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    WÜRZBURG

    Samstagsbrief: Seit 40 Jahren direkt ins Herz: Danke dafür, Bryan Adams!

    Lieber Bryan Adams, Du hast Geschmack. Weil es Dich immer wieder nach Würzburg zieht. Du weißt eben, was Du an Mainfranken hast: A nice place to be, ein Must-have-seen.

    _ Foto: Boris Roessler (dpa)

    Lieber Bryan Adams, Du hast Geschmack. Weil es Dich immer wieder nach Würzburg zieht. 1985, 1987, 1991 und zuletzt 2006 warst Du da. Also fast schon Ehrenbürger. Wahl-Unterfranke sowieso, wie weitere Konzerte in Bad Kissingen und Bad Mergentheim zeigen. Du weißt eben, was Du an Mainfranken hast: A nice place to be, ein Must-have-seen.

    Die Festung kennst Du von Deinen früheren Auftritten, ebenso die damalige Carl-Diem-Halle. Ein Konzert auf dem Würzburger Residenzplatz war noch nicht dabei. Höchste Zeit. Ein wunderschöner Ort. Dazu gleich mehr. Vorher noch ein Vorschlag: Wie wäre es, wenn Du nicht mal eben einschwebst und gleich wieder abhaust? Einfach ein paar Tage Urlaub dranhängen. Samt Zusatzkonzert, dann ist der Urlaub bezahlt und wir haben doppelten Spaß.

    Ich wollte Dir ein bisschen was über den Ort erzählen, an dem Du nächste Woche eines Deiner legendärsten Konzerte spielen wirst. Ein Konzert, an das sich noch Generationen von Mainfranken erinnern werden. Residenzplatz – ein schweres Wort für einen Kanadier. Ich habe irgendwo gelesen, dass Du auf deutsch angeblich drei Worte sagen kannst. Worte, die man als Rocker vielleicht so sagt: „Schüttel dein Arsch!“ Es schadet also nichts, wenn mit R-e-s-i-d-e-n-z-p-l-a-t-z ein viertes Wort dazukommt.

    Der R-e-s-i-d-e-n-z-p-l-a-t-z ist eigentlich ein profaner Parkplatz, auf den – wenn alle anständig parken – 400 Autos passen. Schwer vorstellbar, dass sich so ein gepflasterter Ort zu einem der besten Open-Air-Plätze Deutschlands verwandeln kann. Ist aber so.

    Das wunderschöne Gebäude auf dem R-e-s-i-d-e-n-z-p-l-a-t-z ist unsere Residenz. Ein waschechtes UNESCO-Weltkulturerbe. Erbaut wurde das barocke Goldstück von 1719 bis 1744. Innendrin war dann 1781 alles fertig. Genau diese Innenausstattung lässt Du nun nächsten Freitag wackeln. Ein geiles Gefühl, oder?

    Hast Du ja die Neuverfilmung der Musketiere gesehen? Da war die Residenz zu sehen. Was insofern passt, als Du auch so etwas wie ein Musketier bist. Ein musikalischer Haudrauf mit gradlinigem Gitarren-Rock. Ein Superstar ohne Hau, wie man das bei uns – als größtmögliches Lob – so sagt. Du bist einer, der immer für die gute Sache eintreten wird. Ohne Kerle wie Dich hätten die Trumps dieser Welt längst gewonnen.

    Dich nicht zu mögen – das geht gar nicht. Zumal Du schon immer da warst, mein Leben lang. Als ich in die Schule kam, hast Du bereits Musik gemacht. Du hast mich gut durch meine Teenagerzeit gebracht – auch dafür Danke! 40 Jahre später kannst Du auf eine beispiellose Karriere blicken, losgelöst von Trends. Dazu 100 Millionen verkaufter Tonträger. Wir sind also viele, das darf man in der heutigen Zeit nicht vergessen. Ganz nebenbei bist Du auch noch ein so guter Fotograf, dass selbst das englische Königshaus von Dir ins rechte Licht gerückt werden wollte.

    Deine Konzerte, habe ich mir sagen lassen, sind Adrenalin. Weshalb es vielleicht nicht schlecht wäre, die Residenz in Watte zu packen. Andererseits: Vor Dir waren ja schon ein paar Haudegen da, ohne dass man etwas von Rissen im Mauerwerk gehört hätte. Rod Stewart beispielsweise und Elton John sowie R.E.M. standen auf der Residenzbühne. Peter Maffay war auch da. Damals wäre es – das nur nebenbei – fast ausgeartet. Stell Dir die Besucher mit teuren Sitzplatzkarten vor, vorderes Drittel. Was passierte? Ein paar Spezialisten stellen sich direkt vor die Sitzplatzfraktion. Puh, da war einiges geboten. Schließlich forderte Peter Maffay die Spezialisten auf, vor die Bühne zu kommen – damit hatte sich das Thema Sitzplätze endgültig erledigt.

    Zu derlei Szenen kann es diesmal nicht kommen – weil es nur Stehplätze gibt. Macht auch Sinn. Wer, bitteschön, will bei „Summer of ‘69“, „Somebody“ oder „Run to you“ auf seinem Hintern sitzen? Wobei ich persönlich eher auf die ruhigeren Nummern stehe: „Have you ever really loved a woman“, „Please forgive me“ oder „Heaven“ – Zucker! Wenn einer Hymnen kann, dann Du. Bis Freitag werde ich alle noch 100 Mal hören – man will sich ja keine Blöße geben. Textsicher ist immer gut. Feuerzeuge liegen auch schon bereit. Wobei das wie von gestern wirkt. Heutzutage müssen es Handy-Lichter sein. Tut auch nicht so weh am Daumen. Aber so ist das eben: Die Zeiten ändern sich – Bryan bleibt.

    Was ich eigentlich sagen wollte, altes Haus: Wir freuen uns auf Deine Klassiker! Und auf „Get Up!“, Dein 13. Studioalbum, das der Tour auch ihren Namen gab. Würzburg ist heiß auf Dich! Weil Du ein Guter bist. Naturbelassen – das kommt bei uns Franken wie gesagt gut an. Und ohne zu sehr in Deine Konzertplanung eingreifen zu wollen: Nach neun Zugaben sollte die zehnte und letzte Zugabe „Straight from the heart“ sein.

    Unbedingt. Weil es so gut passt: Bryan Adams, der sich wieder einmal direkt in die Herzen der Würzburger singt.

    Einer bekommt Post! – Der „Samstagsbrief“

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