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    Bischofsheim

    "Wurscht und Weck" sorgen für Unmut

    Den "Fosenochtsweck" teilten die Böschemer schon in den 1930 Jahren aus. Foto: Archiv Böschemer Maumer

    Verwunderung herrschte bei den Böschemer Maumern in der Jahreshauptversammlung, bei einigen sogar leichte Verärgerung, denn seit Jahrzehnten sei es üblich, dass die Stadt Bischofsheim am Faschingsdienstag die Kosten für den Verkauf der Würste auf dem Marktplatz an die Kinder übernimmt. "Wurscht und Weck" sei eine alte Bischofsheimer Tradition, die von den Maumern aufrecht erhalten und gepflegt wird. Doch in diesem und im vergangenen Jahr seien diese Kosten nicht mehr übernommen worden.

    Wie die Vorsitzende Sandra Hellmuth berichtete, habe die Verwaltung erklärt, die Kosten dafür nicht mehr zu übernehmen. Die Vorstandschaftsmitglieder vermuten, dies hänge damit zusammen, dass sie für den Kinderfasching die Rhönhalle kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen.

    Die anwesenden Mitglieder sahen dies allerdings anders, der Kinderfasching sei das eine und für ihren Kinderfasching bekämen ja auch die Ortsteile städtische Unterstützung. Die Aktion am Faschingsdienstag auf dem Marktplatz sei kein Kinderfasching, sondern Brauchtum, das schon lange vor Gründung der Böschemer Maumer üblich gewesen sei und vom Faschingsverein nun fortgeführt werde.

    Ein Blick in die Geschichte, wie sie die Böschemer Maumer auf ihrer Homepage dartsellen, lautet: "Schon in den dreißiger Jahren war es in Bischofsheim üblich, die Schulkinder an diesem Tag mit einem Weck zu beschenken. In der damals noch bescheideneren Zeit war das noch etwas besonderes, noch mehr nach dem letzten Krieg, als es noch Lebensmittelmarken gab. Im Jahr 1946 besannen sich die Bischofsheimer wieder auf diese alte gute Sitte und erbettelten Beutemehl aus dem Militärlager Wildflecken, welches an die Bäcker verteilte wurde und diese wiederum backten für die Schulkinder aus dunklem Mehl den altherkömmlichen Fosenochtsweck, auf den sich alle freuten. Mit steigendem Wohlstand übernahm die Stadt Bischofsheim die Brotzeitkosten. Der Weck wurde mit einer heißen Wurst aufgebessert."

    Der Erlös der Aktion, denn Erwachsene können sich "Wurscht und Weck" auch kaufen, werde von den Böschemer Maumern seit jeher dem Bischofsheimer Kindergarten zur Verfügung gestellt. "Wir machen das ohne großes Brimborium. Das Geld geht nicht in die Vereinskasse", betonte der frühere Vorsitzende Alfons Fuß.

    Die Vorsitzenden Sandra Hellmuth und Gloria Kober sicherten der Versammlung zu, dass sie mit Bürgermeister Georg Seiffert Kontakt aufnehmen werden. Sie zeigten sich überzeugt, dass sie bei ihm auf ein offenes Ohr für das alte Bischofsheimer Brauchtum am Faschingsdienstag auf dem Marktplatz stoßen werden - sei er doch selbst ein Urgestein der Maumer.

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