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    FRANKEN

    Auf jeden Fall kein Bayer

    Bassd scho!“ Der Franke als solcher neigt nicht zu Gefühlsausbrüchen. Wenn ihm etwas besonders gut gefällt, er begeistert ist von einer Leistung, er sich regelrecht in einem Rausch der Glücksgefühle befindet, dann drückt der Franke das mit diesen zwei simplen Wörtern aus: „Bassd scho!“ So ist er halt, der Franke. Ein nüchterner Zeitgenosse, bisweilen erst einmal kritisch und misstrauisch. Kann man nun an diesen Attributen eine fränkische Mentalität festmachen? Und: Gibt es so etwas überhaupt? Wie stellt er sich dar, der typische Franke?

    „Zuverlässigkeit ist ein fränkisches Markenzeichen.“

    Erwin Dotzel, Bezirkstagspräsident

    „Der typische Franke verhält sich gegenüber dem Neuen und Fremden erst einmal abwartend. Aber wenn man sich kennengelernt hat, dann öffnet sich der Franke, steht zu seinem Wort und ist ein treuer Wegbegleiter. Zuverlässigkeit ist deshalb ein fränkisches Markenzeichen. Der Franke ist arbeitsam, sparsam und strebsam, und er folgt dem Grundsatz: nicht geschimpft ist genug gelobt“, sagt Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel. Die Sache mit der Mentalität scheint auf den ersten Blick recht einfach zu sein. Blickt man aber auf die fränkische Geschichte, wird die Angelegenheit komplizierter.

    Denn wie eine fränkische Identität entstanden sein soll, lässt sich schwer historisch rekonstruieren. Vor 200 Jahren gab es keinen einheitlichen fränkischen Staat, sondern nur eine Art Flickenteppich mit verschiedenen Herrschaftsgebieten. Erst Napoleon setzte dieser Entwicklung ein Ende. Er machte Bayern 1803 zu den Gewinnern der süddeutschen Staaten und gliederte große Teile Frankens, das vorher weder historisch noch politisch mit Bayern verbunden war, an das Land an. Durch die historisch gewachsene Kleinteiligkeit Frankens ist ein echtes fränkisches Gemeinschaftsgefühl nicht entstanden. Das stellt die Identitätssuche bis heute vor eine große Herausforderung.

    Der Unterfranke ist in seinem Wesen etwas anders als der Mittelfranke, der sich wiederum vom Oberfranken unterscheidet. „Unterschiede gibt es aufgrund von Religions- und Gebietszugehörigkeiten. Der Spessart zum Beispiel ist nicht nur eine Wasserscheide, sondern auch eine Sprachgrenze. Und natürlich sind die Menschen aus den industriellen Zentren anders geprägt als in den ländlichen Regionen. Insgesamt kann man aber sagen, dass der Fleiß der Bevölkerung und der fränkische Erfindergeist schon immer eine solide Basis für den wirtschaftlichen Erfolg und den technologischen Fortschritt Frankens waren“, sagt Dotzel.

    Der Bezirkstagspräsident bezeichnet speziell den Unterfranken als einen lebenslustigen Menschen. Er sei froh und heiter, selbstbewusst und liebenswert, weltoffen und zugleich tief mit der Heimat verbunden.

    Auf der Suche nach der Identität ist es dem Franken wichtig, sich abzugrenzen. Der Kabarettist Frank-Markus Barwasser, alias Erwin Pelzig, stellte dazu fest: „Möglicherweise geht es ja heute bei der Suche nach einer fränkischen Identität auch weniger um die Frage, wer und was man ist, sondern vielmehr darum, wer und was man nicht sein will: nämlich Bayer.“ Die Franken stünden pausenlos vor einem Dilemma: Sie sind politisch gesehen Bayern, aber wenn Bayern gelobt wird oder sich selbst lobt, was noch häufiger vorkomme, seien sie zwar betroffen, jedoch gar nicht gemeint.

    Der Franke hat also ein gespaltenes Verhältnis zu seinem Bundesland und auch, wenn die Franken nicht als geschlossene Einheit zu Bayern gelangt sind, so lassen sich bei ihnen laut dem unterfränkischen Regierungspräsidenten Paul Beinhofer gewisse Mentalitätsmerkmale feststellen, die sie von den Altbaiern deutlich unterscheiden.

    „Der Altbaier strotzt gemeinhin vor Selbstbewusstsein und hält Zustände, wie sie bei ihm sind, für unübertrefflich. Was um ihn herum geschieht, interessiert ihn weniger. Diese Einstellung ist wohl am trefflichsten in den drei Worten ,Mir san mir' zusammengefasst. Der Franke hingegen schaut gern über den eigenen Gartenzaun hinaus, und es ist ihm wichtig, was der Nachbar von ihm denkt“, betonte Beinhofer einmal. Dem Franken entgeht natürlich nicht, dass es innerhalb Bayerns ein Nord-Süd-Gefälle gibt, was Wirtschaft und Kultur betreffen. Auch Forschung und Wissenschaft beklagen die finanzielle Bevorzugung des Südens.

    Erwin Dotzel sieht das Verhältnis zwischen Franken und Bayern etwas entspannter: „In Altbayern werden die Entscheidungen der Obrigkeit klaglos hingenommen, und in Franken werden sie kritisch kommentiert. Das hat zur Folge, dass die fränkische Stimme in Bayern durchaus Gewicht hat.“ Außerdem falle ihm immer wieder auf, dass die Franken mehr Gewicht auf die Bewahrung der Schöpfung, sprich: auf den Bereich Natur- und Landschaftsschutz legen. Der Widerstand gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel gehe ganz stark von Franken aus. Und auch die Erzeugung und Vermarktung regionaler Produkte spiele hier eine sehr große Rolle. „Mit anderen Worten, unser Wehklagen wird in München gehört und führt dazu, dass wir entsprechend unterstützt werden – zumindest in jüngster Zeit“, ist sich der Bezirkstagspräsident sicher.

    Der Franke jammert halt gern und stellt oft sein Licht unter den Scheffel. Anstatt sich auf die Errungenschaften der Franken zu konzentrieren. So entwickelte sich die Industrialisierung unseres Landes zuerst in Franken. Bestes Beispiel dafür ist die Fahrt der ersten deutschen Eisenbahn am 7. Dezember 1835 zwischen Nürnberg und Fürth. Entwickelt wurde in Erlangen (Mittelfranken) der mp3-Player, der Airbag stammt aus Aschaffenburg (Unterfranken) und der Erfinder der Jeans, Levi Strauß, kommt aus Buttenheim bei Bamberg (Oberfranken). Eine bahnbrechende Erfindung wurde bekanntlich in Würzburg gemacht: 1895 entdeckte Wilhelm Carl Röntgen an der Universität Würzburg die nach ihm benannten Strahlen, wofür er den Nobelpreis für Physik erhielt.

    Besonders freuen sich die Franken über ihre jüngste Errungenschaft: Ein eigener Franken-„Tatort“ kommt ins Fernsehen. Bei der „Mordkommission Franken“ landen dann Fälle aus Unter-, Mittel- und Oberfranken. Sie hat ihren Sitz in Nürnberg und kooperiert je nach Tatort mit der Rechtsmedizin in Würzburg oder in Erlangen. Die Dreharbeiten für den Film „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ sollen am 26. August beginnen. Für Komparsen-Einsätze bei dem Kult-Krimi haben sich knapp 2000 Interessierte beim Bayerischen Rundfunk beworben. Was der typische Franke dazu wohl sagt? „Bassd scho!“

    Kerstin Fellenzer

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