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    BERLIN

    Die besorgte Generation

    Den 30- bis 59-Jährigen geht es eigentlich so gut, wie schon lange nicht mehr, gäbe es nicht die Angst um die eigene Zukunft.

    Trotz Wohlstands sorgt sich die mittlere Generation um die Zukunft. Foto: Markus Scholz, Dpa

    Die erfreuliche Nachricht vorweg: Der mittleren Generation geht es gut, ja, so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr. Nach einer Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, sind 79 Prozent der befragten 30- bis 59-Jährigen mit ihrem Leben weitgehend zufrieden. Das sind vier Prozent mehr als in den beiden Vorjahren.

    Zudem sehen sich immer weniger als Wohlstandsverlierer (17 Prozent). Grund dafür ist nach Einschätzung der Meinungsforscher vor allem die anhaltend gute Wirtschaftslage im Land.

    Doch eitel Sonnenschein herrscht deshalb nicht. Zukunftsängste quälen die 30- bis 59-Jährigen. Und so manche Forderung dürfte der nächsten Bundesregierung noch Kopfzerbrechen bereiten.

    Die mittlere Generation ist die Stütze der deutschen Gesellschaft. Sie arbeitet, zieht Kinder groß und zahlt in die Rentenkasse ein. Sie umfasst rund 35 Millionen Einwohner. Ihre Stimme hat Gewicht.

    Eine überwältigende Mehrheit der Generation Mitte fühlt sich in Deutschland wohl. Sie schätzt das reiche Kulturangebot, den hohen Lebensstandard und das umfassende Gesundheitssystem. Doch sie sieht auch erhebliche Schwächen.

    Die meisten Befragten glauben, dass Einkommen und Vermögen zu ungleich verteilt sind. „Diese Auffassung teilen nicht nur die Armen, sondern auch viele aus der Mittel- und Oberschicht“, sagt Renate Köcher, Geschäftsführerin des Allensbacher Instituts. Zudem sehen die Befragten im Pflegesystem, insbesondere im Umgang mit Pflegebedürftigen, Mängel. Arbeit gibt es in Deutschland zurzeit reichlich. Gut ein Drittel der Befragten gibt an, wirtschaftlich besser dazustehen als noch vor fünf Jahren. Auch die Angst vor der eigenen Arbeitslosigkeit schwindet. Im Vordergrund stehe anderes, sagt Köcher: Vereinbarkeit von Beruf und Familie, weniger Überstunden, mehr Freizeit und eine gute Altersversorgung.

    Flüchtlingskrise und Terroranschläge haben auch in der mittleren Generation Spuren hinterlassen. Eine Mehrheit glaubt nicht, dass die Integration von Flüchtlingen gut läuft (62 Prozent). Mehr als drei Viertel der Befragten fordern von der nächsten Bundesregierung, den Terrorismus und die Fluchtursachen in den Herkunftsländern der Migranten entschieden zu bekämpfen. Immerhin noch zwei Drittel halten es für wichtig, dass Berlin gegen den politischen Extremismus im eigenen Land vorgeht (67 Prozent). Am schwierigsten dürfte sich die kommende Bundesregierung allerdings mit einem anderen Befund tun. Denn jeder Dritte hat die Sorge, dass sein Geld in den nächsten Jahren nicht mehr ausreichen könnte. Und jeder Zweite der 30- bis 59-Jährigen befürchtet, dass er seinen Lebensstandard allein mit der aktuellen staatlichen Rente nicht halten kann. Zu eigenen Anstrengungen ist die mittlere Generation aber kaum bereit.

    Sechs von zehn Befragten geben an, keinen finanziellen Spielraum zu haben, um selbst mehr in die eigene Alterssicherung zu investieren (62 Prozent). Nur verschwindend geringe Minderheiten können sich vorstellen, mehr Steuern zu zahlen oder später in Rente gehen (je sieben Prozent).

    Fast jeder Dritte würde dagegen lieber vorzeitig in den Ruhestand gehen wollen (29 Prozent). Auch höhere Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung lehnen die allermeisten ab (87 Prozent). Mit politischen Debatten um ein höheres Renteneintrittsalter, wie sie CDU-Politiker wie Jens Spahn ins Spiel brachten, könne man in der mittleren Generation deshalb nur schwer Stimmen holen, sagt Köcher.

    Für die Studie befragte das Allensbacher Institut vom 1. bis 23. August insgesamt 1053 Männer und Frauen.

    Von unserem Mitarbeiter Andreas Baumer

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