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    WASHINGTON

    Wer bezahlt für die Trumps?

    In den USA entwickelt sich ein bizarrer Streit um die Anwaltskosten der US-Regierung im Russland-Skandal.

    US-Präsident Donald Trump mit seinen Kindern Ivanka und Donald Jr. Foto: Timothy Clary, afp

    Als milliardenschwerer Immobilienmogul dürfte es für Donald Trump eigentlich kein Problem sein, eine Rechnung über 700 000 Dollar zu begleichen. Und doch gibt es hinter verschlossenen Türen offenbar Streit über die relativ bescheidene Summe. Trump möchte, dass seine republikanische Partei die Anwaltskosten übernimmt, die durch die Vorwürfe im Russland-Skandal entstanden sind. Allein 50 000 Dollar gingen an den Rechtsbeistand von Trumps Sohn Donald Jr, der sich in der Hoffnung auf belastendes Material über die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton mit russischen Emissären traf.

    Doch die Republikaner wollen nicht den Zahlmeister spielen. „Ich weiß nicht, ob das überhaupt legal ist“, sagte Ronna Romney McDaniel, als Vorsitzende des Nationalen Republikanischen Komitees (RNC) eine Art Geschäftsführerin der Regierungspartei. Bisher hat Trumps Wahlkampfverein die Kosten beglichen, die angesichts immer neuer Enthüllungen in Sachen Russland und den Nachforschungen von Sonderermittler Robert Mueller weiter steigen dürften. Auch Präsidenten-Schwiegersohn Jared Kushner gehört zu jenen Personen im Umfeld des Staatschefs, die sich Anwälte besorgt haben. Billig ist keiner der Rechtsberater. Trumps persönlicher Anwalt Marc Kasowitz verlangt 1500 Dollar die Stunde.

    „Ich weiß nicht, ob das überhaupt legal ist.“
    Ronna Romney McDaniel, Vorsitzende des RNC

    Amerikanische Medien berichten seit Tagen über die 700 000 Dollar, die zwischen April und Ende Juni aufgelaufen sein sollen. In Gesprächen zwischen Trumps Beratern und dem RNC über die Kostenübernahme soll es recht heftig zugegangen sein. Manche Beobachter sehen in dem Streit mehr als nur ein Gezänk ums Geld und teure Anwälte. Falls das RNC tatsächlich zahlt, wäre das aus ihrer Sicht ein offizielles Eingeständnis, dass es bei den umstrittenen Gesprächen etwa von Trump Jr mit russischen Gästen um den Wahlkampf des heutigen Präsidenten gegangen sei.

    Trump will am Verhalten seines Sohnes nach wie vor nichts Unrechtes erkennen. Auf Twitter nahm er Donald Jr in Schutz und attackierte erneut die Presse und seine Rivalin aus dem Präsidentschaftswahlkampf, Hillary Clinton.

    Donald Trump Jr hatte zugeben müssen, sich im Juni 2016 bei einem Treffen mit einer russischen Anwältin und einem russisch-amerikanischen Lobbyisten mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst um belastendes Material über Clinton bemüht zu haben. Das Weiße Haus spielt das Treffen herunter; einige Trump-Anhänger werfen den US-Sicherheitsbehörden vor, das Gespräch nicht verhindert zu haben.

    Doch es gibt deutliche Risse im Trump-Lager. „Warum kommt eine Lüge nach der anderen?“, fragte Shephard Smith, ein prominenter Moderator des regierungsfreundlichen Senders Fox News. Laut einer neuen Umfrage des Senders ABC und der „Washington Post“ ist die Zustimmung zu Trump auf 36 Prozent zurückgegangen, den bisher schlechtesten Wert für einen Präsidenten nach nur sechs Monaten im Amt. Für 60 Prozent der Amerikaner steht demnach fest, dass Russland versuchte, die US-Präsidentenwahl im vergangenen Jahr zu manipulieren.

    Glaubwürdigkeitsprobleme haben die Trumps auch auf anderen Feldern. Die neue Woche will die Regierung unter das Motto „Made in America“ stellen, um die herstellende Industrie der USA zu fördern – ein Hauptanliegen Trumps im Wahlkampf. Der Präsident will dazu eine offizielle Stellungnahme abgeben; zudem will das Weiße Haus die Aufmerksamkeit auf Waren aus amerikanischer Produktion lenken. US-Arbeitern wieder gut bezahlte Jobs in neuen Fabriken zu beschaffen, gehört zu den wichtigsten Wahlkampfversprechen der Regierung.

    Doch der Präsident selbst und seine Tochter Ivanka lassen lieber in Billiglohnländern produzieren als im teureren Heimatland. Sie verkaufen Accessoires und Mode, die billig in Ostasien hergestellt werden, wie die Medien berichten. In Fabriken in Bangladesch, wo Produkte für Ivankas Modemarke hergestellt werden, verdienen Arbeiter umgerechnet rund 60 Euro im Monat, wie die „Washington Post“ meldet. In China wurden drei Aktivisten vorübergehend festgenommen, die Arbeitsbedingungen in einer für Ivanka Trump produzierenden Schuhfabrik untersuchen wollten.

    Selbst die roten Baseball-Mützen mit der Aufschrift „Make America Great Again“, die zum Erkennungszeichen der Trump-Anhänger geworden sind, werden vielfach in China, Vietnam oder Bangladesch hergestellt. Das Weiße Haus wollte zu diesem Widerspruch nichts sagen.

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