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    UNTERM STRICH

    Unterm Strich: Sexismus im Märchenbuch

    Das Märchen „Dornröschen“ ist sexistisch, findet eine Mutter aus Großbritannien. Doch in Märchenbüchern lauern noch viel schlimmere Geschichten.

    Eine junge Frau liegt schlafend im Bett. Über sie beugt sich ein wildfremder Mann und küsst sie. Ungefragt. Ein klarer Fall von Sexismus, findet Sarah Hall. Hall ist nicht die schlafende Frau, sondern Mutter von zwei Kindern, in deren Grundschule das Märchen „Dornröschen“ gelesen wurde. Geht es nach der Britin, wird das Märchen bald verboten. Eben wegen jenes Übergriffs des Prinzen, der Dornröschen in der Schlussszene nach 100 Jahren wachküsst. „So lange wir solche Erzählungen immer noch in der Schule sehen, werden wir nie tief verwurzelte Einstellungen zu sexuellem Verhalten ändern“, beschwerte sich Hall GRIMMig auf Twitter. Recht hat sie. Am besten man verbietet gleich alle Märchen. Egal ob Aschenputtel oder Rapunzel – immer wieder geht es darum, dass Frauen nur darauf warten, von einem Mann mit Gaul erobert zu werden. Oder, weil völlig hilflos, von einem Wolf gefressen. Oder sie werden als völlig oberflächlich dargestellt. So wie die Königstochter, der das „tapfere Schneiderlein“ nicht gut genug war. Oder wie die Prinzessin im „Froschkönig“, die den „garstigen Frosch“ erst gegen die Wand knallt, nur um sich ihm eine Sekunde später an den Hals zu werfen, als sich das Tier als stattlicher Königssohn entpuppt.

    Und dann noch das schlimmste aller Märchen: Das von Schneewittchen, die unter dubiosen Umständen in einem Sieben-Männer-Haushalt lebt, wo sie für Putzen und Kochen zuständig ist, in jedem Bettchen probeliegt und obendrein noch naiv genug ist, von einer Fremden einen vergifteten Apfel zu essen. Und wie wird sie gerettet? Genau: Durch einen sexuellen Übergriff eines Prinzen.

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