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    Hettstadt

    Warum Hettstadts Kommunalwald akut gefährdet ist

    Kahle Baumkronen, wie sonst nur im Winter, zeigen sich aktuell in Hettstadts Buchenwald, abgefressen durch Schwammspinner, die nachhaltige Folgen verursachen. Foto: Herbert Ehehalt

    Wie sich die Situation in Hettstadts angegriffenem Gemeindewald kurzfristig entwickeln wird, war bei der Prognose des Revierförsters Wolfgang Fricker im November letzten Jahres noch völlig offen. Rund acht Monate später zeichnet sich durch großflächig abgestorbene Bäume eine dramatische Entwicklung ab. Jüngst diskutierte der Gemeinderat das Thema. Selbst unter Experten herrscht Ratlosigkeit über die weitere Entwicklung.

    Der Schwammspinnerbefall hat sich rasant ausgedehnt: Der Kahlfraß am Buchenwald erstreckte sich im Herbst letzten Jahres über etwa fünf Hektar im Herbst letzten Jahres, aktuell hat er sich über 17 Hektar ausgeweitet, schätzt der Revierförster. Neben dem Schwammspinnerbefall dehnt sich auch der Borkenkäfer in Hettstadts Nadelwald weiter aus, so die Information des Försters an den Gemeinderat. Dabei waren etwa 300 Festmeter befallener und abgestorbener Nadelbäume durch einen Harvester-Einsatz erst im Februar diesen Jahres entfernt worden.

    Forstexperten nennen klimatische Veränderungen als Ursache

    Die zu Jahresbeginn 2019 vom Gremium verabschiedete Jahresbetriebsplanung der Gemeinde ist durch die umfänglichen und außergewöhnlichen Schäden in Folge der rasanten Entwicklung komplett hinfällig. Ausgelöst ist dies nach Überzeugung des Revierförsters und Antje Julke, Leiterin des Bereichs Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Würzburg, durch klimatische Veränderungen, speziell den letztjährigen Extrem-Sommer mit ungewöhnlicher Hitze und mangelndem Niederschlag. "Den Bäumen wird’s zu viel. Für sie ist der Bogen überspannt", lautete Julkes Feststellung.

    Schwammspinner laben sich derzeit in Hettstadts Buchenwald. Von einer Fläche von fünf Hektar im November letzten Jahres dehnte sich der für die Buchen tödliche Kahlfraß innerhalb von neun Monaten auf 17 Hektar aus. Foto: Herbert Ehehalt

    Zu beobachten sei im Buchenwald, laut Revierförster Fricker, eine unkontrollierte Massenvermehrung der Schwammspinner. Als bedenklich sieht Fricker, dass in diesem Jahr nicht einmal die relativ kalten Tage und Nächte der Eisheiligen der Ausdehnung der Schwammspinner Einhalt gebieten konnten. Ungewöhnlich ist für den Förster auch, dass "als bayernweites Novum durch Schwammspinner befallene Buchenbestände noch niemals zuvor registriert wurden." Deshalb ist die Entwicklung für Fricker Bestätigung dafür: "Wir haben hier in der Region einen Klima-Hotspot, ohne auch nur zu erahnen, wohin es sich entwickelt."

    Von den befallenen Bäumen gehen akute Gefahren aus

    Eine noch im vergangenen Herbst für möglich gehaltene Bekämpfung der Schwammspinner durch Besprühung aus der Luft ist inzwischen fraglich. Zuständig dafür ist auch nicht die Gemeinde, sondern die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft mit Sitz in Freising. Von den absterbenden oder bereits abgestorbenen Bäumen geht nach Einschätzung der Forst-Experten derzeit ein akutes Gefährdungspotenzial aus. Deshalb sollen entlang gewidmeter öffentlicher Wege beidseitig auf einer Breite von jeweils 30 Metern dürre Bäume maschinell entnommen werden. Als Begründung dafür nannte Fricker eine latente allgemeine Gefährdung durch Ast- oder Kronenbruch.

    Unterdessen werden von der Gemeinde Hinweise angebracht, die vor dem Zugang zu den betroffenen Waldbereichen warnen, kündigte Bürgermeisterin Andrea Rothenbucher (CSU/UBH) an. Denn neben der Gefährdung durch brechende Äste oder Kronen können die Schwammspinner beim Menschen auch gesundheitliche Beeinträchtigungen in Form von Nesselsucht und Atemnot verursachen.

    Holz der geschädigten Bäume soll preisgünstig verkauft werden

    Mehrheitlich votierte der Gemeinderat bei 12 zu 2 Stimmen für die Entnahme der geschädigten Bäume per Harvester. Das anfallende Holz soll unter Interessenten als Brennholz verwertet werden. Der Revierförster geht von einer Menge von bis zu 800 Festmetern aus. Der Gemeinderat beschloss, das Holz zu einem reduzierten Preis anzubieten. Statt der bisher üblichen 55 Euro je Festmeter sollen lediglich 40 Euro verlangt werden.

    Wie lange es noch dauert, bis dieser noch intakte Buchenwald nahe des Kahlfraß-Bereichs nicht mehr existiert, können derzeit nicht einmal Experten sagen. Foto: Herbert Ehehalt

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