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    PARIS

    Neue Fluglinie für Jetsetter

    Bio-Smoothie über den Wolken: Die neue Air-France-Airline Joon soll zu niedrigeren Kosten arbeiten und sich auf besonders umkämpften Strecken behaupten.

    Ein Airbus A 320 der Fluglinie Joon Foto: Eric Piermont, afp

    Mit einem Bio-Smoothie auf dem Tablett vor sich über den Wolken fliegend, dabei im Internet surfend und von einer Metropole zur anderen jettend – so stellt sich die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM den Fluggast vor, auf den sie ihre neue Fluglinie Joon abgestimmt hat. Seit 1. Dezember heben deren Maschinen vom Pariser Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle ab. Der Name unterstreicht das erwünschte jugendlich-moderne Image: „Joon“ wurde nicht nur wegen der Zielgruppe und der guten visuellen Umsetzbarkeit des Logos auf Smartphone-Bildschirmen ausgewählt, sondern auch als Anspielung auf das französische Wort für jung – „jeune“.

    Der Konzernführung zufolge bewegt sich das Angebot zwischen jenen von Billigfliegern und den klassischen Airlines: Die Preise sind günstig, wenn auch nicht unschlagbar, der Standard-Service lässt sich durch Bezahl-Optionen erweitern, Zusatz-gepäck ist kostenpflichtig, die Aufteilung in Business und Economy Class bleibt bestehen.

    Werden zunächst Barcelona, Lissabon, Berlin und Porto für einen Einstiegspreis von einfach 39 Euro angeflogen, kommen im Frühjahr noch Rom, Neapel, Oslo, Istanbul und Kairo hinzu sowie Interkontinentalflüge ins brasilianische Fortaleza, nach Kapstadt, Teheran und auf die Seychellen. Die höheren Preisstufen liegen dann bei 149 und 299 Euro pro Flug. Längerfristig soll Joon 20 Prozent der Mittelstrecken-Flüge sowie zehn Prozent der Langstreckenflüge von der großen Schwester Air France übernehmen. Diese stellt die Flotte zur Verfügung.

    Air France-Generaldirektor Franck Terner erklärte die neue Offensive als „Innovationslabor“. Ab nächstem Jahr verfügt jeder Sitz über einen kostenlosen USB- sowie einen WLAN-Anschluss. Kaffee, Tee, Orangensaft und Wasser sind im Preis enthalten, für die übrige Auswahl im Menü – von der Tapas-Platte bis zum Cocktail und 20 Prozent Bio-Essen – müssen die Fluggäste bezahlen. Die Kabinenmitarbeiter kommen stylish mit Turnschuhen und im Polohemd daher. Damit will Air France-KLM zeigen, dass es mit der Zeit geht; als Hauptgrund für die Schaffung dieses neuen Angebotes neben der Billiglinie Transavia und dem Regionalflieger Hop! gilt aber das Bemühen um Kostenreduzierung: Gespart wird nämlich beim Personal. Der Entscheidung gingen monatelange Verhandlungen mit den Piloten-Gewerkschaften voraus. 2014 hatte Air France den geplanten Ausbau der Billiglinie Transavia nach anhaltenden Protesten der Mitarbeiter ausgesetzt; vor eineinhalb Jahren musste der damalige Konzernchef Alexandre de Juniac seinen Posten räumen. Der jetzigen Vereinbarung zufolge übernimmt Joon die Piloten von Air France, die zu den bisherigen Bedingungen weiterarbeiten. Für die Arbeit in der Kabine werden bis 2020 rund 1000 neue Mitarbeiter eingestellt, die weniger vorteilhafte Verträge als ihre Kollegen von der Muttergesellschaft bekommen. Das spart pro Sitzplatz 15 Prozent der Kosten bei Mittel- und 18 Prozent bei Langstreckenflügen.

    Zwar verzeichnete Air France-KLM von Januar bis einschließlich September einen operativen Gewinn von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das von einem Einbruch des Tourismus infolge der Terroranschläge seit 2015 geprägt war. Dennoch erklärte Terner, „Joon erlaubt uns, Linien zu öffnen oder wiederzueröffnen, wo wir aggressive Konkurrenten haben“. Damit dürfte er nicht nur auf Mitbewerber wie Emirates, Qatar Airways und Etihad angespielt haben, sondern auch auf Level, den Billigflieger der International Airline Group (IAE): Sie hat soeben angekündigt, aus Paris sein zweiwichtigstes Drehkreuz zu machen.

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