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    OERLENBACH

    Leserforum: Schöpfung bewahren

    Wir hatten im Winter ein sehr erfolgreiches Volksbegehren. Es war es uns wert, mit einem Fläschchen Sekt darauf anzustoßen. Zu aller Freude sah ich, dass so manche Krusten aufbrachen und bei mir fast schon Euphorie aufkam. Jedoch, bald beschlich mich ein neues Problem, wie ein Gespenst. Der Schwammspinner! „Wir müssen unsere Wälder mit dem Hubschrauber bespritzen, das macht Sinn“, hieß es in den Gemeindegremien. Irgendwie meinte ich, müsste doch noch die Einsicht kommen, dass wir nicht unser letztes Refugium preisgeben an die Chemie, unseren letzten Rückzugsort für Mensch und Tier. Diese, bis zum Letzten geschundene Natur! Landwirten schiebt man den schwarzen Peter zu. Jawohl, sie tragen große Verantwortung für unser Land, unseren Mutterboden, unser Wasser, die Luft und nicht zuletzt auch unsere Artenvielfalt, weil sie den größten Teil der Fläche in ihrer Bewirtschaftung haben. Aber wir alle tragen Verantwortung, insbesondere unsere Kommunen. Unser Ministerpräsident hat hat vollkommen recht, wenn er sagt: „So kann es nicht weitergehen!“ So glaubte ich, dass unsere Kommunen doch noch die Situation erkennen und von einer Flächenbespritzung unserer Wälder absehen, jetzt im wunderschönen Monat Mai, wo der Wald gerade zum Wandern und Spazierengehen einlädt. So machte ich meine Lieblingstour, von Oerlenbach über den Ramsthaler poetischen Waldweg hinunter nach Wirmsthal und dann hinauf zum Wittelsbacher Turm. Maiglöckchenduft - die Tafeln mit den Gedichten waren nagelneu, sehr aufwendig gemacht. Doch plötzlich tauchte direkt neben einem besinnlichen Gedicht ein anderes Schild auf: „Achtung! Das Bundesamt für Verbraucherschutz- und Lebensmittelsicherheit untersagt bis Ende Mai wegen Pflanzenschutzmitteleinsatz den Verzehr von Waldpilzen, wildwachsenden Früchten und Wildkräutern“. Und das in einem bisher naturnahen Mittelwald - kaum zu glauben. Ich frage mich, ob das die Tiere auch lesen konnten? Und wie werden heuer unsere Waldvögel ihre Brut großziehen und unsere Fledermäuse? Die großen Rotoren der Windräder hatte ich ja gerade hinter mir gelassen. ich lief weiter, bog rechts ab, den steilen Berg hinab, Richtung Wirmsthal. Was sah ich hier? Ich war nun eigentlich eingesperrt. Vor mir ein Absperrband mit der Aufschrift: „Betreten verboten - Lebensgefahr!“ Zusätzlich wird auf die rechtliche Grundlage des Betregungsverbotes hingewiesen. Man hat also die Absperrung nur einseitig vorgenommen und ich bin reingetappt. Ein schalter Geschmack im Mund, ich ging weiter und spülte ihn am Wittelsbacher Turm mit Bier hinunter. haben wir keine anderen Lösungsmöglichkeiten mehr als die Giftspritze, haben wir immer noch nichts gelernt? Ich stelle fest, dass unsere Wälder ohnehin immer mehr ausgebeutet werden. Wir betreiben ganzjährig Forstwirtschaft, es kehrt keine Ruhe mehr ein. Im Forst gibt es keine Schutzzeit für brütende Vögel. nur so konnte es auch geschehen, dass man im „Wald für die Seele“ nahe Klaushof im Juni letzten Jahres große Bäume fällte, ohne Rücksicht auf Verluste. Ist das Gier oder was? Wir haben nur diese eine Erde mit ihrer wunderbaren Schöpfung, darum lasst uns für sie eintreten. Erheben wir alle unsere Stimme. Nur so können wir das Volksbegehren umsetzen und mit Leben erfüllen.

    Lydia Bergmann

    97714 Oerlenbach

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