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    LESERANWALT

    Verkündete Eskalation nicht erkennbar

    Ein Widerspruch zwischen digitaler und gedruckter Berichterstattung über die Heimkehr von Fans der Würzburger Kickers und einen Polizei-Einsatz.

    Kontrovers war vor allem in digitalen Netzwerken die Diskussion über einen Bericht, der sich mit der Heimkehr von Fans der Würzburger Kickers nach dem verlorenen DFB-Pokalspiel in Offenbach an den Dallenberg beschäftigte. Ein Beteiligter will dazu meine Meinung hören. Er selbst urteilte, dass der Beitrag nicht zur Deeskalierung (Entspannung) der bekannt schwierigen Situation zwischen Stadion-Anwohnern und Kickers-Fans geführt habe.


    Es wird bewertet

    Ob der Bericht deeskalieren konnte oder nicht, das zu beurteilen fällt mir schwer. Aber eine Meinung zum Inhalt selbst habe ich. Zunächst zitiere ich wörtlich die ersten Sätze vom 14. August aus mainpost.de:

    „Die Würzburger Polizei hat in der Nacht zum Sonntag eine Eskalation von erhitzten Kickers-Fans gegen Anwohner am Stadion verhindert. Dies bestätigt Pressesprecher Michael Zimmer vom Polizeipräsidium Unterfranken.“

    Das ist mehr als eine Nachricht, mehr als nur berichtet. Die Situation wird schon bewertet, also kommentiert. Das hat eigentlich so in der Nachricht nichts zu suchen. Denn diese ersten Sätze unterstellen auch, dass es zu einer Eskalation gekommen wäre, hätte es die Polizei nicht verhindert. Weil es aber aus den angespannten Situation heraus in Gegenwart der Polizei wohl tatsächlich nicht zu Übergriffen gekommen ist, gibt es keinen Beweis dafür was ohne Polizei gewesen wäre. Aber aus der veröffentlichten Darstellung kann man durchaus eine Unterstellung lesen, die sich gegen einige der Kickers-Fans richtet.
     

    Welche Eskalation?

    Noch weiter geht die Überschrift, die noch im mainpost.de-Angebot steht:

    „Polizei stoppt Eskalation von Kickers-Fans gegen Anwohner“.

    Hier haben wir sie bereits, die fertige Eskalation. Sie wurde gestoppt. Was genau eskaliert ist, also zum Ausbruch kam, das erfährt man aus dem Beitrag aber nicht. Da ist nur festgehalten, dass es im Vorfeld zu Drohungen und dann zu unflätigen Ausrufen von Fans gegen Anwohner kam und dass der Weg von heimgekehrten Fans an den Dallenberg erfolgreich verhindert worden ist. Eine Eskalation, die eine solche Überschrift rechtfertigt, ist das wohl noch nicht. Ich will nicht unterstellen, dass zugespitzt wurde, um Reichweite zu erzielen.

    Hier den digital veröffentlichten Bericht vom 14.8. anklicken.
     

    Bestätigt oder gemeldet?

    Man darf auch die Bedeutung des eingangs zitierten zweiten Satzes auf mainpost.de noch unter die Lupe nehmen. Darin bestätigt der Pressesprecher der Polizei, dass die Polizei die Eskalation der Situation verhindert habe. Bestätigen bedeutet, der Beamte hat das nicht selbst vorgetragen, sondern nur dem zugestimmt, was ihm (vom


    Journalisten?) gesagt worden ist.
    Das steht dann allerdings klar im Widerspruch zu dem, was danach am 16. August in der gedruckten Main-Post zu lesen war. Hier meldet nämlich der Pressesprecher der Polizei das, was schon gleich in der Überschrift steht: „Polizei verhinderte Eskalation/Fans gegen Anwohner“.
    Was nun, hat er nur bestätigt oder selbst gemeldet? Wollten die Fans gegen Anwohner vorgehen oder sind sie vorgegangen?
     

    Vorsorgliche Polizeiaktion

    Wie auch immer: Anzeichen hat es genug gegeben, die die Präsenz der Polizei zum Schutz der Anwohner am Dallenberg vor „erhitzten“ Fans als wichtig und notwendig erkennen lassen. Den Einsatz stelle ich ausdrücklich nicht in Frage. Ich halte lediglich fest, dass wesentliche Sätze in den Main-Post-Beiträgen unsauber und widersprüchlich sind. Richtig hätte es daraus sinngemäß hervorgehen müssen:

    „Die Würzburger Polizei hat vorsorglich die Anwohner des Stadions am Dallenberg vor einer möglichen Eskalation (Übergriffe oder Sachbeschädigungen) geschützt als erhitzte Kickers-Fans vom gegen Werder Bremen verlorenen DFB-Pokalspiel zurückgekehrt sind. Es hatte nach Offenbach verlegt werden müssen, weil......“

    Auch wenn ich vor Ort nicht dabei war, betreibe ich keine nachträgliche Wortklauberei. Aber gerade in einer aufgeheizten Situation ist Korrektheit und Eindeutigkeit in Pressemeldungen besonders unerlässlich. Die waren hier nicht gegeben.

    Anton Sahlender, Leseranwalt

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