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    LESERANWALT

    Ein Verzicht - auch für das Medienvertrauen

    Mal nicht in den April geschickt und eine wenig sensible Überschrift

    April, April ... Das war in der Zeitung und in mainpost.de dieses Jahr aber nicht angesagt. Die Redaktion verzichtete auf Aprilscherze. Der wichtigste Grund: In Zeiten, in denen „Fakenews“ aus dunklen Quellen verbreitet werden, erscheint es für ein seriöses Medium vernünftig, nicht auch noch gezielt falsche Nachrichten anzubieten. Darauf hat eine Frau auf Twitter verwundert geantwortet, „soweit ist es schon: Fakenews zerstören Kulturgut“.
     

    Der Unterschied

    Nein, zu zerstören ist mit dem Verzicht einer einzelnen Zeitung wohl kaum etwas, also auch nicht dieser Brauch. Allerorten wurden weiterhin Leute in den April geschickt. Doch dabei ist es ein Unterschied, ob etwas innerhalb von Familie und Verein geschieht oder von einem Massenmedium verbreitet wird. Daran stellt man zurecht höhere Ansprüche. Die wurden oft erfüllt. Es gab aber auch schon Scherze, über die manche Leute garnicht lachen konnten. So ging die Redaktion auf „Nummer Sicher“ und hat derzeit lieber verzichtet. Dabei gilt freilich wie so oft: Man hätte auch anders argumentieren und anders entscheiden können.
     

    Herkunft der Aprilscherze

    Apropos Kulturgut: Auf einige Geschichten stößt, wer nachforscht, woher die Aprilscherze kommen. In Bayern seien sie schon seit 1618 sicher verbürgt, liest man dem wissenschaftlichen Portal spektrum.de. Ich zitiere die Erklärung, die darin als die gängigste bezeichnet ist: Sie geht auf eine Kalenderreform des französischen Königs Karl IX zurück, der dabei 1564 den Neujahrstag vom 1. April auf den 1. Januar verlegte. Daraufhin haben wohl Schelme für den April Einladungen zu Neujahrsfesten verschickt, die es nicht mehr gab. Wer umsonst anreiste, erntete noch Spott. Von Frankreich aus sollen dann Soldaten die Aprilscherze über Europa verbreitet haben. Wer mag, kann sie heute Kulturgut nennen. Hier der Link zu spektrum.de: Woher kommt der Aprilscherz?
     

    Vertrauen in die Presse

    Ein gutes Zeichen für das Vertrauen in die eigene Glaubwürdigkeit wird es sein, wenn auch von den Main-Post-Redaktionen wieder bedenkenlos in den April geschickt wird. Zumal aus der Uni Würzburg gerade eine Studie kommt, die besagt, dass das Vertrauen in die Presse seit über 15 Jahren nicht so hoch war wie heute. Hier ein Link auf eine Veröffentlichung des BR über diese Studie: "Uni Würzburg stellt steigendes Medienvertrauen fest".
     

    Unangemessene Überschrift

    Themawechsel: Unangemessen und wenig sensibel war eine Überschrift auf der Titelseite der Zeitung vom 30. März: "Werden Patienten 'totgepflegt'?" Diese Schlagzeile (hier auch noch auf mainpost.de) ist trotz Fragezeichen und Gänsefüßchen geeignet, kranken Menschen Angst zu machen. Und die Zeile darunter ebenfalls: „Studie zur Arbeitssituation von Pflegekräften mit verheerendem Ergebnis“. Im Artikel geht es jedoch um zwei Studien, eine davon bescheinigt den Pflegeheimen eine gute medizinische Versorgung. Für die Überschrift wurde aber die skandalisierende Studie gewählt, die auch im Text in der Vordergrund gestellt wurde.








    Im Kodex des Deutschen Presserates, Ziffer 14, steht zur Medizinberichterstattung unter anderem:

    „Bei Berichten über medizinische Themen ist eine unangemessen sensationelle Darstellung zu vermeiden, die unbegründete Befürchtungen oder Hoffnungen beim Leser erwecken könnte.“


    Hier noch eine Leseranwalt-Kolumne zu einem Medizin-Thema, die vor mehr als drei Jahren erschien: "Ein Arzt, der die Zeitung mit dem Wort 'Pfuscher' auf dem Titel nicht in sein Wartezimmer lässt"

    Anton Sahlender, Leseranwalt

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