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    Partenstein

    Awo-Seniorenheim: Rückkehr in Etappen

    Noch ist nicht wieder alles an seinem Platz im Seniorenheim der Awo in Partenstein.  Foto: Monika Büdel

    Wie teuer die Wasserschäden im Seniorenheim Partenstein die Arbeiterwohlfahrt (Awo) kommen, steht noch nicht fest. Das erklärt Ulrike Hahn, Bereichsleiterin Senioren und Reha der Awo in Würzburg, auf Nachfrage der Redaktion. Es sei noch nicht klar, was die Versicherung übernimmt. Schwer zu beziffern ist laut Hahn der nicht materielle Schaden. Aus der vor einem Jahr geplanten Auslagerung der Senioren von drei Monaten ist ein Jahr geworden. Das habe zu einem Imageschaden bei den Angehörigen geführt. Vereinzelt habe Personal aufgrund der Auslagerung nach Bad Kissingen und Mömlingen gekündigt.

    Das bestätigt Erika Binder, Leiterin des Seniorenheims in Partenstein. Von den 16 Pflegekräften, den vier Angestellten im Bereich soziale Betreuung und den drei Mitarbeitern in der Küche, hätten vier Pflegekräfte und ein Arbeitnehmer aus der Küche gekündigt. Vor einem Jahr waren die Bewohner und das Team ausgelagert worden, weil ein Wasserschaden schon so weit fortgeschritten war, dass das Gebäude praktisch unbewohnbar war. Ein weiterer folgte und die Erkenntnis, dass das Rohrsystem insgesamt so marode ist, dass es unverantwortlich gewesen wäre, vor der kompletten Sanierung wieder einzuziehen, informiert Ulrike Hahn.

    Erika Binder, Leiterin des Awo-Seniorenheims in Partenstein.  Foto: Monika Büdel

    Viel Fahrzeit

    Für die Bewohner hieß das, die gewohnte Umgebung verlassen, für die Angehörigen weite Besuchswege und für die Mitarbeiter viel Fahrerei und viele Stunden weg von zu Hause. Mit dem Angebot von Zwölf-Stunden-Schichten und zwei Stunden bezahlter Pause habe die Awo versucht, die Misere zu meistern. Einfach sei es nicht gewesen, sagt Binder. Einige Mitarbeiter hätten nicht selbst fahren können, so dass beim Aufstellen des Schichtplans auch noch Mitfahrgelegenheiten berücksichtigt werden mussten. Sie freut sich, dass jemand aus dem Team auf die Idee gekommen sei, selbstständig einen Fahrgemeinschaftsplan zu erarbeiten.

    Für die Angehörigen habe die Heimleitung einmal pro Woche einen Fahrdienst angeboten und so lange aufrechterhalten, wie er genutzt wurde. Binder versteht, dass vier Bewohner gekündigt haben und in andere Seniorenheime gezogen sind. "Es gibt Angehörige, die jeden Tag zu Besuch kommen." Für einige sei die zeitliche Belastung durch die Fahrten nach Mömlingen beziehungsweise Bad Kissingen zu groß geworden. Die Bewohner hätten auf den Umzug und die Verzögerung unterschiedlich reagiert. Einige der Rüstigen wären lieber in ihrem gewohnten Partenstein geblieben. Bei den Angehörigen hätten die Reaktionen von Verständnis bis hin zu "bösen Worten" gereicht.

    Vor dem Umzug lebten in dem vor zehn Jahren gebauten Heim laut Binder 33 Senioren. Neben den vier Wegzügen habe es seit der Auslagerung einige Todesfälle gegeben, so dass diesen Donnerstag und Freitag 22 Bewohner zurückkehren. Sie belegen zunächst zwei der drei Bereiche des Heims. Die Leiterin ist froh, dass die Senioren in zwei Etappen ankommen. So könne Schritt für Schritt wieder Normalität geschaffen werden. 40 Menschen biete die Einrichtung Platz. Der dritte Abschnitt werde erst im Juli neu belegt, wenn alles eingeräumt, das Personal wieder aus den Pfingstferien zurück und neues eingestellt ist, sagt die Leiterin. Um die Belegung macht sie sich keine Sorgen: "Es gibt eine Warteliste."

    Umgekehrt sieht es beim Personal aus. Wie Binder berichtet, ist es vor allem schwer, Fachkräfte zu bekommen. Fachkräfte sind examinierte Alten- oder Krankenpfleger. Beschäftigt werden außerdem Pflegefachhelfer mit einer einjährigen Ausbildung und Frauen und Männer, die angelernt werden. "Ich nehme aber niemanden, der nicht mindestens einen Kurs in Pflegehilfe absolviert hat", sagt Binder.

    Soziale Kompetenz

    "Das Wichtigste ist soziale Kompetenz." Und die sei immer schwerer zu finden. Das spüre man beim Umgang mit den zu betreuenden Menschen, bei Führungskräften, wie sie ihre Mitarbeiter behandelten und beim Verhalten den Kollegen gegenüber. Alles stehe und falle mit dem Betriebsklima. Über ihr Team sagt sie im Hinblick auf das Jahr in der Diaspora: "Sie haben es wirklich toll gemacht. Ich bin stolz auf meine Leute."

    Bearbeitet von Monika Büdel

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