• aktualisiert:

    Würzburg

    Uniklinik: Wie man Patienten ein Lächeln ins Gesicht zaubert

    Albert Fischer (links) und Gernot Hornberger von den Grünen Damen und Herren der Uniklinik. Seit April sind sie im Beirat der Bundesarbeitsgemeinschaft der Katholischen Krankenhaus-Hilfe. Foto: Thomas Obermeier

    Mal eine Zahnpasta kaufen, einen kleinen Ausflug an die frische Luft machen oder einfach nur eine halbe Stunde zuhören – die Grünen Damen und Herren der Uniklinik Würzburg machen Dinge, für die dem Pflegepersonal im Alltag schlicht die Zeit fehlt. Seit 31 Jahren kümmern sich die Ehrenamtlichen um Patienten, die sonst keinen oder kaum Besuch bekommen. Der Name stammt von den grünen Kitteln, an denen die 30 Mitarbeiter gut zu erkennen sind. "Am Anfang war es mintgrün, inzwischen sind wir bei apfelgrün", erzählt Albert Fischer, der den Besuchsdienst leitet.

    Fischer und sein Kollege Gernot Hornberger sind nun seit April im Beirat der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Krankenhaus-Hilfe. Unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft sind bundesweit rund 3500 Grüne Damen und Herren vereinigt. "Die Krankenhaus-Hilfe kümmert sich vor allem um die Aus- und Fortbildung der Helfer vor Ort", erklärt Fischer. Denn diese sind wie die Helfer am Uniklinikum keine Fachkräfte, sondern engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit.

    Patienten sind immer öfter alleinstehend

    Viele hätten jedoch einen medizinischen Hintergrund oder kämen aus anderen Bereichen der Uniklinik, erzählt Fischer. Er selbst hat über 40 Jahre im Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes gearbeitet, sein Kollege Gernot Hornberger war Pfleger in der Uniklinik. Doch das Team der Grünen Damen und Herren besteht aus vielen verschiedenen Mitgliedern, auch eine Studentin der Sozialpädagogik ist dabei. "Sie kann gut das Thema Gesprächsführung bei uns üben", berichtet Fischer. Das Alter spielt keine Rolle: Die älteste Grüne Dame ist bereits 86 Jahre.

    Die Arbeit beginnt dort, wo die Zeit der Pfleger nicht mehr ausreicht. "Die Schwestern haben inzwischen so viel Schreibarbeit zu erledigen, die haben einfach keine Zeit", sagt Fischer. Und der Mangel an Pflegekräften verschärfe das Problem natürlich noch, so der 68-Jährige. Dazu komme, dass die Patienten tendenziell immer älter und immer öfter alleinstehend seien. Zu diesen Menschen komme auch weniger Besuch.

    Hohe Wertschätzung durch die Uniklinik

    Deshalb nehmen sich die Mitglieder des Besuchsdienstes einmal die Woche für einen Nachmittag Zeit für die Menschen, die sonst wenig soziale Kontakte haben. Meist bemerken die Pfleger, wenn einer ihrer Patienten einsam erscheint. Dann sagen sie Albert Fischer Bescheid, der sich darum kümmert, dass bald Besuch von einem grün gekleideten Zuhörer kommt.

    Fischer selbst engagiert sich seit 2011 in dem Besuchsdienst, nachdem er 2010 in den Ruhestand gegangen ist. Durch seine Arbeit als Rettungsdienstsanitäter kannte er den Pfleger Gernot Hornberger, der ihn schließlich dazu brachte, bei dem Besuchsdienst mitzumachen. Durch seinen Beruf war Fischer bereits bestens mit der Uniklinik vertraut. "Doch man braucht auch viel Fingerspitzengefühl, um mit den Menschen zu reden", sagt der 68-Jährige.

    Gerade die Frage "Und wie geht es Ihnen?" sei in einem Krankenhaus natürlich nicht immer so passend, da die ehrliche Antwort darauf ja meistens "schlecht" sei. "Doch darüber kommt man eben einfach gut ins Gespräch", sagt Fischer. Für ihre Arbeit bekommen die Grünen Damen und Herren zwar kein Geld, doch die Patienten seien sehr dankbar. Und auch die Wertschätzung durch die Leitung der Uniklinik sei sehr hoch. "Und wenn die Augen der Patienten leuchten, wenn wir kommen, dann merkt man einfach, dass diese Menschen lange keinen Besuch hatten."

    Videos
      Weitere Artikel
      Fotos