.

    Vielleicht kann ja wenigstens die „Traumhochzeit“ mit Linda de Mol wiederbelebt werden. Na ja, irgendetwas wird sich für Sie schon ergeben. Denn eines steht so fest wie Ihre Frisur: Nach dem Dschungelcamp ist vor der nächsten Trash-Sendung. Dann allerdings ohne die Suchanfrage „Wer ist Matthias Mangiapane?“.

    Mit freundlichen Grüßen

    Frank Weichhan, Redakteur

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